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Original geschrieben von Brainstorm
Mit welchem Recht nimmst Du Dir heraus, zu bestimmen daß diejenigen die jetzt gegen AKW sind von ein paar Jahren CDU/CSU gewählt haben?
Das habe ich doch gar nicht. Ich habe lediglich gesagt, dass es ganz offenbar eine schwarz-gelbe Mehrheit im Bund gibt, und damit auch eine Mehrheit FÜR die Nutzung der Kernenergie. Denn absolut JEDER, der schwarz oder gelb gewählt hat, hat damit auch FÜR die Nutzung der Kernenergie gestimmt. Und diejenigen, die sich enthalten haben, haben ebenfalls FÜR die Nutzung der Kernenergie gestimmt, denn sie waren offenbar mit jedem Wahlausgang einverstanden.
@ frank_aus_wedau: Man kann doch nicht allen Ernstes sagen: ich habe diese oder jene Regierung gewählt, aber doch nur, weil ich ausschließlich die Punkte 1, 3, 5, 9 und 100 aus dem Regierungsprogramm umgesetzt haben will. In den Punkten 2, 4, 6-8 und 10-99 bin ich strikt anderer Meinung und protestiere aufs Schärfste gegen diese Regierung, die ich selbst gewählt habe. Wie schizophren ist das denn bitte!
Wer eine bestimmte Partei wählt, der hat damit ihr gesamtes Programm gewählt, nicht bloß die zwei, drei kleinen Häppchen, die ihm daraus gefallen. Oder anders formuliert: wenn ich mir eine Erbsensuppe mit Bockwurst bestelle, dann ist es zwar mein gutes Recht, nur die Bockwurst zu essen und die Erbsensuppe stehen zu lassen. Aber das gibt mir noch längst nicht das Recht, beim Kellner darauf zu bestehen, dass ich nur die Wurst bezahlen werde, nicht jedoch die Erbsensuppe, weil ich die ja nicht gegessen habe. 
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Original geschrieben von Brainstorm
Und wenn diejenigen die jetzt jammern, damals Grün oder sonst etwas anderes gewählt haben, warum, sagst Du denen jetzt, daß sie nicht jammern dürfen, weil ja anders gewählt wurde. Warum wirfst Du denjenigen vor, falsch gewählt zu haben?
Auch das habe ich nicht. Ich habe lediglich jeden gebeten, VOR dem Meckern über die Nutzung der Kernenergie noch einmal zu überlegen, wo er bei der letzten Bundestagswahl seine Kreuzchen gemacht hat. Ich finde nämlich, dass CDU- und FDP-Wähler absolut kein Recht haben, sich über den Ausstieg aus dem Ausstieg zu beschweren, weil sie genau dafür gestimmt haben! Wer sich darüber beschwert, dass er genau das bekommt, was er bestellt hat, bei dem dürfte die klinische Analyse wohl lauten (siehe oben): akute Schizophrenie.
Wer damals an der Wahl teilgenommen hat und gegen die "Pro-Kernenergie"-Parteien gestimmt hat, kann sich sicherlich beschweren und hat sogar ein Anrecht, damit Ernst genommen zu werden, weil sein Verhalten und sein Reden übereinstimmen. Es ist allerdings das Recht der demokratisch legitimierten Mehrheit, anderer Meinung zu sein, und die damit verbundenen Konzepte auch durchzusetzen, soweit sie dazu die Macht bzw. Befugnisse haben. Es liegt an den Menschen selbst, diese Mehrheitsverhältnisse bei der nächsten Wahl zu ändern. Das ist in erster Linie eine Frage der Prioritäten.
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Original geschrieben von Brainstorm
Zusätzliche: Wenn ich mir die letzte Wahl (oder genauer den Wahlkampf davor) so ansehe, dann haben die Schwarzen auch kein Schild hochgehalten: "Wir werden als erstes die Laufzeiten der AKW verlängern".
Das ist schlicht und einfach nicht wahr! Weder die CDU noch die FDP haben jemals einen Hehl daraus gemacht, dass sie die rot-grüne Regelung zum Ausstieg aus der Kernenergie kippen werden. Klar, viele Wähler mögen sich nicht gründlich informiert haben, bevor sie ihre Kreuzchen machten, aber ganz ehrlich: an ihrer Faulheit oder Gleichgültigkeit, sich gründlich zu informieren, tragen sie doch selbst die Schuld. Vielleicht haben sie sich sogar informiert und die Pro-Kernenergie-Haltung der Union und der Liberalen war ihnen egal. OK, dann haben sie entsprechend ihrer persönlichen Prioritäten gehandelt und haben bekommen, was sie haben wollten.
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Original geschrieben von Brainstorm
Aber ganz ehrlich: Ich mag die Schwarzen Parteien absolut nicht (nur braune sind noch schlimmer), aber daß die sowas wie die Verlängerung der AKW Laufzeiten fabrizieren, hätte ich mir in meinen schlimmsten Träumen nicht vorstellen können. Also ich bin mir sicher, die wenigsten die schwarz-Gelb gewählt haben, haben das erwartet, und sicher noch weniger erhofft. Gewählt wurden die wegen ganz anderer Dinge oder Erwartungen.
Wie gesagt: wer eine Partei wählt, weil er sich ganz andere Dinge von ihr verspricht als in ihrem Parteiprogramm stehen, falsche Erwartungen an sie richtet oder sich falsche Vorstellungen über ihr bereits angekündigtes Handeln nach der Wahl macht, dem ist nicht zu helfen.
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Original geschrieben von Brainstorm
Um die Wirtschaftlichkeit von AKWs noch weiter zu beleuchten würde ich nicht nur die Frage der Versicherung anwenden. Hier gebe ich meinen Vorrednern Recht, 2,5 Mio Deckungssumme sind ein Witz. Die Deckungssumme muss sich immer nach dem Gefahrenpotential richten, also nach dem was theoretisch als Gefahr Möglich erscheint. Und bei einem AKW braucht es keinen GAU um mehr als 2,5 Mio Schaden anzurichten. Wer ein AKW betreiben will, sollte also schon einen Versicherungsschutz über mehrere Milliarden vorweisen können.
Da bin ich grundsätzlich mit Dir einer Meinung. Aber auch hier liegt eben ein gesellschaftlich akzeptiertes Risiko vor.
Wie gesagt: Leute, die ihre Anti-Kernenergie-Haltung immer nur schubweise entdecken, wenn gerade irgendwo auf der Welt in einem KKW eine Kernschmelze droht und die ansonsten Stammgäste auf der Webseite von Billiger-Tanken.de sind und darauf achten, stets den günstigsten Stromanbieter rauszusuchen, vermag ich bezüglich ihrer angeblichen Ablehnung der Kernkraft nicht so recht Ernst zu nehmen. 
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Original geschrieben von Brainstorm
Es ist schwer zu berechnen welche Summe fällig ist, wenn plötzlich halb Deutschland unbewohnbar ist, aber eine Deckungssumme die einigermaßen den Schaden abdecken kann, sollte schon sein.
Es ist nicht nur schwer zu berechnen, sondern ganz und gar unmöglich. Wer die Frage nach den Kosten eines nuklearen Unfalls der Stufe INES 7 stellt, hat damit auch unausweichlich die Frage nach dem Preis eines menschlichen Lebens aufgeworfen. Ganz ehrlich: wer will sich vor die Öffentlichkeit stellen und diese Frage mit einer Zahl beantworten? :eek:
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Original geschrieben von Brainstorm
Aber es gibt noch weitre Kosten, die mit AKWs in Verbindung stehen, und für die meines Erachtens auch die Betreiber aufkommen sollen: Die Endlangerung. Zugegeben, bisher weiß keiner wie diese überhaupt funktionieren soll, aber dennoch sollte man an die Kosten denken.
[...]
Wenn diese Kosten alle von den Betreiber getragen werden, dann ist es mit dem Märchen vom billigen Atomstrom wohl schnell vorbei.
Bei der Frage nach der Endlagerung und ihren Kosten berührst Du schon einen sehr sensiblen Punkt. Ich gehe da sogar noch einen Schritt weiter: Das Teuerste an der Endlagerung sind gar nicht die Kosten für "1 x 1 Endlager und 50 x Polizeieinsatz zum Schutz von Castor-Transporten." Das Teuerste ist die Notwendigkeit der permanenten Überwachung und das Umlagern von Castor- in Pollux-Behälter (kein Scherz!) sowie die Lagerung, Instandhaltung des Lagers und regelmäßige Erneuerung der Behälter für die nächsten 10.000, 30.000 oder 100.000 Jahre, die vergehen müssen, bis man den radioaktiven Sondermüll sich selbst überlassen kann. Ganz zu schweigen von der ungeheuren Verantwortung, die man damit kommenden Generationen aufbürdet, ohne sie zu fragen, ob sie damit überhaupt einverstanden sind.
Wer sich dies alles vor Augen führt, diese Situation als lebensbedrohlich empfindet und dann immer noch nicht so konsequent ist, dem entsprechend zu handeln (und das schließt ein entsprechendes Verhalten an der Wahlurne ein!), der ist in meinen Augen inkonsequent oder schizophren und hat keinen Anspruch darauf, dass man seine Anti-Kernkraft-Äußerungen Ernst nimmt. Das war alles, was ich damit sagen wollte. Wer dagegen angesichts der Faktenlage zu einer anderen Risikoeinschätzung kommt ("Et hätt noch immer jot jejange."), nun gut, der wird sich wohl auch nicht beschweren, und damit handelt er wenigstens konsequent. Man kann nur hoffen, dass er genau so konsequent handelt, wenn er oder seine Lieben gegen jede Wahrscheinlichkeit Opfer eines nuklearen Unfalls werden.
[small]Edit: noch ein paar Kleinigkeiten korrigiert...
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