Kunden können aufatmen
Quam erhält Angebot aufrecht
Die schlechte Nachricht: Der jüngste deutsche Mobilfunkanbieter Quam stellt sein operatives GSM-Mobilfunk-Geschäft ein. Die, wenn auch nicht gute, dann aber zumindest beruhigende Nachricht: Quam-Kunden können bis auf weiteres wie gewohnt weiter telefonieren.
Die Schließung des operativen GSM-Geschäft bedeute, das nun keine neuen Kunden mehr akquiriert würden, erklärte ein Unternehmenssprecher gegenüber n-tv.de. Kunden, die bereits einen Vertrag bei Quam hätten, könnten das Angebot aber weiter nutzen.
Da die Sales Aktivitäten eingestellt würden, werde es auch Filialschließungen geben, hieß es weiter. Ob in einigen Läden noch ein Service angeboten werde oder nicht, sei aber noch nicht entschieden, dafür sei es noch zu früh. Bei Fragen könnten sich die Kunden weiterhin an die Hotline Tel.-Nummer 1555 für Vertragskunden und 1559 für Prepaid-Kunden wenden.
UMTS weiter geplant
Auch wenn das Mobilfunkgeschäft nun eingestellt werden soll, hält man bei Quam weiterhin an den UMTS-Plänen fest. Allerdings werde der Aufbau an die Marktgegebenheiten angepasst, schränkte ein Sprecher ein. Der bisherige Zeitplan werde angesichts der jüngsten Entwicklung wohl nicht einzuhalten sein, genauere Angaben können man aber noch nicht machen.
Bisherigen Angaben zufolge wollte Quam gemeinsam mit E-Plus ein UMTS-Netz aufzubauen. Die Kooperation mit E-Plus bleibe auf jeden Fall bestehen, hieß es nun. Schließlich laufe ja auch der Netzbetrieb von Quam über E-Plus.
Zuvor war bekannt geworden, dass der spanische Quam-Haupteigner Telefonica Moviles mit dem finnischen Partner Sonera übereingekommen war, das Mobilfunkgeschäft in Deutschland auf Eis zu legen. Prompt wurden Vermutungen laut, dass damit auch die UMTS-Pläne bis auf weiteres eingefroren würden.
Schnell machten Gerüchte die Runde, dass Telefonica Moviles die UMTS-Lizenz an die Regulierer zurückgeben muss. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post sieht derzeit jedoch noch keinen Grund, die UMTS-Lizenz von Quam in Frage zu stellen. Eine Überprüfung werde es vorerst nicht geben, hieß es. Die Unternehmen, die eine Lizenz ersteigert hätten, hätten sich aber verpflichtet, bis Ende 2003 für mindestens 25 Prozent der Bevölkerung erreichbar zu sein, erklärte ein Sprecher. Diese Bedingung kenne man auch bei Telefonica.
Bislang hätten Telefonica und Quam jedoch lediglich die Einstellung des GSM-Mobilfunkgeschäftes beschlossen, erinnerte der Sprecher. Daher sei ja über die Zukunft des UMTS-Geschäftes von Quam noch keine endgültige Entscheidung gefallen.
Verlustreiches Geschäft
Am Vortag hatte Telefonica Mobiles bekanntgegeben, die Quam-Aktivitäten in Deutschland einfrieren zu wollen. Die Neuordnung der Mobilfunkaktivitäten in Deutschland und in anderen europäischen Ländern hätten im ersten Halbjahr zu einer Sonderbelastung von knapp fünf Mrd. Euro geführt, teilte der führende spanische Mobilfunkanbieter mit. Dadurch habe sich ein Halbjahresverlust von 4,33 Mrd. Euro ergeben, nach einem Gewinn von 471 Mio. Euro im Jahr zuvor. Die Konzernmutter Telefonica vermeldete mit einem Minus von 5,57 Mrd. Euro in den ersten sechs Monaten den ersten Verlust ihrer Geschichte.
Für die Analysten kam der Rückzug des Anbieters Quam wenig überraschend, da auf dem deutschen Mobilfunkmarkt ein harter Wettbewerb herrscht. Rund 80 Prozent des Marktes beherrschen Vodafone mit D2 und die Deutsche Telekom mit T-Mobile. Quam war im vergangenen November in den deutschen Markt eingestiegen.
Das 3G-Konsortium aus Telefonica Moviles und Sonera, das die Marke Quam vertreibt, hatte im Sommer 2000 in Deutschland für rund 8,7 Mrd. Euro eine UMTS-Lizenz erworben. Der Start des neuen Mobilfunkdienstes, der eine schnellere Datenübertragung ermöglicht, war allerdings mehrfach verschoben worden.