Beiträge von HappyDay989

    Zitat

    Original geschrieben von Robert Beloe
    Vermutlich geht es dabei um die schiere Menge und die Tatsache, dass das in Tschernobyl unkontrolliert passierte. So verstehe ich auch die oben angeführte Einschätzung der britischen Regierung. Aber ich lasse mich gern korrigieren, Laie, der ich bin.


    Nun, unkontrolliert erfolgt eine Kernschmelze auch in Fukushima. Es ist ja eben ein Charakteristikum für eine Havarie außer Kontrolle, dass man den Reaktorkern nicht mehr beherrscht, sondern zu außerplanmäßigen Maßnahmen greifen muss, um z. B. den Kern oder die Brennstäbe in einem offenbar Leck geschlagenen Abklingbecken zu kühlen so gut es geht. Da ist schon ziemlich viel Hoffen und Bangen im Spiel.


    Aber was Tschernobyl angeht, so war das, und das hast Du richtig erkannt, ganz einfach eine völlig andere Dimension - siehe unten.



    Zitat

    Original geschrieben von handytim
    Und die Passage die ich meine ist:


    "In Chernobyl you had a steam explosion which exposed the reactor core, which meant you had a lot of radiation shooting up into the atmosphere."


    Man muss es eigentlich noch etwas drastischer formulieren: durch die Wasserstoffexplosion im Reaktorkern wurde nicht nur der Kern komplett freigelegt, sondern ca. 10-15 % seines Brennstoff- und Moderationsmaterial in die Gegend geschleudert, die Angaben schwanken da etwas. Jedenfalls waren es einige Tonnen(!) glühendes Uran und Graphit, die schlagartig freigesetzt wurden.


    Eine gänzlich andere Darstellung stammt von Konstantin Tschetscherow, einem Moskauer Kernphysiker, der davon ausgeht, dass fast 95 % des gesamten Reaktormaterials bei der Explosion aus dem Reaktorgebäude herausgeschleudert wurde und in einer gewaltigen Verpuffung oberhalb der Reste des Raktorgebäudes in der Umwelt verteilt wurde.


    Siehe dazu http://www.berlinonline.de/ber…3/politik/0021/index.html


    In der "offiziellen" Fachliteratur wird Tschetscherow i. d. R. kaum erwähnt, man hält seine Ansichten für wenig glaubwürdig.


    Zitat

    Original geschrieben von handytim
    Wer weiß, ob die Brennstabbehälter noch intakt sind? Die dort auftretenden Brände lassen eher was anderes vermuten.


    Natürlich sind die Brennelemente nicht so radioaktiv wie der Reaktorkern im Falle von Tschernobyl, allerdings wird auch hier Radioaktivität direkt in die Atmosphäre freigesetzt. Aber der Bericht erweckt den Anschein als ob in Fukushima gerade kein radioaktiv belasteter Dampf in die Atmosphäre aufsteigt (dass Dampf kontrolliert abgelassen wurde, ist eine andere Geschichte).


    Die Brände können auch durch die Knallgasexplosionen verursacht worden sein, die beim sogen. Venting (Überdruckablass aus dem Reaktorbehälter und Containment) aufgetreten sind. Und was da an Trümmern durch die Gegend flog, kann durchaus schwere Schäden an anderen Gebäuden oder auch einem bereits freiliegenden Containment oder Abklingbecken verursacht haben.


    Das Problem ist einfach, dass man zu wenig weiß, aber dass es auch wenig Sinn macht, wild zu spekulieren und Panik zu verbreiten. Dass die Techniker vor Ort jetzt nicht alle fünf Minuten Interviews vor laufenden Kameras geben können und wollen, muss man auch verstehen, die haben wichtigere Dinge zu erledigen.


    http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-pacific-12763273

    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Wie ich dem Thread zu entnehmen glaube, scheinen doch einige Verbindungen nach Japan zu haben. Und den Medien entnehme ich, dass es wohl gar nicht so einfach ist, einen im Krisengebiet verwurzelten Japaner zum Aufbruch zu bewegen. Aber man sollte es zumindest versuchen!


    Du hast doch die Bilder aus dem Gebiet gesehen. Da ist es doch nicht schwer, sich vorzustellen, dass man die Menschen dort per Telefon, SMS oder E-Mail gar nicht mehr erreichen kann, weil die Infrastruktur stellenweise völlig zerstört ist und außerdem in vielen Bereichen des Landes nur noch eingeschränkte Stromversorgung zur Verfügung steht.

    Zitat

    Original geschrieben von Martin Reicher
    Welche denn?


    Es gibt tatsächlich Reaktoren, bei denen droht auch im Fall einer Schnellabschaltung und nachfolgendem Kühlsystemversagen definitiv keine Kernschmelze.


    Dazu wurde schon was geschrieben, guckst Du hier: http://www.telefon-treff.de/sh…ostid=4451838#post4451838


    Dafür sind die potentiellen und realen Risiken im laufenden Betrieb aber derartig groß, dass eine konventionelle kerntechnische Anlage als das kleinere Übel erscheint.



    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Obwohl die Existenz (und insbesondere die Finanzierung) dieses Zugs seinerzeit den Verhältnissen des damaligen "kalten Kriegs" geschuldet war (inzwischen existiert der Zug m.W. nicht mehr), war natürlich auch der nationale Katastrofenfall in Form ernster Zwischenfälle in AKW Bestandteil der Ausbildung. Von daher ist mir schon bekannt, dass die aktuellen Abläufe in Japan in Anbetracht der Zustände am 12.03. als "Regelfall" angesehen werden müssen.


    Zwar gilt stets die Weißheit "keine Regel ohne Ausnahmen" ... dass unser HappyDay den anzunehmenden Regelfall aber als Spekulation bezeichnet, mache ich nicht mehr mit.


    Der "Regelfall" war damals etwas völlig anderes, nämlich die mögliche Versorgung der Bevölkerung nach einem Kernwaffeneinsatz.


    Wenn Du den Unterschied zwischen einem Kernwaffeneinsatz und einer KKW-Havarie wie in Fukushima nicht verstehst, dann solltest Du Dich wirklich mit anderen Dingen beschäftigen... :rolleyes:


    Es ist in Fukushima bislang NICHT zu einer Kernexplosion gekommen, und nach allen bislang vorliegenden Erkenntnissen wird es dazu auch nicht kommen. Bei einer Kernwaffenexplosion wird bereits durch die Explosion eine erheblich höhere Menge an Radioaktivität freigesetzt, als bislang in Fukushima, dazu kommt noch der sogen. Fallout, der in der Umgebung der Explosion niedergeht. Von den Wirkungen der Hitze- und der Druckwelle mal ganz zu schweigen.



    Zitat

    Original geschrieben von handytim
    Mein Beitrag bezieht sich auf den Beitrag von Robert Beloe und dem dort zitierten Bericht der BBC.


    Die Freisetzung von radioaktivem Wasserdampf wird (wiederum im von Robert Beloe verlinkten BBC-Bericht) als Unterschied zu Tschernobyl aufgeführt, was meiner Meinung nach allerdings eben nicht stimmt.


    Auch ich will keine Panik verbreiten, aber der Beitrag der BBC erscheint mir etwas schöngeredet...


    Durchaus nicht. Wer sich mit Tschernobyl beschäftigt hat, der weiß, dass die Reaktorexplosion mitten im laufenden Betrieb während eines Tests passierte, d. h., der Reaktor war durch Fehler bei der Bedienung und durch katastrophale Konstruktionsmängel in einen Zustand geraten, in dem die Leistung im Reaktor schlagartig um das knapp 100fache(!) des üblichen Wertes anstieg, und das war natürlich mehr, als das Kühlsystem abfangen konnte. Was dort geschah, war eine gewaltige Wasserstoffexplosion im Druckbehälter selbst, bei der ein großer Teil des Reaktorkerns und des Moderationsmaterials (Graphit) in die Umgebung geschleudert wurde. Da es beim sowjetischen Reaktortyp RBMK keinen Sicherheitsbehälter (Containment) gibt und das Reaktorgebäude im Grunde nicht mehr ist als ein Wetterschutz, konnte so eine Menge an Radioaktivität in die Umwelt gelangen, die ca. dem 200fachen der sogen. Hiroshima-Bombe entsprach. Als man dann mit Löschhubschraubern in den nächsten Tagen Wasser auf die Reste des Kerns schütte, gelangte dieses Wasser nicht auf zum Abklingen aus einem Reaktor entfernte, ausgebrannte Brennstäbe in ihren Brennstabbehältern, sondern auf die geschmolzene Masse aus immer noch völlig überhitztem und freiliegenden Brennstoffmaterial. Und das ist schon ein gewaltiger Unterschied zu Fukushima.

    Zitat

    Original geschrieben von hjanss
    Japan hat 127 Mio. Einwohner.Das die jetzt alle tod umfallen hab ich nicht
    gesagt.Aber jede Menge davon wurden und werden verstrahlt.
    Und diese Strahlung hat Auswirkungen . Krebserkrankungen etc


    Wie viele sind "jede Menge"? 1.000, 10.000, 100.000, 1 Mio., 10 Mio.? Na los, wenn Du schon Behauptungen aufstellst, dann solltest Du sie auch mit FAKTEN unterfüttern können.


    Das hast Du in diesem Thread bislang trotz mehrfacher Bitten leider nicht ein einziges Mal getan.


    Welche Auswirkungen welche Strahlendosen ab welcher Stärke auf den menschlichen Organismus haben, hängt von so vielen unterschiedlichen Faktoren ab, dass selbst Spezialisten darüber keine exakten Kenntnisse vorliegen, die sich auf jeden Menschen 1:1 anwenden lassen. Es stimmt natürlich, dass oberhalb bestimmter Mengen Radioaktivität, denen Menschen ausgesetzt sind, es de facto keine Überlebenschance gibt, aber so hoch sind die aktuellen Werte m. W. nicht einmal unmittelbar am KKW Fukushima, wenn man dieser Strahlung nicht gerade ohne Schutzkleidung stundenlang ausgesetzt wird. Wir erinnern uns noch an den Physikunterricht in der Schule: Die Strahlenintensität nimmt mit zunehmender Entfernung von der Strahlenquelle exponentiell ab.
    Ich habe zu diesem Thema schon ziemlich viele Informationen hier eingestellt, und im Gegensatz zu Deinen Panikmacher-Postings sind die auch alle mit entsprechenden Quellenangaben versehen, da kann sich jeder selbst ein Bild machen.



    Zitat

    Original geschrieben von hjanss
    Wollt Ihr das nicht verstehen ?


    Die Frage ist doch eher, warum Du nicht verstehen willst, dass es in erster Linie um FAKTEN geht, nicht um wilde Spekulationen, zu denen jegliche belastbaren Informationen fehlen. :rolleyes:





    Zitat

    Original geschrieben von handytim
    Was mich wundert: 400 Millisievert wurden vor dem Kraftwerk gemessen, das soll laut dem obigen Zitat nicht allzu gefährlich sein.


    Nun fliegen allerdings keine Hubschrauber über den Reaktor, um diesen zu kühlen, weil dort 50 Millisievert gemessen wurden (Quelle u.a. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,751282,00.html).


    Keine Ahnung, welches "obige Zitat" Du meinst... :confused:
    50 mSv oder 400 mSv sagt erst einmal wenig, wenn die zeitliche Komponente dazu fehlt, und die wird in dem von Dir verlinkten SPON-Bericht nicht genannt. Es ist aber davon auszugehen, dass es um 50 mSv pro Stunde geht, und das ist alles andere als eine harmlose Dosis, wenn man ihr ohne Schutzkleidung ausgesetzt wird. Und in einem schweren Schutzanzug wird man wohl kaum einen Helikopter präzise lenken können...


    Zitat

    Original geschrieben von handytim
    Laut Berichten ist die Außenwand und das Dach des Reaktors 4 stark beschädigt und dort lagern die verbrauchten Brennstäbe (diese sind nicht in einem Containment!), deren Kühlung nicht funktioniert. Daher ja die Idee, Wasser von oben draufzukippen (bzw. inzwischen mittels Wasserwerfer draufzusprühen). Die Brennstäbe liegen dort frei (Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,751191,00.html um 12:55 Uhr). Wenn auf dieses heiße Material nun Kühlwasser gelangt, wird sich doch genauso radioaktiver Dampf bilden, der dann in die Atmosphäre steigt. Aber genau das wird im obigen Zitat bestritten...


    Noch einmal: Da das "obige Zitat" fehlt, kann ich dazu nichts sagen... :confused:
    Gegen die Logik, dass Wasser verdampft, wenn man es auf Brennstäbe schüttet, die noch in einem sogen. Abklingbecken liegen, ist erst einmal nichts einzuwenden. Sofern diese Stäbe nicht geschmolzen sind, ist der hochradioaktive Inhalt, nämlich der verbrauchte Kernbrennstoff (i. d. R. Uran 235, im Block 3 allerdings Mischoxidbrennstoff (MOX) aus Plutonium- und Uranoxid, das Zeug ist in der Tat sehr viel "schmutziger" als Uran) von der Brennstabhülle umgeben. Kühlt man jetzt mit Wasser, verdampft zwar viel Wasser, aber die Menge an Radioaktivität, die dabei emittiert wird, ist verhältnismäßig gering und dürfte sich im Bereich weniger mSv/h bewegen. Jedenfalls ist es kein Vergleich dazu, wie viel Radioaktivität freigesetzt wird, wenn die Stäbe schmelzen, sich der Kernbrennstoff durch die Hüllen frisst und dann seine radioaktiven Partikel emittiert. Es geht also nur darum, Schadensbegrenzung zu betreiben, nicht darum, hier alles im Bereich der gesetzlichen Grenzwerte zu halten, die für den regulären Kraftwerksbetrieb gelten.

    Re: Re: Vermeintliche Utopien! Oder wer nichts weiß muss alles glauben.


    Zitat

    Original geschrieben von ChickenHawk
    Ich denke wir sind uns alle einig, dass wir langfristig von Atomenergie und fossilen Brennstoffen wegwollen und müssen. Um diesen Schritt aber sowohl technologisch als auch wirtschaftlich sinnvoll gehen zu können muss sich auf diesem Sektor noch einiges tun, dass was heute als mögliche Lösung der entsprechenden Probleme diskutiert wird muss sich in der Praxis auch erst beweisen - und zwar bevor man irgendwelche überhasteten Schritte macht um dann hinterher festzustellen, dass man sich damit selbst ins Knie geschossen hat.


    Es wird daher sicher noch 5-10 Jahre brauchen bis man wirkliche versorgungssichere Alternativen präsentieren kann. Das hier der Forschung auch die Möglichkeiten und Mittel zur Verfügung gestellt werden müssen um die hohen Ziele auch tatsächlich erreichen zu können ist ebenfalls sicherlich kein Punkt über den man sich groß streiten müsste.


    Aber wir erreichen das Ziel sicherlich nicht schneller oder besser wenn vor dem Hintergrund der Katastrophe in Japan jetzt blinder Aktionsmus betrieben wird oder irgendwelche halbseidenen Parolen auf die "böse Atomlobby" schwadroniert werden.


    Dem gibt es nur noch wenig hinzuzufügen. :top:


    Außer dass ich den Zeitraum von 5-10 Jahren für die Entwicklung von grundlastsichernden alternativen Formen der Energiegeneration für etwas zu knapp halte. 15-20 Jahre halte ich für realistischer, schließlich müssen die Techniken nicht nur entwickelt, sondern auch ausgiebig getestet werden. Es ist heutzutage nicht mehr so einfach wie in den 1950er- und 1960er-Jahren, eine Genehmigung für ein Kraftwerk zu bekommen. ;)



    Zitat

    Original geschrieben von Moskauinkasso
    Japan sollte eigentlich zeigen, dass es Zeit wird umzudenken, alte Klischees sollten der Vergangenheit angehören....


    Dass es Zeit zum Umdenken in der Energiepolitik ist, war eigentlich auch vor der Havarie in Fukushima klar. Es war eigentlich schon seit der Reaktorexplosion in Tschernobyl common sense in der Energiepolitik, dass in Deutschland keine neuen KKW mehr gebaut werden, weil die Risiken eben nur bis zu einem bestimmten Punkt beherrschbar und die Konsequenzen im Fall eines Fehlschlags unvorhersehbar sind. Das Problem ist aber, dass besonders unsere Nachbarn Frankreich und die Tschechische Republik den größten Teil ihres Stroms aus Kernkraft gewinnen und ihre KKW sozusagen "vor unserer Haustür" stehen. Ein Land wie Frankreich, das fast 80 % seines Stroms aus Kernkraft bezieht, wird nicht so leicht aussteigen können wie ein Land, bei dem nur knapp ein Viertel der elektrischen Energie aus KKW kommt. Ein Ausstieg aus der Kernenergie ist mittelfristig absolut richtig, aber wirklich sinnvoll nur, wenn man auf eine gesamteuropäische Lösung hinarbeitet. Und dabei werden sicherlich noch mehr als zwei Jahrzehnte vergehen.

    Zitat

    Original geschrieben von Robert Beloe
    Wenn ich die Berichterstattung richtig verfolgt habe, ist das Szenario von Tschernobyl aus einer ganzen Reihe an Gründen nicht mit der jetzigen Situation vergleichbar.[...] Vorausschauende Dramatisierung hilft hier nicht weiter, die Lage an sich ist jetzt schon schwierig und ernst genug.


    Ob die Japaner das bewältigen können? Nun, ich drücke Ihnen jedenfalls die Daumen und wünsche ihnen alles erdenklich Gute (und werde mich einstweilen Weltuntergangsphantasien nicht anschließen). Sprüche wie: 'die Japaner werden jetzt sterben', die so oder in abgewandelter Form im Netz kursieren, finde ich ehrlich gesagt sogar ziemlich abstoßend.


    Danke, Robert, wenigstens noch einer, der sich von der allgemeinen Hysterie nicht anstecken lässt! :top:


    Die Lage in Japan ist schon schlimm genug, auch ohne die Endzeitszenarien, die hier ausgemalt werden und die mit den Fakten kaum noch etwas zu tun haben. :rolleyes:

    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Man hat Tage völlig untätig verstreichen lassen. Spätestens seit dem 12.03. (siehe den von mir verlinkten Artikel in der Süddeutschen) war ziemlich gewiss, was passieren wird. Man hätte den Kreis der Evakuierung so problemlos auf 100 km ausweiten können.


    Die japanische Regierung war also nicht ohnmächtig, sondern hat Teile der Bevölkerung ganz bewusst der nuklearen Katastrofe ausgesetzt. Das ist was anderes! Dass dieses Vorgehen möglicherweise der "japanische[n] Mentalität mit Fehlern umzugehen" entspricht, sehe ich nicht als ausreichende Rechtfertigung - aber ich bin halt kein Japaner. Als Deutscher empfindet ich solches Handeln als zynisch (menschenverachtend).


    Frank, wenn man Menschen evakuieren will, dann kann man sie nicht einfach in Marsch setzen. Ich weiß nicht, ob Du Dir jemals Gedanken darüber gemacht hast, was eine Evakuierung in einem Radius von 100 km um einen bestimmten Punkt bei einer durchschnittl. Bevölkerungsdichte von 300 Pers./qkm logistisch bedeutet (selbst wenn man jetzt zugute hält, dass im Fall Fukushima von dieser zu evakuierenden Fläche knapp die Hälfte aus Ozean besteht)!


    Rein rechnerisch sind das ca. 4,7 Mio. Menschen (lass es in der Praxis "nur" 3-4 Mio. sein), die evakuiert werden müssten, und das sind nicht nur alles Leute, die alle jung, gesund und körperlich fit sind und daher mühelos "mal eben rasch" umgesiedelt werden können. Da gibt es auch Krankenhauspatienten, Bettlägerige, Hochschwangere, Säuglinge, Kleinkinder, Alte, geistig und körperlich Behinderte usw. Die kann man nicht einfach in den nächsten Bus setzen und losfahren.


    Damit aber noch nicht genug. Wir reden hier von einer Gegend, in der in weiten Teilen die Infrastruktur durch Erdbeben und Tsunami komplett zerstört ist; Du hast die Bilder doch genau so gesehen wie wir alle. Diese Schäden lassen sich nicht mal eben im Vorbeigehen beseitigen. Die Katastrophenhelfer, die bei den immer noch laufenden, dringenden Arbeiten in den Katastrophengebieten eingesetzt werden, stehen für eine mögliche Evakuierung nicht bereit.


    Und dann kommt noch ein kleines, aber entscheidendes Problem: wohin soll man die 3-4 Mio. Menschen aus der 100-km-Zone um Fukushima denn evakuieren, selbst wenn man die infrastrukturellen Probleme im Evakuierungsgebiet selbst einmal vernachlässigt? Wo stehen Wohnungen, Krankenhäuser, Versorgungsmöglichkeiten usw. in derartiger Menge zur Verfügung, dass man diese Gegend zum "Zielgebiet" machen könnte? Die noch vorhandenen Kapazitäten bei der medizinischen Versorgung werden für die Behandlung der Verletzten des Erdbebens und des Tsunamis benötigt, ähnliches gilt für die Unterbringung der obdachlos gewordenen Menschen. Das sind doch alles keine Fragen, für die man sich mal eben in ein paar Tagen die Lösung aus dem Ärmel schüttelt.


    Dazu kommt: Von den Gebieten um die Küstenlinie abgesehen ist Japan ein ziemlich gebirgiges Land, in dem "unbesiedelte Fläche" in erster Linie bedeutet, dass sich die unbesiedelte Fläche kaum besiedeln lässt.


    So, gehen wir nun auch noch einen Schritt weiter (und ich bete, dass dieser Schritt den schon zu sehr von Katastrophen heimgesuchten japanischen Volk erspart bleiben möge): Eine stark radioaktive Wolke weht beständig in Richtung Tokio, wo ca. 36 Mio. Menschen leben. Wie will man die denn alle evakuieren, und vor allem: wohin?



    @ hjanss: Wenn Dir schon irgendwelche Erkenntnisse vorliegen, die Deine Panik- und Horrorszenarien belegen, dann zögere bitte nicht, uns Normalsterbliche aufzuklären.
    Aber bitte: FAKTEN vorlegen, nicht Spekulationen und haltlose Mutmaßungen.

    Bayern hat im Sturm ja ganz schön gewirbelt, aber es wäre besser gewesen, wenn sie von den vielen Chancen auch mal ein paar mehr genutzt hätten.


    Ansonsten gilt, dass man verliert, wenn man ohne Verteidigung antritt. Was die Innenverteidigung beim "Stern des Südens" ablieferte, reicht nicht einmal für einen Stammplatz in der 2. Liga! :rolleyes:


    Ich hätte nicht geglaubt, dass ich mal den Gelsenkirchenern die Daumen drücken würde, aber in der CL geht's nicht um Animositäten Schwarz-Gelb versus Königsblau-Weiß, sondern um die wahrscheinlich letzte deutsche Mannschaft im Viertelfinale eines europäischen Vereinswettbewerbs.

    Zitat

    Original geschrieben von Hellwach
    Sowas sollte wirklich Standard sein... Kann man das nachrüsten?


    Nein, das geht nicht, dazu muss die gesamte kerntechnische Anlage von Anfang an darauf ausgelegt sein. Das wäre wirklich so, als wollte man bei einem 30 Jahre alten Auto moderne Sicherheitstechniken wie ESP usw. nachrüsten.



    @ frank_aus_wedau: So ist es.


    Und irgendwo zwischen diesen beiden Darstellungen (einmal durch Avera NP, den aus dem französischen Staatskonzern Framatome und Siemens Nuclear Power hervorgegangenen französischen KKW-Bauer und einmal durch die Umweltschutzorganisation Greenpeace) liegt die Wahrheit über den neuen KKW-Typ mit dem Kernfänger:


    http://www.areva-np.com/script…ates/show.asp?P=1655&L=DE


    http://www.greenpeace.org/inte…/2008/5/epr-factsheet.pdf


    Ein Kernschmelze prinzipiell ausschließen kann man bei keinem konventionellen Reaktor, weder SWR noch DWR (und auch EPR nicht, der ist auch nichts anderes als ein weiterentwickelter DWR). Da müsste man schon einen HTR oder Brutreaktor verwenden, bei diesen beiden Typen ist eine Kernschmelze definitiv ausgeschlossen. Dafür haben sie im praktischen Betrieb so viele andere Nachteile, dass sie sich in Deutschland nie durchsetzen konnten.
    An die Störfälle des HTR in Hamm-Uentrop und den jahrelangen juristischen "Krieg" zwischen der Bundesregierung und der Landesregierung von NRW um den sogen. "Schnellen Brüter" in Kalkar können sich diejenigen, die in den 1980ern schon ein gewisses politisches Bewusstsein entwickelt hatten, wohl noch erinnern.


    Übrigens wollten auch die Japaner mal einen Brutreaktor in Betrieb nehmen, nach einem Störfall mit dem Kühlmittel (flüssiges Natrium) gab man die Sache zunächst für 15 Jahre auf, doch im letzten Jahr kehrt man in den Testbetrieb zurück: http://de.wikipedia.org/wiki/Brutreaktor#Verwendung