Beiträge von john-vogel

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    Original geschrieben von Timba69
    Merkels Absicht ist klar: Verschleiern, das es Steuergeld kosten wird und verschleiern, dass sie und die CDU persönliche Verantwortung trägt. BTW: Die SPD ist da auch voll im Boot.

    Die Griechenland-Pakete wurden von allen Parteien im Bundestag verabschiedet, selbst die Linkspartei hat zuletzt zugestimmt. Im Übrigen: Die Kredite an Griechenland laufen extrem lang - teilweise bis 2057! Einen "großen Knall" kann es aus unserer Sicht da gar nicht geben.

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    Original geschrieben von Timba69
    Womit begründest du diese Aussage? Schulden nicht zurückzuzahlen, ist kein Verbrechen oder ein Verstoß gegen ein Gesetz im weit gefassten Sinne. Es kommen nur gesetzliche Bestimmungen im engeren Sinne in Betracht.

    Ähm, möglicherweise damit, dass in den Kreditverträgen vereinbart ist, dass das Geld bitte doch auch wieder zurückzuzahlen ist!?

    Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Hat jemand bereits die Dokumente gefunden, welche die griechische Bevölkerung annehmen/ablehnen soll? Ich kann sie beim besten Willen nicht finden, selbst heute beim zweiten Versuch. Die Dokumente heißen laut der Frage des Referendums "Reforms for the Completion of the Current Program and Beyond" und "Preliminary Debt Sustainabilty Analysis". Lediglich eine geleakte Version aus dem Jahr 2012 von "Preliminary Debt Sustainability Analysis" habe ich finden können. Mir kann niemand erzählen, dass der durchschnittliche Grieche den Inhalt dieses mit Fachchinesisch gespickten Dokuments innerhalb der gegebenen Zeit tatsächlich erfassen und korrekt einordnen kann.


    Es kann doch nicht sein, dass Tsipras die Griechen über Dokumente abstimmen lässt, die nicht einmal öffentlich verfügbar sind!

    Nicht das es noch irgendeinen Unterschied machen würde, denn Griechenland ist ja sowieso schon vom Kreditmarkt abgeschnitten:


    "Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) quittiert die angekündigte Volksabstimmung, indem sie die Kreditwürdigkeit des Landes um eine Stufe auf „CCC-“ senkt. Damit sieht S&P nun eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Zahlungsfall Griechenlands." (Quelle)


    Edit: Fitch zieht nach: "Fitch Downgrades Greek Banks to 'RD' on Capital Controls" (Quelle)

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    Original geschrieben von john-vogel
    Das Geld, das die Griechen gerade massenhaft aus den Geldautomaten ziehen, wird durch die ELA-Kredite ("Emergency Liquidity Assistance") der EZB finanziert. Morgen wird die EZB bekanntgeben, dass es keine weiteren ELA-Kredite mehr für Griechenland geben wird, denn dadurch würde sich die Insolvenzmasse bis zum Staatsbrankrott nur erhöhen. Alles andere wäre auch Unsinn, denn am Ende haften die europäischen Steuerzahler dafür. Daraufhin werden die Banken schließen müssen, da es einfach kein Geld mehr gibt. Den fälligen IMF-Kredit wird Griechenland nicht oder nicht vollständig bedienen können. Daraufhin treten die Cross-Default-Klauseln in Kraft, die es anschließend aufgrund der Nichtbedienung des IMF-Kredites jedem Gläubiger erlauben, seine Kreditverträge mit Griechenland mit sofortiger Wirkung zu kündigen. Ohne eine schnelle Lösung dürfte Griechenland gezwungen sein, irgendeine Währung neben dem Euro einzuführen damit die Banken wieder Geld haben. Die Folge: eine unglaubliche Inflation die es schwierig machen wird, die griechische Bevölkerung mit dem Wichtigsten (Nahrungsmittel, Medizin, Benzin etc) zu versorgen.

    Alles so wie befürchtet bisher:


    - Die Europäische Zentralbank (EZB) friert die ELA-Kredite für Griechenlands Banken bei rund 90 Milliarden Euro ein.
    - Die griechische Regierung führt drastische Kapitalverkehrskontrollen ein. An Geldautomaten gibt es nur noch 60 Euro pro Tag.
    - Griechische Banken bleiben bis zum 7. Juli geschlossen.
    - Griechenland wird nach Angaben eines Regierungsvertreters die am Dienstag fällige IWF-Kreditrate von 1,6 Milliarden Euro nicht zahlen.


    Am Sonntag lässt man die griechische Bevölkerung abstimmen. Die Frage lautet dabei:

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    "Soll der Vorschlag der drei Institutionen vom 25. Juni, der aus zwei Teilen besteht, akzeptiert werden? Die zwei Teile sind: 'Reforms for the Completion of the Current Program and Beyond' und 'Preliminary Debt Sustainabilty Analysis'."
    "Nein"
    "Ja"

    Nicht nur, dass man die Antwortmöglichkeiten statt nebeneinander unterneinander anordnet. Es stellt sich auch die Frage, wie denn die Bevölkerung überhaupt eine informierte und qualifizierte Entscheidung treffen soll? Ich jedenfalls habe es eben nicht geschafft, diese Dokumente zu finden. Vielleicht kann mir ja da jemand weiterhelfen? Dazu kommt die geringe Vorbereitungszeit von knapp einer Woche. Nur zum Vergleich: für die Referenden zum Brexit bzw. zum Austritt Schottlands aus Großbritannien hat man sich mehrere Jahre Zeit für die Diskussion genommen bzw. wird man sich noch Zeit nehmen. Ich habe selten eine so undemokratische Volksabstimmung gesehen.


    Und was passiert nach der Abstimmung? Das Ergebnis ist IMHO schwer vorauszusehen. Intuitiv würde man behaupten, dass das "Nein"-Lager gewinnen wird, doch die letzten Umfrage sprechen nicht dafür. Ich wage es nicht, eine Voraussage über das Ergebnis zu machen. Sollte "Nein" gewinnen, dürfte das allerdings IMHO einem Grexit gleichkommen. Neue Verhandlungen würden wohl zu lange brauchen, um einen Bankrott noch abzuwenden. Vielleicht unterschätze ich ja aber auch einfach das Wohlwollen der europäischen Staatschefs, Politiker und der EZB.

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    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Die EU (resp. der Euro-Raum) hat sich "kaputterweitert" um Länder, deren politische und wirtschaftliche Lage mit der ihrer Gründungsmitglieder rein gar nichts gemein hat. :(

    Idee ist ja auch, dass diese Länder mit dem Beitritt zur EU durch Handel, Austausch, Synergieffekte und auch Fördermittel wachsen. Das dem so ist ist empirisch belegt.


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    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Aber es ist, wie es ist ... als "Belohnung" für einen Beitritt zur NATO gibt es die EU-Mitgliedschaft obendrauf ... wenn man von der Türkei absieht, die seit Jahrzehnten an der Nase herumgeführt wird. Die EU in ihrer gegenwärtigen Form ist kaum mehr als ein Förderverein zur Stärkung der NATO.

    Dieser Gedanke... ist schon mehr als merkwürdig.


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    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Seien wir ehrlich: Was ist es, das die EU momentan beschäftigt? Antwort: Das interne ökonomische Problem mit Griechenland, die internen Streitigkeiten und die Regelung der Flüchtlingsfrage etc. ...

    Ähm.. Genau um solche Fragen supranational klären zu können ist doch die EU da! Da kannst Du der EU doch jetzt nicht vorwerfen, dass sie sich darum dann auch tatsächlich kümmert?!

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    Original geschrieben von Timba69
    Und die Griechen werden auch den Euro nicht verlieren. -> Denn wie durchsetzen?

    Das werden die Griechen selber mit Gewalt durchsetzen, sobald keine Gehälter und Pensionen mehr gezahlt werden. Und das kann Athen faktisch nicht ohne die Euronen aus Brüssel. Wenn man aber aus Brüssel nichts mehr bekommt (aktueller Stand), ist die Regierung quasi gezwungen, von sich aus eine andere Währung einzuführen, die sie dann selber drucken kann (-> massive Inflation).

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    Original geschrieben von CK-187
    Natürlich nicht. Man wollte die Fehlinvestitionen der Banken erst dem Steuerzahler aufbrummen.

    Das kann man so nicht sagen. Die privaten Gläubiger (Banken, Fonds, Versicherungen,..) haben 2012 beim Schuldenschnitt bereits auf bis zu 70% (!) ihres Geldes verzichtet und das restliche Geld in neue griechische Anleihen gesteckt, die teilweise bis zu 30 (!) Jahre laufen.

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    Original geschrieben von Robert Beloe
    Diese Konstellation wird am Montag nicht eintreten, vermute ich.

    Da müssen wir wohl die Entscheidung am Montag abwarten. Weitere ELA-Kredite sind aus meiner Sicht allerdings gegenüber dem europäischen Steuerzahler nicht vertretbar - schon gar nicht nach den jüngsten Geschehnissen. Ich würde davon ausgehen, dass es ab Montag keine ELA-Kredite gibt, lasse mich aber gerne eines besseren belehren.

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    Original geschrieben von Robert Beloe
    Das kann weder die Eurogruppe noch die EU als Ganzes dulden. Man wird die griechischen Banken flüssig halten, und man wird auch eine humanitäre Katastrophe in Griechenland verhindern.

    Das war immer das Ziel gewesen. Die humanitäre Katastrophe, die jetzt kommen könnte, hätte man (aus Sicht der Euro-Staaten) auch vor 5 Jahren haben könnte. Dann wäre das ganze Schlamassel (aus Sicht der Euro-Staaten) womöglich viel "billiger" gewesen. Doch das wollte man nicht.