Zitat
Wenn das ein hervorragender Artikel ist, dann sind demzufolge die anderen Artikel dort also noch weniger hervorragend, schlechter, unnachdenklicher, demagogischer, verbohrter, autokratenfreundlicher, antidemokratischer, egozentrischer, werte- und wertloser, freiheits- und medienverunglimpfender als dieser. Schon seltsam, wenn die Herausstellung der eigenen Andersmeinigkeit und die Beschimpfung aller anderen als System-, Lügen- und Einheitspresse schon das Alleinstellungsmerkmal bilden soll. Nicht, daß jeder Halbsatz drin grundlegend falsch liegt, aber alles relevante dort sind auch Positionen derer, die man so ausgiebig beschimpft. Mir scheint, daß diese vermeintlich alternative Informations-, Nachrichten- und Diskussionsorgane selbst garnicht jenseits Boulevardzeitungen, Hauptschlagzeilen und Kurznachrichten a la Tagesschau gucken.
Selbst bei der Beseitigung alter, ungelesen gebliebener Zeitungsstapel kann man quasi nebenbei bemerken, wie ausgiebig, breitbandig, tiefgehend und aus vielen Perspektiven allein eine einzige Zeitung wie die FAZ berichtet. Kritik am vermeintlicher Einheitsberichterstattung lässt einzig den Schluss zu, daß die Kritiker nicht oder nicht oft jenseits der ersten Seite ausgiebig lesen. Sie fühlen sich offenbar schon hintergangen, wenn ausgerechnet ihre Meinung nicht auf der ersten Seite einer Zeitung publiziert wird und der Tenor auch nicht ihre Richtung marschiert.
Ihre eigene Einseitigkeit lässt sich schon daran erkennen, daß sie seit Monaten beständig und ausschließlich auf eine einzige Sequenz einer Satiresendung (!) hinweisen zur Untermauerung eigener Glaubwürdigkeit und der geäußerten Thesen, dabei aber gänzlich außeracht lassen, daß diese und andere Satiresendungen sowohl den vermeintlichen Alternativjournalismus als auch dessen abstruse Thesen gleichermaßen karrikieren. Selbst der verblichene Landesvater hätte per Collage aus dem Kabarettoeuvre ohne weiteres ein Loblied auf sein Kanalprojekt und sich selbst zusammenphantasieren können.
Die einzig validen Positionen, die dieses Medium vertritt sind samt der daraus resultierenden Richtungen und Absichten sowohl in unserer Gesellschaft, als auch in den privaten Zeitungen und den öffentlich-rechtlichen Sendern ausgiebig vertreten. Alles darüber hinaus ist mehr als entbehrlich und dient höchstens der eigenen Profileration, weil sie ansonsten genauso öffentlich unbeachtet blieben wie wir alle eben.
Kein hervorragender Artikel, sondern immer nur dasselbe Einerlei.