ZitatOriginal geschrieben von mostwanted
Guttenberg hat wohl schreiben lassen, leider auch die Einleitung. Er hat bei seiner Dissertation geschummelt, keine Frage. Das wirft kein gutes Licht auf seine Fähigkeit, Dinge so zu regeln das ein Ziel erreicht wird und dabei keiner die krummen Wege sieht, die genommen wurden.
Als viel schlimmer als den Umstand des Kopierens erachte ich den Umstand, dass er offenbar wenig Hemmungen hat, den Medien und der Öffentlichkeit auch nach dem Bekanntwerden von "Copy&Paste" die Wahrheit vorzuenthalten.
Seine Presseerklärung am Freitag erinnerte mich an die Aussage eines ehemaligen Ministerpräsidenten: "Ich gebe [...] der gesamten deutschen Öffentlichkeit mein Ehrenwort – ich wiederhole – ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind."
Es ist bekannt, wie die Affäre damals ausging, aber ehrlich gesagt wünsche ich Guttenberg kein derartiges Schicksal.
@ Andreas24: Dass Guttenberg seine Dissertation entweder abschrieb oder abschreiben ließ, dürfte wohl mittlerweile jenseits dessen stehen, was man als "vernünftig begründeten Zweifel" bezeichnet, das lohnt wirklich der Thematisierung kaum mehr. Wenn etwas aussieht wie eine Kuh, riecht wie eine Kuh, muht wie eine Kuh und auch noch Milch gibt, die wie Kuhmilch schmeckt, dann wird's wohl auch eine Kuh sein. Nein, den Punkt haben wir im Fall Guttenberg wohl hinter uns gelassen.
Es geht jetzt wohl eher darum, warum Guttenberg meint, die Öffentlichkeit mit extrem fragwürdigen Aussagen wie "es ist zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht worden" in die Irre führen zu dürfen. Das "Copy&Paste" kann man ihm durchaus verzeihen; soll er sich halt von der Bürde seines (ohnehin erschwindelten) Doktortitel befreien lassen und gut ist's.
Wenn sich aber ein Bundesminister vor die Öffentlichkeit stellt und glaubt, mit offenkundig falschen Aussagen die Öffentlichkeit täuschen zu dürfen, dann ist schon die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Person Guttenberg und seiner Eignung für eine der höchsten Führungspositionen dieser Republik erlaubt. Und je länger Guttenberg mit einer wahrheitsgemäßen Erklärung wartet, desto schlimmer wird die Sache für ihn. Man fragt sich wirklich, ob Guttenberg keinen Berater hat, oder einen sehr schlechten, oder ob er vollkommen beratungsresistent ist, dass er sich in dieser Angelegenheit so unprofessionell verhält.
Im Grunde demontiert er sich damit selbst, hier von einer Hexenjagd zu sprechen halte ich für eine unzulässige Umkehr von Ursache und Wirkung. Wenn sich eine Person des öffentlichen Lebens, und dazu noch ein hoher Repräsentant des Staates, darauf versteift, immer wieder dieselbe unglaubwürdige Aussage zu wiederholen, dann hat das nichts mit Hexenjagd zu tun, wenn man dies solange hinterfragt und kritisiert, bis diese Person sich endlich gewillt zeigt, Licht in die Angelegenheit zu bringen. Guttenberg ist offensichtlich noch nicht so weit, also sollte man nicht nachlassen, ihm so lange "auf die Füße zu treten," bis er endlich mit der Wahrheit rausrückt.
Ich denke, dass die Öffentlichkeit darauf durchaus ein Anrecht hat, schon alleine deswegen, weil Guttenberg in einem Amt ist, das vom Geld der Steuerzahler bezahlt wird. Seine Dissertation mag seine Privatsache sein (zumindest solange er den Doktortitel nur privat führt), aber seine Glaubwürdigkeit ist es in seiner Position durchaus nicht.