Ich kann es nicht eindeutig beantworten, würde aber erwarten (!) daß zumindest in der Konstellation Anruf von roamendem Teilnehmer eines Netzbetreiber zu Teilnehmer desselben Netzbetreibers die Anzeige gelingt, denn der Netzbetreiber kennt ja den Aufenthaltsort und die lokale MSISDN seines roamenden Kunden, kann also sicher verifizieren dass es sich um "seinen" Kundenanschluss handelt. Und das gelingt ja auch nicht. Auch gelingt die Nummernübermittlung bei Anruf von einem Teilnehmer in Deutschland auf ein ausländisches roamendes Handy (gestern getestet Ziel Slowenien Mobilfunk, roamend in Österreich) ebenfalls nicht mehr. Da greift die TKG-Novelle ja gar nicht.
Da muss ich leider genauso wie hrgajek widersprechen.
Nehmen wir als Beispiel einen Anruf von einem Telekom Kunden, der in Österreich im Netz von Drei eingebucht ist und eine deutsche Nummer im Netz von O2 anruft.
Der Anruf geht im besten Fall direkt von Drei zu O2. O2 sieht eine deutsche Nummer, die aus Österreich kommt und unterdrückt diese. Um die Nummer nicht zu unterdrücken, müsste O2 irgendwie feststellen, dass der Telekom Kunde momentan wirklich im Netz von Drei eingebucht ist. Wie soll das funktionieren? O2 hat weder Zugriff auf die Systeme der Telekom noch auf die Systeme von Drei. Wenn man die Systeme aller Netzbetreiber für solche Abfragen aller anderen Netzbetreiber öffnet, hat man wieder Datenschutzprobleme. Nicht lange zurück hat man versucht, gerade solche Abfragen im SS7 zu blockieren weil sonst jeder abfragen kann in welchem Netz momentan z.B. der Bundeskanzler eingebucht ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass so eine enorme Datenschutz-Lücke, die erst geschlossen wurde, wieder aufgemacht wird.
Wie schon hrgajek erwähnte, gehen die Anrufe oft nicht direkt zwischen zwei Netzbetreibern. Aus Kostengründen oder einfach weil die Menge der Anrufe nicht groß genug ist um eine direkte Verbindung zwischen den zwei Netzbetreibern zu rechtfertigen. Z.B. ein Netzbetreiber in Slowenien mit nur etwas über 500.000 Kunden unterhält keine direkte Verbindungen zu jedem Netzbetreiber in der EU. Das wäre viel zu teuer. Die Anrufe werden oft zu einem anderen Netzbetreiber übergeben, der dann den Anruf direkt oder über weitere zwischengeschaltete Netzbetreiber zustellt. Auch in den Gruppen wie Vodafone, Orange usw. ist es üblich, die Anrufe nicht immer direkt, sondern über die Netzbetreiber der Gruppe zuzustellen. O2 kann in solchen Fällen, wenn ein Anruf über die zwischengeschalteten Netzbetreiber ankommt, nicht wissen, in welchem Netz der Anrufer momentan eingebucht ist und ob somit die Nummer legitim ist.
Der einzige Weg für das Problemfall Roaming wäre, alle Anrufe über das Heimnetz in Deutschland zu routen wie bei Prepaid und bei VoWiFi. Deswegen gibt es bei Prepaid im Roaming das Problem meistens nicht. Das macht das ganze jedoch noch teurer, denn z.B. bei einem Anruf eines deutschen Kunden, der in Frankreich roamt und eine Nummer in Frankreich anruft, muss man dann die zwei Wege bezahlen (FR->DE und DE->FR statt direkt FR->FR). Frankreich ist noch in der Nähe und nicht teuer. Komplizierter wird es mit anderen Ländern wie USA, Kanada, Kuba usw., wo der doppelte Weg viel teurer wird und dadurch auch unnötigerweise eine viel höhere Latenz entsteht.
Hier haben sich also mehrere Probleme angesammelt, die man wahrscheinlich mit vertretbarem Aufwand nicht vollständig lösen kann:
- Deutscher Kunde im Roaming ruft eine Nummer in Deutschland an. Wie oben erwähnt, nicht einfach lösbar.
- VoIP-Anrufe deutscher Kunden, die eine Nummer in Deutschland anrufen werden oft ohne der Nummer zugestellt. Es hängt davon ab, wie und wo der VoIP-Anbieter die Anrufe übergibt, ob die Nummer angezeigt wird oder nicht. Es kann auch von der Uhrzeit abhängen oder einfach zufällig sein, je nachdem über welchen Weg der Anruf geleitet wird. Bei mir kommt über Dellmont im Telekom-Netz keine Nummer mehr an. Über Easybell, der über O2 arbeitet, aber schon.
- Die Besucher aus den anderen Ländern, die sich in Deutschland aufhalten, und von jemandem in Deutschland angerufen werden, sehen keine Nummer mehr. Ich habe das Gesetz nicht gelesen. Oft wird davon gesprochen, dass die Regelung für die Telefonanschlüsse in Deutschland gilt. Meiner Meinung nach sind die Roamer aus den Anderen Ländern, die sich in Deutschland aufhalten, keine Telefonanschlüsse in Deutschland. Dann wäre u.U. die Implementierung, die diesen die Nummern unterdrückt, falsch. Auf jeden Fall ist es sehr geschäftsschädigend, wenn ich meine Kunden, die nach Deutschland kommen, nicht mehr so anrufen kann, dass meine Nummer angezeigt wird. Sieht unseriös aus.
Die Telefon-Spammer können sich weiterhin SIM-Karten aus Deutschland besorgen und über diese aus dem Roaming mit einer deutschen Nummer anrufen. Genauso wenn diese einen geeigneten VoIP-Provider benutzen, der die Anrufe so übergibt, dass die deutsche Nummer nicht unterdrückt wird.
Meiner Meinung nach wurde hier über das Ziel hinausgeschossen und mehr Schaden als Gutes angerichtet.