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Original geschrieben von Printus
WL tritt mit der - geäußerten oder stillschweigend angenommenen - Absicht an, unrechtmäßige Machenschaften aufzudecken. Ob das dem Selbstverständnis von Assange entspricht weiß ich zwar nicht, aber dieses ist das Image, das von den Befürwortern dargestellt wird.
Ohne nun ausrücklich Befürworter von WL zu sein, sehe ich das anders. Für mich zeigt WL einfach einen Teil von (inter-)staatlichen Handeln, inden man sonst keinen Einblick erhält. Ob das für dich (und auch für mich) bedeutsam oder wünschenswert ist, ist erstmal Ermessenssache von jedem Einzelnen bzw. der Gesellchaft insgesamt. Es wird bestimmt einige geben, die Erkenntnisse daraus "bahnbrechend" finden, während andere das alles gar nicht interessiert (und daher auch gut auf das Ganze verzichten könnten). Es ist nunmal ein Merkmal der Meinungsfreiheit, dass der Einzelne (Du, ich), aber auch die Regierung nicht entscheidet, welche Informationen wichtig sind, solange sie nicht gegen andere Gesetze verstoßen (und hier wurden ja Verletzungen noch von keiner Seite offiziell genannt! (siehe auch unter nochmal ausführlicher)
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Wie viele Leute schon vorher legal Zugriff auf die Dokumente hatten ist kein valides Argument. Wenn diese Daten unter Verschluss sind, sind sie nicht für die Veröffentlichung bestimmt und sollen nur von einem bestimmten Personenkreis eingesehen werden.
Das stimmt! Allerdings ist es schon ganz schön naiv, extrem vielen Menschen (die Zeitungen schwanken hier von 250.000 bis 2,5 mio!) Zugriff zu gewähren und sich dann zu wundern, wenn Sachen davon öffentlich werden. Das macht es natürlich nicht besser, aber es ist - mit Verlaub gesagt - ziemlich dämlich. Gerade wenn angeblich wirklich geheime Sachen enthalten sind.
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Was Assange persönlich angeht: der Vergewaltigungsvorwurf war schon lange vor dieser letzten Veröffentlichung in der Welt. Es mag natürlich sein, dass man dieses jetzt aufgreift weil man ihn "aus dem Verkehr ziehen will". Was aber nicht stimmt ist, dass da irgendwas völlig frei konstruiert wird um ihn mundtot zu machen.
Ob da etwas konstruiert ist, um ihn mundtot zu machen, können wir beide nicht wissen. Denn auch die ersten Anschuldigungen stammen ja aus einer Zeit, in der WikiLeaks "Unangenehmes" veröffentlicht hat. Aber wie gesagt, du und ich (und jeder andere in diesem Forum) können das schlicht nicht beurteilen. Auf Grund des timings sowie des Ablaufs der Ermittlung in Schweden muss man sich aber nicht wundern, wenn solche "Theorien" entstehen. Daher wird auch jeder seine Meinung dazu haben und keine Seite wird die andere entkräften können. Ich finde es spannend, wie es da weiter geht.
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Sex ohne Kondom gegen den Willen des Partners ist durch nichts zu rechtfertigen. Ich kann das nicht runterspielen nur weil andererseits der Verdacht besteht, dass man Assange mit diesem Vorwurf mundtot machen will. Das eine ist genauso daneben wie das andere und Beweise fehlen in beiden Fällen...
Stimmt... im konkreten Fall wissen wir aber nicht, was genau vorgeworfen wird und auch nicht, was passiert ist. Daher lässt sich auch nicht sagen, ob es sich hier um eine Verfehlung handelt. Übrigens (nur so als Info, weil ich es ganz interessant finde): Nach allen Rechtsexperten aus Deutschland, die ich in der letzten Zeit gehört habe, wäre einvernehmlicher Sex bei dem über die Nutzung von Kondomen im Nachhinein Uneinigkeit herrscht, keine Vergewaltigung. In Deutschland wäre somit ein entsprechender Haftbefehl nicht möglich. Moralisch wäre es natürlich trotzdem verwerflich.
Im übrigen finde ich, werden grundsätzlich zwei bis drei Sachen hier in der gesamten Diskussion durcheinander geworfen:
1. Sind die Veröffentlichungen gut/schlecht/harmlos/gefährlich? Also eher die Frage nach der persönlichen Meinung bzw. der Moral hinter einem solchen Vorgehen. Das ist nicht die Frage, ob es legal ist, denn es gibt 1000e Sachen, die legal sind und viele trotzdem moralisch verwerflich finden (von z.B. Hartz 4-Sätzen bis Boni
) und vice versa.
2. Ist es legal, was WL macht? Wie wird gegen WL vorgegangen?
3. Die Vorwürfe gegen Assange.
Das sind aus einer rechtsstaatlichen Perspetive drei völlig unterschiedliche Sachen.
Frage 1 ist eher persönlicher oder gesellschaftlicher Natur... Es ist letztlich auch eine Frage, was unter Journalismus zu verstehen ist etc. ... am Ende könnten ggf. neue Gesetze zur Veröffentlichung solcher Daten oder zur Pressefreiheit stehen, die natürlich erst zukünftig gelten.
Frage 2: Das ist für mich der Knackpunkt. Offensichtlich gibt es kaum/keine Gesetze (die rechtliche Lage ist keinesfalls klar) , die im konkreten Fall gegen WL vorgebacht werden können. Es wurde zumindest nirgendswo Anklage erhoben. Und nach meinem Rechtsempfinden sind somit alle (staatlich initiierten) Aktionen, die sich gegen die Organisation von WL richten eine Form von Zensur (UNO spricht von Zensurversuch gegen WikiLeaks) , die nicht hinzunehmen ist (Stichwort z.B. Einflussname von Politkern (z.B. Liberman) auf Organisationen (z.B. Amazon; klick ) oder "Jagdaufrufe" von Politikern auf WL-Mitglieder ). Wenn es illegal ist, dann sollen sie bitte Anklage erheben, einen fairen Prozess abhalten und dann (und erst dann) den Laden ggf. dicht machen. Dann habe ich kein Problem damit, egal ob ich es gut finde oder nicht! Aber einfach so, "weil es einem nicht gefällt" (über die für und wider kann man ja gerade streiten) und aus der eigenen Machtpositionen, sich über diesen rechtsstaatlichen Weg hinwegzusetzen, ist ein Unding IMO.
Frage 3: Interessiert mich eigentlich gar nicht solange man nicht das Gefühl hat, es handelt sich hier um einen Rachefeldzug.
So, das nochmal dazu aus meiner Perspektive. 