ZitatOriginal geschrieben von peterdoo
Im Bericht wird sehr oft erwähnt, dass max. 50% des Inlandsvolumens als Grenze festgelegt werden könnte. Entweder 50% des Monatsvolumens über das ganze Jahr ohne Zeitbegrenzung oder das volle Volumen, aber max. 6 Monate im Jahr. Hoffen wir mal, dass Vodafone aus dem momentanen Experiment positive Bilanz ziehen wird und nicht auf eine schlechtere FUP als jetzt umsteigen wird.
Nach 3 bis 12 Monaten werden die Anbieter die Zahlen melden müssen und einige werden dann vermutlich die Erlaubnis bekommen, wieder Zuschläge zu berechnen. Aus Kundensicht ist das natürlich problematisch, da man sich sehr oft monatelang binden muss und bei solcher unerwarteter Preiserhöhung normalerweise nicht einfach kündigen kann.
Ich möchte nicht in der Haut der EU stecken. Denn die Preise für mobiles Internet (und da kommen 3/4 der Umsätze her) haben sich in den letzten Jahren in der EU völlig auseinander entwickelt.
Deutschland ist für Daten zu einem Hochpreisland geworden: ein GB im LTE kostet inzwischen 14x so viel wie in Österreich und über 20x so viel wie in Polen. Es gibt sehr interessante Studien darüber: siehe dieser Link.
D.h. für deutsche Anbieter wird die FUP gar kein Problem darstellen oder sie werden sie - wie heute schon Vodafone im Prepaid - gar nicht brauchen. Aber man kann ja seine Einheiten nicht nur aus Deutschland ins EU-Ausland mitnehmen, sondern kann sie ja auch auf einer ausländischen SIM nach Deutschland hereinbringen. Und genau hier liegt das Problem.
Erstmal würde eine 50%-Regelung die wirklich noch in einigen Ländern (Baltikum, Skandinavien, neuerdings auch Polen und Österreich) existierenden echten LTE-Flatrates den Garaus machen. Dann müssten alle Inlandstarife auch ein Limit oder FUP haben.
Wenn heute in Polen der Marktführer (Orange) das GB für 1Zl (=0,23€) und in Österreich andere Anbieter für 1€ im Prepaid verkaufen, sind 50%-Regelungen immer noch sensationell niedrige Preise für Deutschland. Dann kaufe ich halt dort eine SIM für die doppelte Menge und die "Invasion" der ausländischen Daten-SIMs stünde bevor. Obwohl ich eigentlich sonst nichts von solchen Szenarien halte, ist sie aufgrund der Preise unabwendbar.
Man müsste schon eine sehr kluge Regelung aus Zeit- und Volumengrenzen finden, die dann auch ab und zu mal angepasst werden müsste. Ist die FUP zu gering, wird keiner das "kostenfreie Roaming" ernst nehmen und die EU blamiert sich wieder einmal, sind die Limits aber zu hoch, werden massig SIMs aus Billigländern kommen und die Preise hier unterlaufen.
Möglich auch, dass die Anbieter noch weiter tricksen: Three UK wird ihr "feel like home" im September praktisch auf die EU ausdehnen. Hier kann man die Hintertüren ganz gut sehen: kein LTE-Roaming, durch Routing über Heimatland (bei Roaming üblich) zusätzlich lange Latenz, Deprioritisierung des Datenverkehrs, kein Tethering erlaubt (wird durch DPI unterbunden), FUP: nur max. 2 Monate Roaming am Stück, bestimmte Seiten (VPN, Clouds, Streaming) sind nicht aufrufbar, etc. - manches grenzwertig angesichtes der Netzneutralität.
Ich fürchte, es wird eher unübersichtlicher werden und das führt dann zu Frust, wenn der Claim ganz einfach heißt: "keine Zusatzkosten beim EU-Roaming*" und die Kunden das dann erstmal kaufen. Der *-Text im Kleingedruckten wird wohl seitenlang. Irgendwie erinnert das an die €-Einführung. Es ist zwar ein tolle Idee, aber die Märkte sind völlig unterschiedlich und werden weiter national reguliert....