ZitatOriginal geschrieben von Robert Beloe
Vermutlich geht es dabei um die schiere Menge und die Tatsache, dass das in Tschernobyl unkontrolliert passierte. So verstehe ich auch die oben angeführte Einschätzung der britischen Regierung. Aber ich lasse mich gern korrigieren, Laie, der ich bin.
Nun, unkontrolliert erfolgt eine Kernschmelze auch in Fukushima. Es ist ja eben ein Charakteristikum für eine Havarie außer Kontrolle, dass man den Reaktorkern nicht mehr beherrscht, sondern zu außerplanmäßigen Maßnahmen greifen muss, um z. B. den Kern oder die Brennstäbe in einem offenbar Leck geschlagenen Abklingbecken zu kühlen so gut es geht. Da ist schon ziemlich viel Hoffen und Bangen im Spiel.
Aber was Tschernobyl angeht, so war das, und das hast Du richtig erkannt, ganz einfach eine völlig andere Dimension - siehe unten.
ZitatOriginal geschrieben von handytim
Und die Passage die ich meine ist:
"In Chernobyl you had a steam explosion which exposed the reactor core, which meant you had a lot of radiation shooting up into the atmosphere."
Man muss es eigentlich noch etwas drastischer formulieren: durch die Wasserstoffexplosion im Reaktorkern wurde nicht nur der Kern komplett freigelegt, sondern ca. 10-15 % seines Brennstoff- und Moderationsmaterial in die Gegend geschleudert, die Angaben schwanken da etwas. Jedenfalls waren es einige Tonnen(!) glühendes Uran und Graphit, die schlagartig freigesetzt wurden.
Eine gänzlich andere Darstellung stammt von Konstantin Tschetscherow, einem Moskauer Kernphysiker, der davon ausgeht, dass fast 95 % des gesamten Reaktormaterials bei der Explosion aus dem Reaktorgebäude herausgeschleudert wurde und in einer gewaltigen Verpuffung oberhalb der Reste des Raktorgebäudes in der Umwelt verteilt wurde.
Siehe dazu http://www.berlinonline.de/ber…3/politik/0021/index.html
In der "offiziellen" Fachliteratur wird Tschetscherow i. d. R. kaum erwähnt, man hält seine Ansichten für wenig glaubwürdig.
ZitatOriginal geschrieben von handytim
Wer weiß, ob die Brennstabbehälter noch intakt sind? Die dort auftretenden Brände lassen eher was anderes vermuten.
Natürlich sind die Brennelemente nicht so radioaktiv wie der Reaktorkern im Falle von Tschernobyl, allerdings wird auch hier Radioaktivität direkt in die Atmosphäre freigesetzt. Aber der Bericht erweckt den Anschein als ob in Fukushima gerade kein radioaktiv belasteter Dampf in die Atmosphäre aufsteigt (dass Dampf kontrolliert abgelassen wurde, ist eine andere Geschichte).
Die Brände können auch durch die Knallgasexplosionen verursacht worden sein, die beim sogen. Venting (Überdruckablass aus dem Reaktorbehälter und Containment) aufgetreten sind. Und was da an Trümmern durch die Gegend flog, kann durchaus schwere Schäden an anderen Gebäuden oder auch einem bereits freiliegenden Containment oder Abklingbecken verursacht haben.
Das Problem ist einfach, dass man zu wenig weiß, aber dass es auch wenig Sinn macht, wild zu spekulieren und Panik zu verbreiten. Dass die Techniker vor Ort jetzt nicht alle fünf Minuten Interviews vor laufenden Kameras geben können und wollen, muss man auch verstehen, die haben wichtigere Dinge zu erledigen.