Zitat
Original geschrieben von Mephisto
Zum Beispiel finde ich es ziemlich dreist, einen jungen Menschen, der seine Ausbildung, z.B. sein Studium, beendet hat, zwangsweise in eine Kasse zu stopfen, in die er a) wesentlich mehr einzahlt und zum Ausgleich b) wesentliche weniger Leistungen erhält. Und das ganze dann für mindestens (!) 3 Jahre, im Normalfall natürlich eher mehr, bis großzügigerweise der Weg in die PKV zurück gestattet wird. Und warum das ganze? Weil man mit einer Horde junger Leute, die alle grundsätzlich wohl keine großen Kosten für eine Kasse verursachen, da kerngesund und noch dazu arbeitsmäßig so fest eingebunden, daß mal eben Krankfeiern sowieso ein no-go ist, ganz prima die vollgestopften Wartezimmer mit den "schlechten" Risiken gegenfinanzieren kann.
das ist soweit nicht richtig. Es dürfte wenige Studenten geben die direkt nach dem Studium mehr verdienen als die BBG. Sicherlich ist es ärgerlich das man jetzt 3 Jahre warten muss, aber gut Ding will Weile haben.
Und wer schon als Student Privat versichert war, muss ja gar nicht in die GKV. Er kann einmalig vor Aufnahme eines Jobs wählen ob er privat oder gesetzlich versichert sein möchte.
Des Weiteren glaube ich hast Du das Solidaritätsprinzip nicht verstanden. Die Stärkeren sorgen für die Schwächeren. Nach Deiner Definition sollen die jungen Leute die kaum Kosten verursachen davon am meisten profitieren und die Kranken, Alten usw. Ihre Kosten selbst stemmen. Komischerweise wird sich Deine Sichtweise sofort ändern wenn die obigen Jungen älter/kränker werden. Auch diese werden dann danach rufen das der Staat bzw. die Gesellschaft ihnen hilft. Oder sie wollen auf einmal Familie/Heiraten usw. Dann ist die GKV wieder erste Wahl denn da kann man ja wieder sparen :flop:
Deutschland ist das einzige westliche Land in dem man seine Haupt-Krankenversicherung wählen kann. Überall sonst gibt es normale Grundversorgung und jeder kann (sofern ihm natürlich finanziell möglich) privat noch mehr Leistungen absichern. Es gibt aber nirgendwo die Möglichkeit das sich ca. 10% der Bevölkerung, die oft Gutverdienenden PKV Versicherten, sich dem Solidarsystem entziehen und sich nur die Rosinen heraus picken.
Im übrigen kenne ich aus meinem beruflichen Umfeld diverse Fälle wo alte Leute PKV Beiträge von > EUR 1.000,-/mtl. pro Person bezahlen müssen. Und nein das sind keine Horrorgeschichten. Diese wären froh in der GKV (trotz weniger Leistung, Leistungskürzungen) geblieben zu sein, denn mit dem gesparten Geld hätten Sie ohne Probleme ja diese Minderleistungen "egalisieren" können.
Es ist nunmal sicher das die PKV im Alter teurer ist und viele wollen danach zurück obwohl Sie sich schon ewig dieser von Ihnen gescholtenen und verschmähten Solidargemeinschaft entzogen haben. Daher finde ich es gut das die PKV nun durch den Grundtarif gezwungen wird diese Risiken im Alter selbst abzudecken und nicht in die GKV zu schieben.
Nicht umsonst wollen selbst nahmhafte private Versicherungen die PKV in ihrer jetzigen Form abschaffen und sich ganz auf Zusatzversicherungen konzentrieren. Das Risiko der steigenden Kosten wird Ihnen langsam zu hoch. Das sieht man auch daran, dass immer mehr Einschränkungen usw. in der PKV gelten, d.h. man bekommt obwohl PKV nicht mehr jede Behandlungsmethode bezahlt.
Sicherlich gibt es im gesetzlichen System viele Möglichkeiten noch Kosten zu senken, Strukturen zu verschlanken usw. Auch wenn der Gesundheitsfonds nicht das beste Vehikel ist, wird die Konsolidierung unter den Krankenkassen IMHO dadurch nochmal an Fahrt gewinnen. Vor der Liberalisierung der GKV gab es über 1.000 Krankenkassen. Aktuell sind es immer noch mehr als 250. Warum ist dies notwendig wenn eh alle zu 95% die gleiche Leistung erbringen? Daher wird der Konzentrationsprozess weitergehen. Durch die dann deutlich mitgliederstärkereren Versicherungen haben diese besser Verhandlungsmöglichkeiten bei Ärzten/Krankenhäusern/Pharmafirmen usw. Dies wird zumindest in Teilbereichen Kosten senkend wirken bzw. die Qualität der Betreuung verbessern.
Ich denke es ist fair sich mit dem Gesundheitsfonds auseinanderzusetzen. Er ist nicht die erste Wahl, aber er hilft das System langfristig zu verbessern und egal welche Regierung (rot-grün oder schwarz-gelb) kann danach Ihr eigenes Konzept ohne größere Umstellungen weiter verfolgen.
Viele Grüße
Aik
PS: Und ja, ich bin stolz auf das Solidaritätsprinzip und auf unsere (noch!) vorhandene soziale Marktwirtschaft. Zu was Turbokapitalismus führt sieht man in GB und den USA zur Genüge. Ich für mich möchte so nicht leben und habe kein Problem etwas mehr zu bezahlen damit auch die Schwächeren in unserer Gesellschaft ein lebenswürdiges Leben führen können und sich nicht ausgestossen bzw. überflüssig fühlen. Leider ist es schwer diese Errungenschaften bei uns zu verteidigen, da der Egoismus bzw. die Ellbogengesellschaft immer mehr um sich greift und man auf verlorenem Posten steht.
PPS: Weiterhin muss ich Andreas24 Recht geben. Jeder der etwas gegen die aktuellen Zustände hat (aber auch die die diese unterstützen) kann sich in diversen Parteien und Organisationen engagieren. Nur immer Meckern aber dann nichts anderes unternehmen hilft nicht. Auch bin ich der Meinung das Leute die nicht wählen, keinen Anspruch darauf haben zu meckern. Denn diese Leute hätten zumindest durch Abgabe Ihrer Stimme versuchen können etwas zu ändern. Und wenn das nicht reicht dann gehört es sich sich selbst zu engagieren und nicht nur Meckernd/Schmollend in der Ecke zu stehen und die Gesellschaft bzw. "die da oben" für alles schuldig zu erklären.