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Original geschrieben von blackdragon4
Nein. Nichts rechtfertigt Gewaltanwendung. Ein Arbeitskampf innerhalb des rechtlich gewährleisteten Rahmens ist aber auch keine Gewaltanwendung.
Siehe Beitrag oben. Selbstverständlich ist ein Streik eine Gewaltanwendung, auch wenn sie rechtlich legitim ist.
Es ändert aber nichts daran, dass derjenige schlicht versagt hat, der sofort zur Gewalt greift, ohne zuvor alle Mittel für eine gewaltfreien Lösung gesucht zu haben.
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Warum das so sein soll, hast du noch nicht erklärt, du setzt es nur immer wieder in deiner Argumentation voraus. Wenn du der Ansicht bist, der GDL-Streik sprenge den gesetzlichen Rahmen, steht dir natürlich der Rechtsweg frei.
Es geht nicht um den gesetzlichen Rahmen. Jahrzehntelang haben die Gewerkschaften das Mittel des Streiks maßvoll angewendet.
Ist dir noch nicht aufgefallen, dass hauptsächlich wegen der Streiks der GDL nun extra ein neues Gesetz verabschiedet wurde?
Hier wurde eine Grenze überschritten.
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Soll man sich also seinen Beruf nicht nach eigenen Interessen und Fähigkeiten, sondern ausschließlich nach Karrieremöglichkeiten aussuchen? Das steigert die Qualität der jeweiligen Dienstleistung aber auch nicht, wenn Leute nur ihren Job machen, weil es marktwirtschaftlich gerade notwendig ist.
Es steht jedem frei, das zu tun, was er möchte. Allerdings muss er sich dann eben auch mit dem Einkommen zufrieden geben, das der Markt dafür zu zahlen bereit ist.
Wenn du eine Eisdiele eröffnest, dann darfst du auch Brokkoli-Caramel-Eis herstellen, wenn du es so besonders toll findest. Aber du kannst dann niemanden dazu zwingen, es auch zu kaufen. Wenn du gerne davon leben möchtest, solltest du besser Schokoladeneis anbieten.
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Und was macht man, wenn man sich fehlentscheidet und die Entscheidung nicht mehr reversibel ist? Wenn man bereits älter ist, sodass man auf dem Arbeitsmarkt kaum noch einen Job findet und eine Umschulung auch wenig Sinn macht? Soll man dann stillschweigend in Überstundenbergen versinken und schlechte Arbeitsbedingungen akzeptieren? Wieso soll man nicht streiken dürfen, wenn man seinen Job im Allgemeinen mag und es nur an den Rahmenbedingungen liegt?
Bitte, bitte verstehe mich jetzt nicht falsch. Aber das ist einfach Pech.
Das Leben ist nicht gerecht. Wir alle treffen Entscheidungen, die gut oder die schlecht sind. Nur können wir niemand anderes dafür verantwortlich machen, wenn es eben eine schlechte Entscheidung war.
Warum sollen die Bahnkunden es ausbaden, dass jemand sich falsch entschieden hat?
Weißt du, ich möchte auch gerne Millionär sein. Aber leider habe ich mich für den falschen Beruf entschieden. Ich verdiene keine Million. Und jetzt? Welche Gewerkschaft streikt nun dafür, dass ich meine Million kriege?
Ja, das ist absurd übertrieben, aber es ist exakt dasselbe. Ein Bahnangestellter verdient gutes Geld. Keine Massen, er wird auch genauso wie ich nicht reich, aber es ist ein marktgerechter Lohn für diese Art der Arbeit. Verdienen denn die Mitarbeiter bei den Privatbahnen mehr?
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Ich bezweifle, dass jeder studieren und zur hoch qualifizierten Fachkraft werden kann. Das schließt schon die Definition selbst aus. Wäre jeder hoch qualifiziert (nur mal hypothetisch), entsteht doch wieder nur ein neuer Durchschnitt und das Verhältnis von Angebot und Nachfrage passt nicht. Ich freue mich für dich, dass du offensichtlich auf Anhieb deinen richtigen Beruf gefunden hast und in der Position bist, aus einer Vielzahl an Arbeitgebern wählen zu können. Statistiken zeigen, dass dies jedoch längst nicht auf alle zutrifft.
Man muss nicht "hoch qualifiziert" sein, um einen guten Job mit einer angemessenen Bezahlung zu erhalten. Es reicht aus, sich ein bisschen anzustrengen und eben seine Stärken richtig einzusetzen.
Achja, und nebenbei: Nein, ich habe auf Anhieb nicht den richtigen Beruf gefunden.
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Siehe oben - jeder, der meint, der rechtliche Rahmen sei hier überschritten, kann natürlich den Rechtsweg beschreiten. Ein direktes Streikrecht geht aus dem GG nicht hervor, d'accord.
Der Rechtsweg ist das letzte Mittel. Laut Hausordnung darf ich bei mir daheim von 7 bis 20 Uhr Lärm machen, wie ich will. Das darf ich. Aber ich tu es nicht, weil ich in einer Gemeinschaft lebe und es für mich selbstverständlich ist, dass ich eben nicht meine Rechte stets zu 100% ausreize, sondern mit mit meinen Mitmenschen (hier Hausbewohner) so umgehe, wie ich es auch wünsche, dass mit mir umgegangen wird.
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Glaubst du denn, dass all die Menschen in den Führungsabteilungen da wären, wo sie heute sind, wenn es die arbeitende Masse nicht gegeben hätte?
Ich tu mich mit dieser Zweiklassengesellschaft, die du da aufbauen möchtest, sehr schwer. Unterstellst du leitenden Angestellten, dass sie nicht arbeiten? Die haben 60-Stunden-Wochen und mehr. Und du sprichst von der "arbeitenden Masse"? Bitte, nicht diese Plattitüden.
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Das ganze bedingt sich gegenseitig und dementsprechend sollte auch gegenseitiger Respekt geboten sein. Den haben die Lokführer m.E. nicht erhalten - seit Jahren weisen sie auf bestehende Probleme (z.B. Überstundenberge) hin und werden vom Vorstand nicht ernst genommen.
Das ist auch völlig legitim. Doch darum geht es in dem aktuellen Tarifkonflikt doch gar nicht. Das ist doch gerade das Perverse daran. Der GDL geht es doch ausschließlich darum, einen eigenständigen TV durchzudrücken.
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Nebenbei sind wir von einer Chancengleichheit auch sehr weit entfernt, insofern ist die strikte Durchsetzung eines Leistungsprinzip zumindest fragwürdig.
Es gab noch nie Chancengleichheit und wird es auch nie geben.
Ich kann z.B. keine schweren Zementsäcke schleppen, weil mir dazu die körperlichen Voraussetzungen fehlen. Da habe ich einfach keine Chance.
Die Natur ist eben nicht gerecht. Der eine kann dies gut, der andere das. Und das eine wird am Markt mehr nachgefragt (und wird daher besser bezahlt), das andere weniger.
Doch daran kann man nichts ändern. Die letzten, die eine umfassende Gleichmacherei angestrebt haben, sind daran kläglich gescheitert. Das Konzept nannte sich Sozialismus.
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Dann nimm einen beliebigen Artikel aus dem BGB, z.B. § 309 Nr. 9a, der regelt, dass übliche Waren- und Dienstleistungsverträge eine maximale Laufzeit von zwei Jahren haben dürfen. Sagst du jemandem, der nach zwei Jahren nicht aus einem Vertrag gelassen wird, er "müsse" ja nicht klagen, schließlich habe ihn niemand gezwungen mit Vertragspartner xy einen Vertrag einzugehen?
Sorry, auch das Beispiel passt nicht. Du sprichst hier von einem Rechtsverstoß von einer Seite. Meines Wissens hat sich die Bahn jedoch an die Verträge gehalten.
Wir leben auch nicht mehr in einer Zeit, in der es kaum Arbeitsgesetze gab, die Leute nach Strich und Faden ausgebeutet wurden und man hier eben um sein nennen wir es mal: "Menschenrecht" kämpfen musste.
Im aktuellen Tarifstreit geht es einzig darum, dass die GDL einen eigenständigen TV haben möchte. Deshalb hat sich Weselsky auf stur gestellt und zu den Streiks aufgerufen, weil er klar gesagt hat, dass dieser Punkt nicht verhandelbar ist.
Alle anderen Dinge, Geld, Arbeitszeit, usw. sind verhandelbar. Man trifft sich im besten Fall in der Mitte.