Beiträge von HappyDay989

    @ frank_aus_wedau: Dass die Druckbehälter unbedingt gekühlt werden müssen, um der Schmelze widerstehen zu können, hatte ich schon einige Male geschrieben, z. B. hier. Ohne eine ausreichende Abführung der Nachzerfallshitze schmelzen die Brennstäbe inkl. der sie umgebenden Hüllen und tropfen wie geschmolzener Käse auf den Boden des Druckbehälters. Dies ist offenbar bei drei Reaktorblöcken in Fukushima bereits geschehen bzw. ist in vollem Gang.


    Vermögen die Techniker vor Ort nicht, durch eine Flutung der Containments die Druckbehälter entsprechend zu kühlen und für Nachschub an frischem Kühlwasser (oder eine Herabsetzung der Kühlwassertemperatur mittels Wärmetauschern) zu sorgen, wird die Schmelze unweigerlich aus dem Druckbehälter austreten. Für den Fall, dass die Containments beschädigt sind, werden radioaktive Substanzen in erheblicher Menge freigesetzt.


    Diese Gefahr droht auch, wenn die Schmelze aus den Druckbehältern in noch intakte Containments durchbricht. Denn das Material des Containments ist nicht dafür ausgelegt, der zähflüssigen Schmelze auf ewig standzuhalten. Kommt es zu einem Kerndurchbruch, hilft nur noch das, was man in Tschernobyl auch gemacht hat, nämlich den kompletten Reaktorblock "einzusargen," was sich angesichts der zerstörten Infrastruktur in der Region allerdings leichter schreiben als umsetzen lässt.


    Bei den allerneusten Konstruktionen wie dem Europäischen Druckwasserreaktor (EPR) ist am Boden des Containment ein zusätzliches Auffangbecken für den Fall eines Kernschmelzedurchbruchs vorgesehen, der sogen. "Core Catcher." Er besteht aus einer speziellen Mischung aus Beton und Keramik, die den auftretenden Temperaturen widerstehen kann.


    Was die "kritische Masse" angeht: ohne die kritische Masse könnte kein Reaktor funktionieren, denn zur Kernspaltung bedarf es einer (gesteuerten!) Kettenreaktion, und dazu wiederum der kritischen Masse. Um aber eine Kernexplosion auszulösen, bedarf es einer prompt überkritischen Masse. (Etwas in der Art geschah übrigens in Tschernobyl, da fuhr man den Reaktor in einen prompt überkritischen Zustand, dem Sekunden nach der nuklearen Exkursion und der damit einhergehenden unkontrollierten Kettenreaktion eine Knallgasexplosion (Kühlwasser-Aufspaltung in Wasserstoff und Sauerstoff) folgte, die den Reaktor sprengte und tonnenweise radioaktives Material nach außen schleuderte.)


    Viel entscheidender als die Höhe, bis zu der "der radioaktive 'Rotz'" aufsteigt ist die Frage, um welche radioaktiven Substanzen in welcher Menge es sich handelt. Denn davon hängen die Zerfallszeiten, die Auswirkungen auf Menschen und Umwelt und die möglichen Dekontaminierungs- und Vorsorgemaßnahmen ab.

    Zitat

    Original geschrieben von autares
    Harrisburg war auch irgendwann ausgekühlt - hat 1.5 Jahre gedauert...


    Ja, auch Fukushima wird auskühlen, wenn keiner der Kerne durchbrennt. Könnte ungefähr genau so lange dauern oder noch etwas länger. Die Frage ist nur: werden die geschmolzenen Kerne innerhalb der Druckbehälter auskühlen oder außerhalb? :confused:


    Es dürfte wohl klar sein, dass es wünschenswert ist, dass die Kerne innerhalb ihrer Druckbehälter auskühlen. Die Kernschmelzen selbst werden sich kaum noch verhindern lassen, denn sie sind nach allen Anzeichen bislang in vollem Gang. :eek:

    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Mein technisches Verständnis lässt mich den Stand der Dinge genau so sehen, wie HappyDay989 ihn beschrieben hat.


    Allerdings mit einem Unterschied:
    Ich persönlich sehe bisher nicht einmal ansatzweise die Möglichkeit, Kernschmelzen in einer Form, die die Druckbehälter zerstören, zu verhindern. Das eingefüllte Meerwasser dürfte verdampfen, wie das Wasser in einem Wasserkocher, wenn es erst einmal richtig aufgeheizt ist. Möglichkeiten, Wasser so schnell nachzupumpen, wie die Verdampfung stattfindet, waren bisher nicht Gegenstand der Berichterstattung - woraus sollen sie auch resulitieren?


    Damit siehst Du die Dinge gar nicht in einem Unterschied zu mir!


    Denn das ist doch genau das Problem, auf das ich seit zwei Seiten hinweise, bloß dass Du offenbar der Erste bist, der das begreift: Der Nachschub an frischem Kühlwasser ist das Hauptproblem; die Abwärme der Reaktorkerne muss abtransportiert werden, sonst droht das Durchbrennen zumindest eines Reaktorkerns durch den Druckbehälter. :eek:


    Und wenn das geschieht, droht das, was ich schon angedeutet habe. Dann können nur noch Roboter oder ein paar mutige Todeskandidaten die austretende Schmelze wieder eindämmen, dann würde aus INES 4 wohl ein Fall von INES 6 werden. :eek:


    @ Robertsen: Auch wenn der Kollege ChickenHawk recht hat, so verstehe ich doch Deine Befürchtugnen sehr gut. Ein "Feind" wie Radioaktivität, den man nicht sehen, riechen, schmecken oder sonst wie wahrnehmen kann, ist tückisch und Furcht einflößend. :eek:

    Zitat

    Original geschrieben von GrandMast3r
    Recht langer Text, aber sehr informativ und beruhigend


    *klick*


    Interessanter Link, aber auch der enthält leider zwei Fehler, die die Lage nicht ganz so rosig aussehen lassen wie dargestellt:


    1. Es wurde nicht "der Schnellkochtopf" (= der Druckbehälter, der unmittelbar den Reaktor und sein Kühlwasser, sofern noch vorhanden) umgibt, geflutet, sondern die Kammer, die diesen "Schnellkochtopf" umgibt, das sogenannte Containment (= äußere Reaktorhülle). Hätte man den Druckbehälter beflutet, so wäre das Wasser durch die Hitze des Kerns in Sekundenbruchteilen in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten worden, mit der Konsequenz einer Knallgasexplosion und sofortigen Zerstörung des Druckbehälters.


    2. Was in dem Text als Schnellkochtopf bezeichnet wird, nämlich der Druckbehälter, hat ein großes Problem: Das Wasser, das den Druckbehälter umgibt, nimmt die Hitze des Kerns auf, d. h., es kühlt den Reaktorkern weiter ab. Allerdings erhitzt sich dieses Wasser dabei immer mehr und muss entweder selbst gekühlt (= mittels sogen. Wärmetauscher) oder durch frisches Wasser ersetzt werden. Doch dazu fehlen ggw. wohl die Pumpen und/oder der Strom, um solche Pumpen zu betreiben.


    3. Und damit ist die Situation nicht ganz so beruhigend wie im verlinkten Text dargestellt, sondern eher so, wie ich es oben bereits geschildert habe: der Fokus muss darauf gelegt werden, auf Biegen und Brechen den Nachschub an frischem Kühlwasser zu gewährleisten, sonst gerät der Kern außer Kontrolle und brennt sich mit der immer noch vorhandenen Hitze durch den Druckbehälter ins Containment. Wie lange das Containment der Hitze der Schmelze standhalten kann, können nur die Betreiber sagen, die über Kenntnisse über die Konstruktionsdetails des Containment verfügen. Der Zeitpunkt, sich entspannt zurückzulehnen und sich keine Sorgen mehr zu machen, ist jedenfalls noch längst nicht gekommen. Erst muss die Temperatur des Kerns soweit abgesenkt worden sein, dass nicht mehr das Risiko besteht, dass sich die Schmelze durch den Druckbehälter brennt.



    @ thomasGr: Der Kachelmann soll sich lieber um das gegen ihn laufende Gerichtsverfahren kümmern. :mad:
    Bevor Tokyo eine Katastrophe bevorsteht, müsste in dem nach Tokyo wehenden Wind erst einmal entsprechende Radioaktivität enthalten sein. Und das ist eben nicht der Fall, dank des Einsatzes der Leute vor Ort in Fukushima! :top:

    Zitat

    Original geschrieben von rüpel
    Wie kann man sich denn vorstellen wie die da arbeiten? ich meine laufen die alle mit Schutzanzügen rum? das wird nur bedingt helfen denke ich mal und da muss wahrscheinlich in Schichten gearbeitet werden um nicht "verstrahlt" zu werden oder? und wer meldet sich denn da freiwillig um dort zu bleiben?


    Schutzanzüge und Atemgeräte helfen auch nur bedingt, schließlich muss man sich auch noch bewegen können. Ganz brutal gesprochen: sollte einer der Reaktorkerne (oder gar beide!) durchbrechen, d. h., sollte der Druckbehälter als die letzte radiologische Barriere beschädigt werden, dann dürfte man zum Eindämmen der Schmelze vor Ort nur noch Roboter einsetzen, oder zum Tode Verurteilte, deren letztes Gnadengesuch bereits abgewiesen wurde. :rolleyes: (In diesem Zusammenhang sei an das Schicksal der sogen. Liquidatoren erinnert, die in Tschernobyl das durch die Explosion des Reaktors freigesetzte radioaktive Material wieder einsammeln mussten. Sie retteten dadurch wohl zehntausenden das Leben, doch sie opferten, die meisten davon wohl unwissentlich, ihr eigenes und starben einen qualvollen Tod.)


    Entscheidend ist, dass sowohl der Druckbehälter (innere Reaktorhülle) als auch Containment (äußere Reaktorhülle) standhalten, nachdem die eigentliche Reaktorgebäude der Blöcke 1 und 3 bereits stark beschädigt wurden. Deshalb ist jetzt das Allerwichtigste, diese beiden Hüllen stabil zu halten. Das Umspülen und Herunterkühlen mit Meereswasser ist selbst dann als das kleinere Übel anzusehen, wenn es nicht gelingen sollte, einen Wärmetauscher anzubringen, der das eingeleitete Wasser in einem geschlossenen Kreislauf immer wieder abkühlt und so die Nachzerfallswärme der wohl partiell schon geschmolzenen Kerne abzuführt. Notfalls müsste man sogar das leicht radioaktiv verschmutzte Meereswasser wieder zurück ins Meer leiten und frisches Wasser zuführen, bevor man das Risiko eingeht, die Reaktorkerne durchbrechen zu lassen. Denn dann hätte man wirklich die sprichwörtliche "Hölle auf Erden."


    Wer meldet sich für so etwas freiwillig? Das ist schwer zu erklären, warum es Leute gibt, die sich für solche Einsätze freiwillig melden. Ist es das Wissen, zu den wenigen zu gehören, die so etwas überhaupt tun können, d. h., die die Qualifikation haben? Ist es das Pflichtbewusstsein, das es ihnen nicht bestattet, sich selbst in Sicherheit zu bringen und die Kollegen im Stich zu lassen? Eines ist allerdings sicher: Diese Leute wissen genau um die Risiken, und sie wissen, dass ihnen im Zweifelsfall ein qualvoller Tod bevorsteht, wenn sie einen Fehler machen oder die Situation völlig außer Kontrolle gerät. Sie haben meine Hochachtung, meinen allergrößten Respekt und ich denke, wir alle drücken ihnen die Daumen und beten für sie und ein gutes Gelingen.



    Zitat

    Original geschrieben von Zeus
    Ob das nun in unmittelbarer Nähe der Reaktorgebäude wirklich so ungefährlich ist?


    Nein, ungefährlich ist Radioaktivität niemals. Es gibt, und das ist das Missverständnis, das bei sogen. Grenzwerten immer wieder auftritt, keine "ungefährliche" Strahlung. Man kann nicht einfach sagen, unterhalb von z. B. 20 mSv/Jahr ist alles unbedenklich, darüber hinaus droht der sofortige Strahlentod. Früher galt als Grenzwert 50 mSv/Jahr, heute sind es nur noch 20 mSv., weil man gemerkt hat, dass für viele Leute 50 mSv bereits zu viel sind. Grenzwerte sind immer dort am höchsten, wo eine Technik besonders häufig oder auf besonders niedrigem Niveau eingesetzt wird, das ist bei Kernkraft nicht anders - siehe http://www.bmu.de/strahlenschu…ische_regeln/doc/6887.php.
    Es gibt Leute, die halten die doppelte und dreifache Dosis dessen aus, was die jeweiligen Grenzwerte zulassen ohne gesundheitliche Konsequenzen, und es gibt Leute, die entwickeln typische Symptome von Strahlenkrankheiten bei Dosen, die weit unterhalb der Grenzwerte liegen. "Witzig" ist in diesem Zusammenhang, dass in Deutschland der Bevölkerung max. 1 mSv/Jahr zugemutet werden, Arbeitnehmern in einem KKW dagegen 20 mSv/Jahr. Sind denn KKW-Arbeitnehmer von Natur aus mit einem gegen Radioaktivität besonders resistenten Körper ausgestattet? - Natürlich nicht, dies verdeutlicht nur, wie sehr Grenzwerte auch politisch beeinflusst und wie schwammig sie damit sind.


    Eines ist klar: Die Umgebung des KKW Fukushima ist radioaktiv stärker belastet als normal, denn man musste radioaktiven Dampf ablassen, um Druckbehälter und Containment vor dem Zerbersten zu schützen. Wie hoch die Strahlung dort ist und wie lange man ihr ausgesetzt werden darf? - Keine Ahnung, die Informationspolitik der KKW-Betreiber ist bislang derartig für den Arsch Popo gewesen, dass jegliche Einlassung dazu reinste Spekulation ist. :rolleyes:

    Auch wenn der Vergleich immer wieder gezogen wird: Fukushima und Tschernobyl kann man nicht miteinander vergleichen!


    In Tschernobly explodierte ein kompletter Reaktor mitten im Betrieb. Dabei wurde der Deckel des Druckbehälters völlig zerfetzt, ein Containment gab es nicht und das Reaktorgebäude wurde weggesprengt. Dadurch wurden tonnenweise glühendes Brennstabmaterial (Plutonium) und brennendes, hochgradig radioaktiv belastetes Graphit (das Moderationsmaterial) schlagartig freigesetzt. Die binnen Sekunden freigesetzte Menge an Radioaktivität entsprach etwa dem 200fachen dessen, was die Bombe auf Hiroshima an radioaktiver Belastung freigesetzt hatte.


    Wenn man einen Vergleich sucht, der eher zu Fukushima passt: Three Mile Island nahe Harrisburg, PA.



    Zitat

    Original geschrieben von stanglwirt
    @ happyday


    wenn du irgendwas reininterpretierst, ist das dein bier in deiner kneipe. ich freue mich ganz sicher nicht über die geschehnisse.


    Ich habe Dir keine Freude unterstellt, sondern vor allem um eine etwas angemessenere Wortwahl gebeten.

    Zitat

    Original geschrieben von stanglwirt
    dann dürfte es in der nacht wieder knallen oder?
    mal schauen wielange 4. reaktor noch ganz ist.


    Meine Güte, wir reden hier nicht von einem Feuerwerk, und Deiner Bemerkung über Reaktorblock 4 kann man sogar eine gespannte Neugier entnehmen! :mad:


    Es geht hier um ein Szenario, von dem man hofft, dass es, völlig unabhängig davon, ob man Kernkraft gegenüber tendenziell positiv oder negativ eingestellt ist, niemals eintreten möge, nämlich einer Kernschmelze mit der Gefahr eines möglichen Austritts der Schmelze aus dem Druckbehälter, was wiederum eine starke Kontaminierung der näheren Umgebung (einige 100 km) mit von der Quelle aus abnehmender Radioaktivität bedeuten würde.


    Anders gesagt: es geht potentiell um Menschenleben und gigantische Umweltschäden, und da gilt es m. E., eine etwas angemessenere Ausdrucksweise zu wählen als wenn man nach dem dritten oder vierten Bier in der Kneipe eine saloppe Bemerkung dahinwirft. :rolleyes:


    Sorry, aber das musste einfach mal gesagt werden.

    Zu behaupten, es käme knüppeldick für das von Katastrophen schon reichlich heimgesuchte japanische Volk, ist wohl eine glatte Untertreibung:


    Nach der Detonation im Reaktorgebäude von Block 1 des KKW Fukushima I ist nun auch das Reaktorgebäude von Block 3, bei dem gestern die Kühlung ausfiel, bei einer Explosion teilweise zerstört worden:
    http://www.tagesschau.de/ausland/fukushima154.html
    http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-pacific-12729138
    Sowohl Tagesschau als auch BBC berichten, es habe 11 Verletzte gegeben, Radioaktivität sei nicht in nennenswertem Umfang ausgetreten. Ähnlich wie bei der Explosion in Block 1 vor zwei Tagen handelte es sich wohl um eine Wasserstoffexplosion.


    Im Reaktorblock 2 ist das Kühlsystem komplett zusammengebrochen:
    http://www.tagesschau.de/ausland/fukushima156.html



    Weiterhin berichtet die BBC unter Berufung auf japanische Medien, an den Stränden der Präfektur Miyagi habe man bislang etwa 2.000 Leichen von Tsunami-Opfern geborgen:
    http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-pacific-12729138



    Die Katastrophe nimmt wohl weitaus größere Ausmaße an als zunächst vermutet. :(
    Und es dürfte wohl klar sein, dass die Japaner jetzt internationale Hilfe mehr als dringend gebrauchen können.

    Zitat

    Original geschrieben von sway-67
    Wie ich dir schon angeboten hatte ScreenSnap per Mail zu schicken.
    Ist auch Freeware und funktioniert auf S60 5th aka S^1 und auf S^3.


    Danke für den Tipp, Best Screen Snap läuft super auf meinem C6-00! :top: