Beiträge von iStephan

    Zitat

    Original geschrieben von miherbie
    Es geht mir nur um die Verhältnismäßigkeit.


    Es geht darum, dass ein Menschen der in seinen jungen Jahren einen Fehler gemacht hat "hingerichtet" wird.


    ich wollte habe angemessene Vergleiche mit Vermögensdelikten ("Delikt" hier weniger moralisch , eher im Sinne eines BGB-Delikts) angeführt.führen.


    Du hingegen behauptest, es ginge dir um Verhältnismäßigkeit und gebrauchst selber weit überzogene Metaphern aus dem Bereich Mord&Totschlag - niemand, auch ihre Kritiker nicht und auch die Opposition nicht, wollte der Ex-Bildungsministerin auch nur ein Haar krümmen! -
    ... überdenke mal deine eigene Wort-und Metaphern-Auswahl, bevor du Verhältnismäßigkeit anmahnst!


    EDIT: Die Opposition hat Frau Schavan wirklich schonend, "menschlich" behandelt; sogar von der Parlamentslinken kamen einfühlsame Worte. Man erinnere sich, wie im Falle Guttenberg eine aktuelle Stunde beantragt wurde und Karl-Theodor von Trittin und anderen im Kreuzverhör mit kritischen Fragen "gegrillt" wurde. Das ist ihr weitgehend erspart geblieben.

    Das mit dem Entzug des Doktorgrads hat übrigens alles rein nichts mit "Bestrafung" zu tun - allein diese Denkweise ist verräterisch:


    Denn sie - diese Denke - tut so, als hätte der Plagiator (die Plagiatorin) einen "Anspruch" , einen "Besitzstand", der ihr "gehört" (wie ein Grundstück, ein Privatflugzeug, eine chinesische Vase)... oder wie die Zugehörigkeit zum Bildungsbürgertum (darum gehts unterschwellig auch, wenn immer wieder ihre durchaus kontrovers zu beurteilenden Verdienste betont werden.)
    Und man setzt diesen Besitzstand als so selbstverständlich, unhinterfragbar, unverrückbar, dass daran zu rütteln wie ein Sakrileg, im engeren Sinne eine Bestrafung erscheinen muss.


    Besagte Kreise in denen A.S. schwebt, haben die Denkfigur des Wegnehmens (Bildungs-Chancen, Bildungsgerechtigkeit, Umverteilung von unten nach oben) spiegelbildlich ebenso fest der Unterschicht zugedacht, dass man sich einen unfreiwilligen Transfer dieser Denkfigur auf sich selbst nur noch als Synonym von Bestrafung vorstellen kann.


    Bist du dann auch dafür, dass ein Fälscher der einen Koffer voll Banknoten fälscht und in einem Banktresor 30 Jahre lang einsperrt, dieses dann gut abgehangene "Geld" dann behalten und in Umlauf bringen darf? Das bedeutet ja wohl der Verjährungsgedanke... Verjährung ist bei Strafrecht akzeptiert - aber hier geht es nicht um Bestrafung auch wenn das noch so oft suggeriert wird!


    Bist du auch dafür, dass ein Mensch, der wegen Trunkenheit keinen Führerschein mehr hat und sich auf dem Schwarzmarkt ein gefälschtes Dokument besorgt, dass dieser Mensch, so es ihm gelingt 30 Jahre lang unfallfrei durch die Gegend zu brausen, - solche Fällle gibt es immer wieder - den falschen Führerschein kostenlos gegen einen echten umtauschen darf?

    autares: ich beuge mich deinen triftigern Argumenten (bloße These hie - wissenschaftliche Forschung die etwas neues hervorbringt da). Konnte das nicht so knackig ausdrücken :o


    Zitat

    Original geschrieben von murmelchen
    Da bin ich anderer Meinung, sollte der Doktorvater oder Prüfer nicht erkennen das wie hier bei Guttenberg und Schavan laut den Unis so "eindeutig" kopiert wurde sollte man auch alle andere Doktorarbeiten welche unter deren "aufsicht" gefertigt wurden gründlich prüfen.


    Bislang dachte ich, dass Redlichkeit und Unredlichkeit in der Wissenschaft - und nicht nur da - in einem Regel-/Ausnahmeverhältnis zueinander stehen! :rolleyes: Grundsätzlich ist Vertrauen da, dass der Doktorand selbst weiss was richtig ist. Wenn man diese grundlegende Ethik nicht mehr erwarten kann, dann ist mit der sog. gesellschaftlichen Elite was faul.


    Man kann nicht neben jeden Doktoranden einen Wissenschaftspolizisten stellen, der eine 100% Vollüberwachung leistet. Was glaubst du wie aufwändig das ist? Und was für ein Menschenbild liegt dem zugrunde?
    Es ist eben nicht damit getan alles durch eine Plagsoftware durchzunudeln. Es braucht immer manpower, um das alles zu bewerten, klassifizieren und identifizieren.


    Beunruhigend ist, dass die "Kultur des Nehmens" (lt. Weber-Wulff) schon soweit eingerissen ist, dass die Totalüberwachung (Scannen) der Doktoranden gefordert wird.


    Wer sowas fordert, räumt doch im Grunde ein, dass es seiner Ansicht nach bereits die Regel ist, dass Doktoranden gesellschaftliche Privilegien um jeden Preis sich verschaffen wollen (= die Unredlichkeit die Regel wurde) und auf breiter Front die Wissenschaft nur noch Mittel zum Zweck dazu geworden ist.

    Worin? Die Veröffentlichungspflicht ist bei Diplomarbeiten wohl eine andere als bei Dissertationen. Es macht einen Unterschied, ob die Statik im Gebäude der Wissenschaft durcheinandergebracht wird weil die zusammengeraubte Arbeit landesweit im Leihverkehr der Bibliotheken ist und andere nichtsahnend ihre eigene Arbeit darauf aufbauen, oder eine vermurkste Dipl.Arbeit bei einer einzigen Person im Regal steht.


    Zitat

    Original geschrieben von mws55
    Bei einer Diplomarbeit kann ich meinen Beschiss auf den Prüfer abwälzen bzw. wenn der es nicht direkt erkennt, dann ist alles gut und somit verjährt? :confused:


    Mooment!
    Du versuchst dich an einem Argumentum e contrario;
    Lesenswert:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Argumentum_e_contrario


    Zitat

    Although it might be used as a logical fallacy ...


    http://en.wikipedia.org/wiki/Logical_fallacy


    Genau das scheint hier vorzuliegen :-)


    ___________
    So wie ich Frau Weber-Wulff verstanden habe, meinte sie: bei einer Doktorarbeit ist es unmöglich die Prüfer für eine Täuschung in nennenswertem Umfang verantwortlich zu machen - denn das ist das Wesen der Täuschung, dass der Täuschende ja gerade durch sein Verhalten einen Irrtum erregt, die Täuschung herbeiführt (= verantwortet).
    Es geht somit niemals darum "sämtliche" Verantwortung den Prüfern zuzuschieben; es kann allemal nur um einen (kleineren) graduellen Beitrag gehen; der mag bei überschaubaren Arbeiten auf einem niedrigeren Anforderungsniveau mehr ins Gewicht fallen (schon vom Umfang her kann bei Seminararbeiten eher was aufgedeckt werden.)

    Zwischen Bachelor/Diplomarbeit einerseits und Doktorarbeit (Promotion) klafft ein himmelweiter Unterschied!


    Frau Deborah Weber-Wulff hat das in einem SWR-Interview ausgesprochen treffend auf den Punkt gebracht:


    (sinngemäss) "Mit der Doktorarbeit treten Sie erstmals alleine hinaus in die Öffentlichkeit der Wissenschaft, da stehen Sie selbst auf eigenen Füßen, da können Sie nichts mehr auf die Prüfer oder Verantwortung auf den Doktorvater abwälzen, da sind Sie selber verantwortlich!"


    http://www.swr.de/nachrichten/…971262/12vsmfu/index.html
    (der eigentliche Audio-Link befindet sich dort rechts vom Text)


    Auch ein sehr schönes , eigentlich lustiges Interview, sowohl sehr scharfsinnig als auch scharfzüngig, ist das Gespräch mit Volker Rieble im Deutschlandradio.


    Es liegt sowohl als Transskript schriftlich vor als auch als Audio-Stream; ich empfehle den wirklich hörenswerten Audio-Stream weil Professor Rieble Emotion und Sarkasmus an den richtigen Stellen hat - es ist wie ein Mini-Hörspiel :D:D :p


    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/2001994/