ZitatOriginal geschrieben von VFBler
Na ja. Wir sogenannten "Christen", haben ja früher mal Kreuzzüge gemacht und sind nicht vor den Toren des heiligen Landes gestanden und haben die Osmanen friedlich gebeten das Land freizugebenOk, ich geb zu dass das ziemlich weit her geholt ist, aber [...]
Nein, so weit hergeholt wie Du meinst ist das gar nicht. Nur mal zur Verdeutlichung dessen, worauf Du anspielst: die sich "Christen" nennenden Kreuzfahrer eroberten 1099 zum "krönenden Abschluss" des 2. Kreuzzugs Jerusalem und metzelten"zur Feier des Tages" ca. 30.000 Juden und Muslime nieder, die 1. sich bereits ergeben hatten und 2. unbewaffnet waren. Selbst christliche Chronisten berichteten mit Schaudern, die Kreuzfahrer seien in z. T. knöcheltief durch das Blut der Wehrlosen gewatet, die sie erbarmungslos töteten, Männer, Frauen, Kinder.
Solche Dinge haben sich in das kollektive Gedächtnis der Muslime eingebrannt, d. h., al-Qaida hat solche und ähnliche Bilder immer wieder beschworen, um sich der Solidarität oder zumindest des Stillschweigens der Mehrheit der gemäßigten Muslime zu vergewissern. Erinnert sei nur an die einhellige Empörung praktisch aller Muslime, als US-Präsident G. W. Bush nach Nine-Eleven unbedacht das Wort vom "Kreuzzug gegen das Böse" fallen ließ. Damit hatte er nämlich genau die kollektive Erinnerung an jene historischen Ereignisse des Jahres 1099 geweckt. Es hätte nur noch gefehlt, dass er die Worte des damaligen Papstes Urban II. wiederholt hätte: "Es ist Gottes Wille."
Für uns mögen solche Ereignisse unbedeutend sein, weil sie fast ein Jahrtausend zurückliegen. Doch für die muslimische Welt ist es die konstante Erinnerung an eine erlittene Niederlage, an Schmach und Demütigung. Deshalb kann man mit der Erinnerung an solche Ereignisse auch heute noch Hass gegen den Westen und Solidarisierung mit Extremisten erreichen. Eine andere Sache, die sich natürlich noch mehr und besser instrumentalisieren lässt, weil sie auch viel aktueller ist, ist der israelisch-palästinensische Konflikt.