Es gab keine Russland oder Russen oder Russischstämmige betreffende Krise, bevor Putin sie zum Zweck seines Handelns herbeibefürchtet, erzeugt und missbraucht hat. Es gibt keine "Befindlichkeiten" Putins außerhalb seiner Landesgrenze, auf die man Rücksicht nehmen müsste oder auch nur könnte. Und nein, nicht "Lieber rot als tot". Es ist nicht das geringere Leid der anderen, das da gesucht wird, sondern die Angst vorm natürlich immer möglichen Fehler beim eigenen Handeln. Wer sich über die Hauptnachrichtensendung hinaus informiert und alles Allzuprofane gar nicht erst an sich heranlässt, der sollte in dieser Angelegenheit eigentlich ziemlich klar sehen können.
Auch bei uns gibt's Rechtsextreme und wenn man so verstehen will, dann haben die durchaus etwas zu melden - es herrscht ja schließlich Redefreiheit, von den paar konkret verbotenen Verunglimpfungen abgesehen - und schon, da sie über ihre Bürgerrechte verfügen, dürfen sie sowohl aktiv, wie auch passiv an Wahlen teilnehmen und sitzen ja auch sogar in der ein oder anderen Opposition. Ein gewalttätiges Regime wie das in der Ukraine abgesetzte kann man eher selten nur mit Demonstrationen, Eingaben und Pfiffen absetzen. Und man kann ja auch den Rechtsextremen nicht verbieten gegen das Regime zu sein. Überhaupt nichts deutet doch darauf hin, daß die rechtsextreme Swoboda nach einer Wahl nachhaltig etwas zu melden hätte. Vor dem Umsturz war sie die Hausopposition des Regimes, wie auch Putin den kürzlichen Gesetzentwurf zu Eingriff und Annektion nicht von seiner Regierungspartei hat einbringen lassen, sondern von "seiner" Opposition. Deshalb haben die Swoboda-Funktionäre auch nichts vom Umsturz wissen wollen. Nichtmal ein links zu verortendes Organ wie die TAZ sieht oder befürchtet nennenswerten Rechtsextremismus in der Ukraine. Es gab auf der Krim keinerlei Problem, geschweige denn Taten gegen den russischstämmigen Bevölkerungsanteil, bevor die im nächsten Caritasladen ausgestatten Nichtselbstverteidigungskräfte für Probleme, Abriegelung und auch Nichteinreise von Beobachtern und Wahlbeobachtern gesorgt haben.
Nicht, daß mich die verbreitete Verkennung der Lage aktiv nervt, aber es irrittiert mich auf jeden Fall, daß auch aktive, unverdächtige Zeitgenossen so weit danebenliegen und Herrn Putin willig oder widerwillig folgen auf seiner Tour de Europe/Eurasia. Stellt euch vor, daß er nicht mit der Krim aufhört. Müsste er erst euch selbst physisch und geografisch eingenommen haben oder würdet ihr auch das dann einfach für den unvermeidbaren Lauf der Dinge halten? Man muss doch wirklich kein Hellseher sein, um den eigenen Irrtum in dieser Sache zu bevorzugen.