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Original geschrieben von xoduz
Hallo,
nachdem ich mit dem Handout gerade fertig geworden bin, stelle ich ihn hier dann doch ein.
Kritik erwünscht, aber nicht vergessen: Das ist keine Doktorarbeit, sondern der Handout
(der das Mitschreiben während des Referats überflüssig macht) zu einem 10-minütigen Referat. 
Viel Spaß:
Die Deutsche Frage
- Deutsche Frage: Bezeichnung für die Problematik um die politische Gestaltung der deutschen
Gebiete nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806, nach dem 1. Weltkrieg und nach dem
2. Weltkrieg.
- In Bezug auf den 2. Weltkrieg ist die Deutsche Frage die Herstellung der Deutschen Einheit
in den Grenzen von 1937.
- BRD und DDR haben unterschiedliche Gesellschaftssysteme und gehören zu feindlichen Machtblöcken.
-> Beziehung hängt vor allem von der weltpolitischen Ost-West Lage ab.
- Staatsgründungen 1949: Sowohl DDR als auch BRD streben die Einheit in der jeweiligen
Verfassung bzw. Grundgesetz an, in der Praxis allerdings nicht um jeden Preis.
-> Beiderseitige Vorschläge zur Bildung einer Nationalversammlung scheitern.
- Sowohl die BRD als auch die DDR haben einen Alleinvertretungsanspruch.
- Die BRD sowie der Großteil der westlichen Welt erkennen die DDR nicht als Staat an (»DDR«, sog. DDR),
da in der SBZ keine freien Wahlen stattgefunden hatten. Zudem wird der DDR das von ihr beanspruchte
Recht, für Gesamtdeutschland zu sprechen, abgesprochen, weil sie auf die Gebiete östlich von Oder
und Neiße verzichtet hatte.
- Stalin unterbreitet der BRD in den sogenannten Stalin- bzw. Deutschlandnoten ein Angebot zur
Wiedervereinigung, welches enthielt: Deutsche Einheit (Oder-Neiße-Grenze) unter demokratischer
Regierung, Abzug aller Besatzungstruppen und Aufbau einer eigenen Streitmacht, Neutralität
Deutschlands. Zwei Gründe führen zur Ablehnung des Angebotes:
1. Es fällt in die Phase der Verhandlungen zur EVG (Europäische Verteidigungsgemeinschaft),
was darauf schließen lässt, dass eine Westintegration der BRD verhindert werden soll.
2. Ein neutrales Deutschland würde nicht stark genug sein, um sich dem Druck und Einfluss
der Sowjetunion zu entziehen.
Beide Punkte lassen darauf schließen, dass Stalin mit seinem Angebot die BRD seinem Machtbereich
hinzufügen wollte.
- Adenauer vertraut auf die Magnettheorie des Oppositionsführers Schumacher, die besagt,
dass es früher oder später zu einer Einigung zu den Konditionen des Westens kommen müsse,
da dieser das bessere Gesellschaftsmodell besitze. Aus der Bevölkerung wird Bundesregierung
vorgeworfen, die Gelegenheit zur Wiedervereinigung vertan zu haben.
- In der Hallstein-Doktrin wird der Alleinvertretungsanspruch der BRD postuliert. Darin
enthalten ist die Nichtanerkennung des völkerrechtlichen Status der DDR als Staat. Dahe
bricht die BRD diplomatische Beziehungen zu Staaten, die die DDR als Staat anerkennen, ab
(Ausnahme: UDSSR).
Die Nichtanerkennung der DDR als Staat ist wichtig, da die faktische Teilung Deutschlands
als vorübergehende Störung betrachtet wird. Eine Anerkennung der DDR würde zu der Gewöhnung
der Weltöffentlichkeit an diesen Zustand und eine Entlassung der Vier Mächte aus der
Verantwortung für die Wiedervereinigung entlassen.
Viele Grueße
Oliver
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Hi xoduz, wie versprochen einige Bemerkungen zu Deinen Thesen:
These 2: Die Deutsche Frage bezieht sich nicht primär auf die Wiederherstellung des Deutschen Reiches in den völkerrechtlichen grenzen von 37, sondern auf die Klärung des Verhältnisses der beiden deutschen Teilstaaten, also eher auf praktische Aspekte. Perspektivisch auch auf eine Vereinigung beider Staaten, ,so wie sie 90 vollzogen wurde. Eine vollständige Wiedervereinigung Deutschlands (d.h. nach dem Stand vom 31.12.1937) stand sicher nicht ganz oben auf der Tagesordnung. Praktische Fragen wie z.B. Reiseregelungen, völkerrechtliche Vertretung gegenüber Drittstaaten etc. waren sehr viel akuter.
These 3: Es wäre vielleicht wichtig darauf hinzuweisen, daß in beiden deutschen Teilstaaten das Verhältnis zum jeweils anderen deutschen Staat einen besonderen Status hatte, vgl. z.B. den erst 1974 (?) aus der DDR-Verfassung gestrichene Wiedervereinigungsgrundsatz, oder die Tatsache, daß die DDR aus BRD-Sicht nie Ausland war (weil es ja nur eine dt. Staatsangehörigkeit gibt, s.o.). Das Verhältnis DDR-BRD war trotz der Einbindung in die Machtblöcke also schon etwas anders als z.B. das Verhältnis Polen-Frankreich.
These 5: Ich bin mir nicht sicher, ob die DDR wirklich einen Alleinvertretungsanspruch postuliert hat. Die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie gegenübner Polen und der SU reciht für diese Behauptung sicher nicht aus. Die DDR versuchte (nach 1974) eher, sich als eine Art "neue Nation" zu gerieren ("DDR-Bürger", nicht Deutscher).
These 6: Spätestens mit dem Abschluß des "Vertrages über die Grundlagen der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik" am 21.12.1972 hatte die BRD die DDR de facto (wenn auch nicht de jure) als eigenständigen Staat anerkannt. Das sollte man nicht unerwähnt lassen.
Das sind, wie gesagt, einige Sachen, die ich nicht inhaltlich kritisieren will, sondern wo ich meine, daß man sie zu diesem Thema benennen sollte. Auch wenn Dein Thema nur einen kleinen thematischen Ausschnitt umfaßt: Gut gemacht! :top: