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Original geschrieben von sk8ergirl
Aber ich kann es doch danach nicht mehr als Fotografie deklarieren, sondern eigentlich als Bild bzw Kunstprodukt.
Auch sind doch Sachen wie Lichtsituationen, zu helle oder zu dunkle Umgebung, ein bedeckter Himmel, alles nebensächlich, weil alle diese Punkte zuhause nachbearbeitet werden können.
Jede nachträgliche Bearbeitung kostet Zeit und birgt dabei immer das Risiko, dass etwas nicht so funktioniert, wie man sich das vorgestellt hat. Die Ursachen können beim Anwender der EBV, am Ausgangsmaterial oder auch an technischen Grenzen der EBV selbst liegen. Wenn mir z. B. in der Originalaufnahme sämtliche Details einer Gegenlichtsituation "in Schwarz absaufen", dann rettet keine EBV mehr etwas, und wenn, dann nur noch unter immensen (sichtbaren!) Qualitätsverlusten. Hinzu kommt, dass die meisten Amateure im Format JPEG arbeiten, welches mit jedem Bearbeitungs- und Speichervorgang weiter an Qalität einbüßt.
Fotografie ist als Ausbildungsberuf übrigens ein Handwerk, und definitiv keine Kunst. In den "guten alten" analogen Zeiten bearbeite man Fotos in der Dunkelkammer, und selbstverständlich fertigte man auch damals schon Fotomontagen an, nahm mehr oder weniger umfangreiche Retuschen vor usw. Der Umstand, dass man solche Dinge mit digitalem Bildmaterial leichter und einfacher am Computer vornehmen kann, ändert nichts daran, dass schon von Beginn der Fotografie an Fotografen ihre Ergebnisse nachträglich zu optimieren trachteten. Es ist nach meiner Erfahrung eher eine Frage der technischen Ausbildung, ob man der digitalen Nachbearbeitung eher zustimmend oder ablehnend gegenübersteht. Anders ausgedrückt: Photoshop-Virtuosen haben diesbezüglich weniger Vorbehalte als Photohop-Idioten. 
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Original geschrieben von sk8ergirl Und sogar die Komposition kann in gewisser Weise beeinflusst werden, wenn ich im Nachhinein einfach entferne, was mir nicht zusagt.
Die Kunst ist es doch, dies alles bei der Aufnahme schon zu beachten. Oder nicht?
Praktisch alle Fotografen versuchen zumindest, dies alles bereits bei der Aufnahme zu berücksichtigen. Doch nicht immer ist das möglich, und oftmals ist das auch zu aufwendig. Oder die Ausrüstung hat technische Grenzen, die sich nicht oder nur unter Einsatz von sehr viel Geld überwinden lassen. Beispiel: Obwohl meine Nikon D90 sicherlich eine für Amateurkameras hervorragende Bildqualität aufweist, reicht sie im Handling extremer Lichtsituationen und in der Bildqualität längst nicht an Profikameras wie die D700 oder D3s heran. Jetzt könnte man natürlich sagen: kein Thema, dann kauf dir doch halt 'ne D3s, wenn man damit bessere Bilder machen kann. Aber da spielen dann auch finanzielle Gründe eine Rolle. Eine D90 mit zwei, drei brauchbaren DX-Objektiven ist für "nur" zwei bis zweieinhalb "Riesen" erhältlich. Beim Griff zur D3s hat man sich nicht nur für ein Gehäuse für 5.000 Piepen entschieden, auch die erforderlichen FX-Linsen kosten ca. das Dreifache von dem, was für vergleichbare DX-Scherben fällig ist [Edit]. Da ist es m. E. deutlich günstiger, bestimmte Verbesserungen nachträglich am PC vorzunehmen.
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Original geschrieben von sk8ergirl [kommt mir irgendwie vor, wie Doping beim Radfahren, wenn man seine nicht ausreichende Leistung mit technischer Hilfe pushen muss]
Aber wie so oft, letzten Endes muss jeder selbst entscheiden, wie er fotografiert und die Ergebnisse präsentiert. Der Eine im Original, der Andere überarbeitet.
Wir leben doch ohnehin in einer durch und durch künstlichen Welt, selbst unsere vermeintliche "Natur" ist doch längst gezähmt, reguliert, eingedämmt und an unsere Wünsche und Bedürfnisse angepasst. Sehr viele Bereiche des Lebens sind schon digitalisiert, immer weitere folgen. Das digitale Foto aus der Kamera ist übrigens bereits ein Kunstprodukt, weil die Kamera-Software bereits während der Aufnahme eingreift und je nach Situation automatisch nachbelichtet, abdunkelt, nachschärft, die Farbe mittels (automatischem) Weißabgleich korrigiert usw. Mit einem "Originalprodukt" hat also bereits das Bild auf der Speicherkarte nur noch sehr begrenzt etwas zu tun. 
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Edit: Es muss natürlich heissen: "was für vergleichbare DX-Scherben fällig ist."