Zitat
Original geschrieben von conzi
Leistungen sind ja eh zeimlich gleich und außer den Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen brauche ich die *bisher* KK nicht.
Ja, ich weiß dass sich das schnell ändern kann. Aber so denke ich nicht!
Ich zitiere dich mal, ohne dich persönlich zu meinen, da du der letzte im Thread mit dieser Aussage bist.
Ja, die Leistungen sind "ziemlich" gleich und natürlich rechnet keiner damit, unverschuldet quasi über Nacht lebensbedrohlich zu erkranken. Nur leider passiert das trotzdem manchmal - und dann steckt der Teufel im Detail.
Dann kann man folgendes Szenario erleben:
Im Rahmen einer Krebstherapie kann es passieren, dass man ca. 30 Bestrahlungen über sich ergehen lassen muss und die Strahlenklinik ist auch noch relativ weit vom Wohnort entfernt ist.
Eine Strahlentherapie gehört zu den wenigen Fällen, in denen man auch heute noch einen Taxischein (oder auf Wunsch eine Fahrkostenerstattung) von der Krankenkasse bekommt. Soweit so gut.
Viele Krankenkassen sind so freundlich und rechnen das als Serienfahrt ab, sprich, man zahlt nur für die erste (Hin-)fahrt sowie für die letzte (Rück-)fahrt jeweils einmalig 5 - 10 Euro zu (Betrag hängt von der Entfernung ab).
Dann gibt es aber auch Kassen (z. B. die AOK Baden-Württemberg), die solche schwerstkranken Menschen in so einer Situation richtig böse abzocken und für jede einzelne Hin- und Rückfahrt (bei 30 Terminen also 60 mal!!) diese 5 - 10 Euro verlangen.
Hatte man vor der Erkrankung oder familienintern ein entsprechend hohes Einkommen, darf man mal eben innerhalb von 1,5 Monaten (5 Bestrahlungstermine pro Woche) 300 bis 600 Euro nur fürs Taxi hinblättern, während die Mitpatienten mit 10 bis 20 Euro davonkommen!
(Gleiches gilt natürlich auch für Fahrten zur ambulanten Chemo).
Und Leute, die mit dem eigenen PKW fahren bzw. gefahren werden, bekommen analog dazu natürlich auch für jede einzelne Fahrt die "Selbstbeteiligung" abgezogen und bleiben somit quasi auf den Fahrtkosten sitzen - sofern sie bei der falschen GKV sind.
Selbst für Artikel aus dem Sanitätshaus gibt es je nach KK teils sehr unterschiedliche "Shoppingbudgets". Das Zeug ist oft ar***teuer und da macht es schon einen Unterschied, ob die Kasse nur das allerbilligste bezahlt und man Mühe hat, in seinem Sanitätshaus vor Ort überhaupt was für den Preis zu finden, oder ob man wenigstens ein bisschen Wahlmöglichkeit hat, ohne den größten Teil des Kaufpreises selbst tragen zu müssen.
Auch für Leute mit wenig Einkommen gibt es Unterschiede: Die einen GKVs lassen einen auf Wunsch am Jahresanfang den Zuzahlungsbetrag fürs ganze Jahr im Voraus einzahlen und stellen einem das Befreiungskärtchen sofort aus.
Nicht so die AOK BW (Keine Ahnung, ob das in ganz BW so ist). Die bestehen darauf, dass selbst Krebspatienten während der Chemo/Bestrahlung/whatever fleißig Belege sammeln und erst dann angedackelt kommen, wenn sie ihr Zuzahlungssoll erfüllt haben - was dann oft mitten in der Chemo oder Bestrahlung oder während eines Krankenhausaufenthaltes der Fall ist. Schließlich hat ein Krebspatient ja den ganzen Tag Zeit und eh nichts Besseres zu tun.
In einem Punkt sind sich immerhin alle Kassen einig: Chronisch krank (= 1% Zuzahlung statt 2%) ist auch ein Krebspatient erst nach einem Jahr. Sprich, solange die teuren Therapien laufen, bei denen man ständig am Zuzahlen ist, sind 2 % des Einkommens fällig!
Also Leute, auch wenn's unangenehm ist: Schaut nicht nur danach, wie viele Euro ihr bei Nichtinanspruchnahme am Jahresende zurück bekommt, sondern auch, wie kulant die Kasse ist, wenn's euch mal richtig dreckig geht. Denn das ist die Situation, wo man meist kein Geld zu verschenken und auch nicht den Nerv für die ganze Rennerei hat!