Ich würde es auch begrüßen, wenn einige Teilnehmer hier mit argumentum ad hominem aufhören könnten.
Und was soll diese EWIGE Diskussion über Symbian?
Denn dann hätte ich vielleicht die Gelegenheit, mal meine tatsächlich vorhandene Verwirrung bezüglich der Strategie von Microsoft Ausdruck zu verleihen.
- Zunächst stelle ich fest, dass WP von seinem Look&Feel viel näher an iOS dran ist, als an Android oder Symbian. Das ganze OS beruht auf dem Gedanken, dem Anwender möglichst wenige Alternativen zu bieten, den Systemkern abzuschotten und Customizing zu reduzieren oder zu verhindern. Wenn man sich aber entscheidet, die Einflussnahme von Entwicklern für Drittapplikationen wie auch Anwendern zu beschränken, dann muss der einzig zulässige Weg dafür um so besser sein. Und das ist er einfach viel zu oft eben nicht. Ein Beispiel dafür ist das Backup, das lokal nicht möglich ist, nur über die Cloud. Das würde man ja noch hinnehmen, wenn es denn gut funktionieren würde - was es nicht tut. Das die Änderung des primären Microsoft-Kontos dazu führt, dass man das ganze Handy neu aufsetzen muss, ist alles, aber nicht gut gelöst. Das mann dann kein Backup nutzen kann, macht die Sache nicht besser. (Sebst das eingeschränkte Cloud-basierende Backup kann man nicht nutzen, da es mit dem alten Microsoft-Konto verknüpft ist.) Und da WP so verriegelt und vernagelt ist, kann auch kein Fremdentwickler eine bessere Alternative anbieten (wie zB das Ultimate Backup oder das Titanium Backup bei Android)
Und so geht das leider weiter - und zwar nicht nur bei extrem selten genutzten Funktionen, sondern auch bei täglichen Basisfunktionen. Wenn man die komplette GUI über sich drehende Kacheln realisiert, dann wäre es eigentlich Pflicht, wenigstens die Geschwindigkeit, wann sich die Kacheln drehen, steuerbar zu machen. Die Aufnahmefähigkeit der Anwender ist einfach zu unterschiedlich, um mit einem festen Wert zu arbeiten. Wenn man mit abgeschotteten Speicherbereichen für die Apps arbeitet, dann muss man einen Admin-Modus einbauen, um die vielen Grenzfälle abzufangen, in denen Apps damit nicht umgehen können (wie Whats App, wo man an die Backup-Datei nicht rankommt, wenn keine SD-Karte vorhanden ist). Und da kann man sich auch nicht damit rausreden, dass das doch die Sache der App-Entwickler ist: es ist Sache des OS solche Grenzfälle abzuwickeln, sonst kann ein Anwender ein so junges OS nun mal nicht benutzen - wie es ja auch hundertfach der Fall ist mit nicht zu Ende entwickelten Apps.
Wenn man schon die textuelle Suche als einzig zulässige Methode definiert, sich in langen App-Listen zu bewegen, dann muss man zumindest dem Anwender die Möglichkeit anbieten, die Apps selbst umzubenennen - sonst kommt genau das raus, was jetzt rausgekommen ist, nämlich ellenlange Listen mit mehr oder weniger zufällig benennten Apps, die damit wild verstreut sind und deren Namen man sich nicht merken kann.
Ich bin seid Jahren im Umfeld des GUI-Design tätig - und nach meinen Standards ist das Design von WP weder intuitiv noch anpassbar. Zumindest eins von beiden muss aber möglich sein.
- Die nächste Ähnlichkeit zu iOS ist, den Anwender mit "sanftem" Druck zu cloud-basierten kostenpflichtigen Angeboten zu leiten. So ist zB der systemseitig eingebaute Musikplayer nur ein FrontEnd für den Bezahldienst xboc music. Aber selbst an diesen Stellen hat Microsoft keinen Kundenfreundlichen Weg eingeschlagen. Die Bedienung von den FrontEnds ist einfach zu kompliziert - angefangen von der sinnlosen Rubrik "Ähnliche Apps" im Store über das chaotische und Konsum-unfreundliche FrontEnd bei "Musik holen > Top-Musik" und so weiter. Wie man den Kunden abholt, hat Amazon oder Apple vorgemacht.
Dazu kommt, dass Apple von Anfang an eine kaufkräftige Kundschaft abgeholt hat, in dem alles, aber wirklich alles hochwertig war. Die iPhones sind nicht nur teuer- sie sind auch technisch gut. Die Apple-eigene Software ist gut, das Ökosystem auch. Da funktioniert wirklich alles und Alles mit Allem. Bei WP dagegen werden rhetorische Klimmzüge gemacht um zu erklären, warum das Adressbuch des Telefons und die Kontaktliste zwei getrennte Listen sind - mit Verlaub, It´s a feature not a bug kann ich auch; aber technisch und anwendungsorientiert gibt es keine Gründe dafür. Elegant wäre eine Liste mit jeweils passend gesetzten Filtern. High End-Handys gibt es zur Zeit nur wenig auf dem WP-Sektor; das geniale 1020 ist (zu meinem allergrößten Bedauern) veraltet, dass 930 schöpft die Möglichkeiten von WP nicht aus.
Ergebnis des ganzen ist, dass WP nur im Billigsektor einigermaßen Marktdurchdringung erzielt (5xx-Serie, 7xx-Serie); was soll das für eine Strategie sein? Für wirklich kaufkräftiges Publikum ist WP schlicht uninteressant.
- "Cloud first" - ja, OK, kann man machen. Aber wieso genau wird das als "Cloud only" interpretiert? Es genügt doch nicht, die paar Millionen derzeitigen WP-Anwender zu befragen. Was man als Produktmanager wissen müsste ist: was wollen die möglichen Neu-Kunden? Der WP-Anteil soll doch wachsen? Und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass "Cloud only" einfach nicht auf Gegenliebe stößt. Selbst in dem extrem abgeschotteten Ökosystem von iOS wurde iTunes extrem weiterentwickelt, um auch lokale Arbeiten zu ermöglichen. Schon aus Performancegründen - Gigabyte an Karten, Musik und videos über den WLAN zu schieben oder gar über die Datenverbindung ist komplett ineffizient!
Inzwischen kann man zumindest teilweise die Daten lokal verschieben, aber das ist alles extrem unkomfortabel. Karten gehen meines Wissens noch immer nicht lokal, von sonstigen Volumenintensiven Apps ganz zu schweigen.
- Die Basis-Apps sind einfach nicht weit genug entwickelt. Ich habe bei mir mal durchgezählt: je nach Anwendung braucht man auf einem Handy zwischen 30 und 60 Apps für einen vollständigen Funktionsumfang. Da sind dann aber natürlich keine Spiele mit dabei oder App-Clients für Webseiten. Wirklich nur Basiskram wie Telefon, Kontake, Navi, Wecker und so weiter. Da das WP-Ökosystem bisher noch nicht so weit entwickelt ist, müssten die Basisapps eben von Microsoft kommen. Was einem da aber geboten wird, ist häufig nur halb fertig. Sowohl die Entwicklungsgeschwindigkeit von WP als auch die Verfügbarkeit der Basis-Apps ist nicht ausreichend. Während bei anderen Betriebssystemen schon mit den verrücktesten Funktionen experimentiert wird, wie Fingerabdruckscanner oder Abschaltung der Bildschirmsperre bei Augenkontakt ist WP noch nicht mal in der Lage, eine LED anzusteuern, USB-OtG einzusetzen oder eine Verknüpfung auf eine beliebige Datei oder einen beliebigen Ordner zu setzen.
Eher ein Ärgerniss als ein echtes Hindernis ist, dass Microsoft dann aber an einigen Stellen versucht, mit Gewalt seine eigenen Apps durchzudrücken - am heftigsten merkt man das an Bing, dass unter keinen Umständen im System ersetzt oder lahmgelegt werden kann.
Wer sich mal für die Sichtweise prominenter WP-BEFÜRWORTER interessiert, kann das hier tun:
http://www.reddit.com/r/window…utions#wiki_windows_store
Einiges ist sicher sehr speziell; aber viele Punkte konnte ich auf meiner persönlichen Schmerzliste wiederfinden. Aus meiner Sicht gilt: es ist NICHT allein das Problem, dass WP erheblich weniger Spiele anbietet. Da ich kaum auf dem Handy spiele, ist mir das egal. Ich bin auch kein App-Junkie. Aber was mich wirklich stört ist, dass WP als Betriebssystem noch weit davon entfernt ist, vollständig zu sein. Dadurch bin ich ständig gezwungen zu überlegen, ob ich dies oder das mit meinem WP-Handy überhaupt tun kann. Nicht, WIE ich es tun kann, sondern ob ich es ÜBERHAUPT tun kann. Und damit gilt für mich das Argument nicht, die WP-Kritiker würden lediglich nicht bereit sein, sich auf etwas andere Vorgehensweisen einzulassen. Das gilt für mich nicht; ich habe Unmengen an Zeit investiert. Und trotzdem bleibt leider sehr viel, was mit WP nicht geht.