Zitat
Original geschrieben von frank_aus_wedau
"[...] Ohne Not wurde die neue ukrainische Regierung nach der Entmachtung Janukowytschs sofort rückhaltlos unterstützt, obwohl diese Regierung noch nicht einmal im eigenen Land das Vertrauen der Mehrheit genießt, antirussisch ist und ihr völkisch gesinnte Kräfte angehören. [...] Ein Gutteil der Verantwortung dafür liegt in Berlin."
Diese Worte halte ich für ziemlich deutlich. Mit ihnen hat er den Kern des Problems kurz und knapp auf den Punkt gebracht.
Langsam scheinen sich diejenigen, die versuchen, ein objektives Bild auf die Umstände zu werfen, aus ihren Löchern zu trauen. Noch vor kurzem wären sie für solche Äußerungen umgehend mit der "Keule der Politik" erschlagen worden.
Mehr Geblubber, weiterhin zu Fakten umgedeutete Behauptungen. Daß es sogenannte "Prorussen" gibt macht mich, dich und alle anderen Nichtprorussen noch lange nicht zu Antirussen. Wie man auf den dünne Zweig kommt, daß "diese Regierung noch nicht einmal im eigenen Land das Vertrauen der Mehrheit genießt" ist genauso reine Zweckbehauptung. Laut den Darlegungen von westlichen, westhassenden Putinfreunden gab und gibt es auf der Krim, in der Ostukraine und wohl zumindest teilweise auch im Süden ja legitime Volkserhebungen gegen illegetime, Neuwahl veranstaltende Interimsregierungen. Ohne ein gewisses Vertrauen in die maidansche Interimsregierung und ohne ein Misstrauen gegen Putin und seine Prorussena würde die amtierende Regierung ja noch schneller und noch heftiger hinweggefegt, wie die, ach so demokratisch gewählte Janukowitschregierung. Wille, Macht, Volk, Mut und Hingabe sind ja dort erwiesenermaßen vorhanden. Die Interimsregierung hat ich nach dem Umsturz ja auch nichtmal ähnlich gewaltbereit und gewalttätig gezeigt wie die vorige, sodaß weniger Konsequenzen zu befürchten wären.
Und "noch nichtmal im eigenen Land" ist sowieso nur ein lummerlandscher Scheinriese. Über's eigene Land hinaus braucht keine Regierung das Vertrauen einer Mehrheit genießen - nichtmal überhaupt Vertrauen, solange sie im Inland keine Probleme bekommen. Oder genossen oder genießen etwas Janukowitsch oder Putin im Ausland das Vertrauen einer Mehrheit? Wie haben sich denn die "völkisch gesinnten Kräfte" in der Interimsregierung völkisch geäußert, gehandelt oder gedroht? Und auch da nochmal: Sowieso, ist denn das völkisch gesinnte Handeln Putins einschließlich der Verbündung mit Europas rechtsextremer Internationale - über die grenzüberschreitende Vereinigung der grenzenziehenden Rechtsextremen könnte man sich fortlaufend erheitern, wenn's denn nicht in so traurig, dramatischem Zusammenhang stünde - da nicht von ganz anderem Kaliber? Außer einigen moskautreuen Alt- und Neulinken würde wohl niemand auf die Idee kommen, daß Putin und sein Rußland für eine linke Ideologie oder gar Sozialismus/Kommunismus stehen. Er ist ein rechter Turbokapitalist.
Gut, Amerika, Europa, EU und der Westen ist zwar euer Schutz für eine große Klappe, aber wegen der hier herrschen Freiheit dürft ihr trotzdem gegen alles westliche sein. Aber eure satten Abneigungen in einem von euch selbst herbeigeredeten und dramatisierten Konflikt zu institutionalisieren entspricht einzig und allein der doch eigentlich längst und mehrfach widerlegten Theorie "Der Feind meines Feindes ist mein Freund". Im gleichen Maß, wie der Warschauer Pakt sich aufgelöst hat ist auch die Wichtigkeit der entgegenstehenden Nato geschwunden. Die Welt ist nicht mehr bipolar, aber weiterhin so zu tun eröffnet nur anderen, weniger abgegrenzten Agitatoren Tür und Tor.
Wo ist denn der offene Widerspruch in Putins Reich? Wo ist denn die Freiheit für echte Opposition, also nicht nur formale Opposition zwecks Parlamentsauffüllung und Einbringung von heiklen Gesetzentwürfen? Auf gewisse Art reißt ihr uns und euch ins Unglück, aber im Gegensatz zu den von euch verteidigten oder gepriesenen Akteuren mit ihrer unterdrückenden Unfreiheit können wir euch das nicht verbieten, weil uns auch eure Freiheit etwas bedeutet. Man könnte ja sagen, daß ihr schon noch sehen werdet, was ihr von eurer Feindesfeindfreundhaltung haben werdet. Aber selbst das wollen wir nicht, weil wir euch ja nicht exklusiv in den Genuss der Folgen kommen lassen könnten.
Wenn man Putin zu verstehen und akzeptieren zu könen meint, dann könnte man auch
Erdogan, China, Nordkorea, den iranischen "Gottesstaat", Kuba, Venezuela oder sonstige Regimes oder Unwestler gleichermaßen unterstützen. Wo wäre der Unterschied oder gar eine Grenze? Keiner der vermeintlichen Kritiker wird ja auch nur in Erwägung ziehen selbst vom ach so schlechten, aber sicheren, warmen, satten und wohlhabenden Westen in eines dieser unwestlichen Länder zu ziehen. Ihr bleibt schön alle hier und spielt die vermeintliche Laus im vermeintlichen Pelz.
Aufregen tut's mich nicht, aber konsterniert ob der selbst hier hineinreichenden, revisionistischen Verblendung bin ich auf jeden Fall.
Zitat
Original geschrieben von rmol
Du pickst wie immer nur die Passagen heraus, die dir opportun erscheinen.
Das könnte ich auch als Fazit meiner etwas länger gewordenen, obigen Systemkritik an den Systemkritikern hernehmen. Oder wenn's schon vorhin da gestanden hätte, dann hätte ich's vielleicht mir und euch sparen können. Aber ich wollte ihm nicht den Gefallen tun auch noch inhaltlich auf seine Zitate einzugehen, oder sie gar durch Verifikation oder Kontextualisierung zu einer Diskussionsgrundlange zu erheben. Selbst, wenn sie genauso gemeint wären, wie er sie zuschneidet, würde es sein Anliegen keinen Deut besser machen. Auch für die abstrusesten Meinungen finden sich ja prominente, bislang für zurechnungsfäig gehaltene Fürsprecher. <-;<