Wenn es darum ginge, ob man etwas zustande bringen und gewinnbringend verkaufen kann, dann ist es nachvollziehbar, daß man nach jedweden legal Kosteneinsparungen sucht, und sei auf der Rückseite des Mondes.
Wenn eine Firma kurz vor der Pleite stünde oder dieser knapp entronnen wäre, dann wäre es ebenfalls nachvollziehbar, daß 98 Cent an den chinesischen Arbeiter besser sind als 99 Cent an den einheimischen Arbeiter.
Aber hier geht's nur und ausschließlich um Gier. Um pro Gerät auch nur einen Dollar zusätzlich zu verdienen würde man im eigenen Land Leute entlassen und auch über Leichen gehen, solange dies keinen gewinnreduzierenden Imageschaden erzeugt.
Die Bauteile kosten geschätzt 150 Euro, die Herstellung bei Foxconn wird aber nur mit 6 Euro beziffert. Aber angesichts von 200 Euro Nettogewinn pro Gerät gäbe es soviel Spielraum für einheimische Fertigung, daß hierzulande selbst Herr und Frau Wulff ihre sowieso schon üppige Frührente noch spürbar aufbessern könnten mit der Lohnfertigung von Mobilfunkgeräten. Die Herstellungskosten in Amerika lägen wohl 50 Euro höher und nur 150 Euro Gewinn pro Gerät wäre ja wirklich nicht vertretbar. Da die chinesichen Arbeiter auch keine langwierig ausgebildeten Fachkräfte sind bleibt nur übrig, daß sie dort nicht nur billiger, sondern auch schneller, massenhafter und einfacher verfügbar gemacht werden können. Aber zumindest bei einem längst eingeführten und weiterzuentwickelnden Gerät wie diesem kämen es darauf nicht mehr so an.
Das war wirklich mal eine coole Firma, mit fortschrittlichen und einfallsreichen Geräten und Benutzerschnittstellen, mit herausstechenden Typen und viel mehr. Sie wäre auch außerhalb ihres Anhangs sehr vermisst worden, wenn sie über die Klinge gesprungen wäre. Daß ausgerechnet der Systemgegner damals finanziell sehr geholfen hat war der erste Symphatiepunkt, den sich Bill Gates verdient hat. Inzwischen aber regiert im angeblich weltwertvollsten, börsennotierten Konzern die Gier. Aktuell und auf längere Zeit ist das ja weder zu fürchten, noch zu hoffen, aber mit der Einstellung dürften das Unternehmen durchaus auch gegen die Wand fahren. Natürlich würden das heutzutage angesichts der massenhaften Beliebtheit viel mehr Leute bedauern als zum damaligen Tiefpunkt. Andererseits sind sie nun das absolute Gegenteil des jahrzehntelangen, symphatischen Nischenfüllers.
Viele denken ja, daß das schöne, angesagte und flippige Gerät noch teurer oder unmöglich wäre, wenn es nicht am anderen Ende der Welt mittels Ausbeutung hergestellt würde. Daß es dabei einzig und allein um die weitere Steigerung von sowieso schon absurden Gewinnspannen geht, dessen sind sich die meisten gar nicht bewusst. Dabei würden die allerallermeisten Käufer sich selbst keinesfalls so verhalten und das auch nicht explizit gutheißen.