Ich grabe mal wieder eine Leiche aus bzw. ziehe sie aus den Tiefen des "whisky cask" wieder an die Oberfläche des Forums. 
Ich hatte am Wochenende das ausgesprochene Vergnügen, zwei richtig leckere Highland-Malts zu verkosten. Im Gegensatz zu den von mir eigentlich bevorzugten "Rauchbomben" von den Inseln Skye und Islay handelte es sich um nur schwach rauchige, eher süßliche und fruchtige bzw. nussige, aber unglaublich komplexe Sorten, die ich gerne jenen ans Herz legen möchte, die sich bisher noch nicht an Scotch heran getraut haben, weil sie Angst davor hatten, dass "das Zeug wie Apotheke schmeckt."
1. Der Dalwhinnie 15 yo stammt aus Schottlands höchstgelegener Brennerei in der Nähe von Inverness und gehört zur sogen. "Classic Malt"-Reihe des Spirituosenkonzerns Diageo (bis 2002: United Distillers). Die Nase erinnert an Heidekraut im schottischen Hochland an einem warmen Sommertag, mit einer feinen Spur von Honig und Rauch. Geschmacklich setzt sich das Heidekraut gegenüber einer zarten Malznote durch, wobei leckerer Honig gepaart mit der dezenten Süße von Orangen und Vanille dazukommen. Der Abgang ist recht lang, aber sanft. Trotz der 43 % Alk. benötigt dieser Whisky höchstens ein paar Tröpfchen stilles Wasser bei Zimmertemperatur, um sich geschmacklich zu öffnen.
2. Der Strathisla 12 yo kommt aus dem Herzen der Whisky-Region Speyside, aus einer der ältesten Hochland-Brennereien Schottlands. Auch wenn Strathisla selbst keine so berühmte Marke ist wie z. B. Glenfiddich, Glenlivet oder Glenmorangie, so gehört der aus dem Strathisla Single Malt gemischte Blend Whisky zu den berühmtesten und meistverkauften Sorten der Welt. Es handelt sich um keinen geringeren als Chivas Regal, mittlerweile im Besitz des internationalen Spirituosenkonzerns Pernod Ricard.
Strathisla 12 yo ist also das Herzstück des Chivas Regal, und er macht für sich alleine m. E. eine noch viel bessere Figur als das berühmte "Mischgetränk", das aus ihm hergestellt wird.
Die Nase besticht durch den Geruch nach Zitrusfrüchten, Eichenholz und etwas Sherry. Im Geschmack gesellen sich noch vollmundiges Malz und eine sirupartige Süße wie von englischem Teekuchen mit kandierten Früchten hinzu. Keine Spur von Rauch oder Torf. Im Abgang viel länger anhaltend, als man zunächst bei einem so weichen und fruchtig-süßen Whisky vermuten könnte. Trotz der 43 % Alk. benötigt dieser Whisky höchstens ein paar Tröpfchen stilles Wasser bei Zimmertemperatur, um sich geschmacklich zu öffnen.
Leider sind beide Malts mit Farbstoff E150a (Zuckercouleur) versetzt und kaltfiltriert. Besonders beim 12jährigen Strathisla hätte ich gerne in Erfahrung gebracht, wie dieser Tropfen in "nicht kastrierter" Zusammensetzung schmeckt. Trotzdem sind beide Sorten sehr empfehlenswert.
Sláinte! :top:
PS: Meine personliche Favoritenliste "Top Ten" sieht inzwischen aus wie folgt:
1. Laphroaig Cask Strength 10 yo
2. Ardbeg Uigeadail
3. Ardbeg 10 yo
4. Talisker 10 yo
5. Laphroaig 18 yo
6. Laphroaig Quarter Cask
7. Lagavulin 16 yo
8. Bowmore Cask Strenth 10 yo
9. Bunnahabhain 12 yo
10. Highland Park 12 yo
Bis zur Nummer 6 liegen alle Whiskys sehr dicht bei einander, erst dann fällt die Nummer 7 deutlich hinter die Nummer 6 zurück.