Da ich über etwas Insiderwissen verfüge (ich spreche jetzt nicht von Pit-Stop, sondern von einer anderen namhaften Filialkette, bei der ich mich jahrelang quasi rund- um-die-Uhr wegen etwas anderem beruflich aufhielt und mich mit allen Mitarbeitern unterhielt).
Es wird alles versucht, um etwas zu verkaufen. Die meisten Monteure sind angelernt, manchmal hatte einer was mit Kfz vorher zu tun. Viele der "Angelernten" haben ein relativ niedriges Grundgehalt, das nur unerheblich über Hartz 4 liegt. Aber mit jedem "gefundenen Fehler und somit dem Kunden verkauften Artikel" steigt aufgrund Provisionszahlungen das Gehalt. Normalerweise ist für jede Filiale ein Meister benannt, es kann aber passieren, das dieser z.B. aus einer 30 km entfernten Filiale extra kommen muß, wenn es Probleme gibt. Es gab mal den Fall, das ein Citroen aufgrund der Hydraulik des Fahrzeuges nicht mehr von der Hebebühne kam (bei Citroen kann sich ja das Fahrwerk des Fahrzeuges während der Fahrt anheben und senken), es mußte nach 2 Stunden Wartezeit extra ein Meister einer anderen Filiale herbeigeholt werden, der früher zufällig bei Citroen gearbeitet hat, für den war es eine Sache von 1 min.
Auch wird oft den Kunden erzählt, alle 4 Reifen müssen gleich sein (Hersteller, Profil, etc.). Dies wäre gesetzlich vorgeschrieben. Das ist absoluter Quatsch. Das Fahrzeug muß lediglich mit gleicher Bauart (Diagonal oder Radialreifen) auf einer Achse ausgestattet sein, alles andere kann sich unterscheiden. Theoretisch dürfte man (von der aktuellen Gesetzesänderung bei Winterreifen mal abgesehen), im Sommer vorne rechts einen Winterreifen von Conti, vorne links einen Sommerreifen von Michelin, hinten links einen Winterreifen von Semperit und hinten rechts einen runderneuerten Sommerreifen vom real fahren! Solange die Größe stimmt und 1,6 mm Profil vorhanden sind! Einzige Ausnahme, wenn in den Fahrzeugpapieren extra etwas vorgeschrieben ist, z.B. bei bestimmten Alufelgen, Motorrädern oder 3 Liter Autos.. So ist die Gesetzeslage, natürlich ist dies n i c h t - z u -e m p f e h l e n! Aber die normale "Hausfrau" beim Reifendienst glaubt dies. Also kann man wieder etwas verkaufen.
Will jetzt nicht alle Filialisten über einen Kamm scheren, aber es handelt sich bei den Reifendiensten nicht um caritative Einrichtungen, auch diese haben ihre Vorgaben bezüglich Umsätzen und müssen ihre Kosten erzielen. Die meisten versuchen es bis zu einem bestimmten Punkt, und wenn der Kunde dann abblockt, lassen sie dies auch. So ein Verhalten ist aber auch bei fast allen Vertragshändlern normal, nur das aufgrund der meistens fehlenden oder nicht so hohen Provisionen an die Monteure dies nicht so "energisch" erfolgt.
Also, lasst Euch nichts aufschwätzen! Ich schreibe mittlerweile fast alle Werkstattarbeiten in einer bekannten Internetplattform aus. Material besorge ich meistens vorher. Und wenn nach Auktionsende der Hammer gefallen ist, gibt es meistens realistische Angebote. In allen Ausschreibungen weise ich gleich den möglichen Auftragnehmer daraufhin, das keine Zusatzarbeiten durchgeführt werden. Dann kann er den Auftrag normal kalkulieren und muß nicht über Lockvogelangebote überhaupt auf seine Kosten kommen.
Gruß Boris