Beiträge von autares

    Klar, jemand ist Pleite, wenn er nicht mehr zahlen kann. Vor dem Bank Run war BS aber alles andere als illiquide und vor allem wesentlich mehr wert als 2$/s. Dass der Staat garantiert, liegt - so auch im WSJ Bericht dargestellt - daran, dass es ansonsten zu einer systemischen Krise gekommen wäre und JPM einfach nicht genug Zeit gehabt hätte für eine ordentliche Due Diligence. Glaubst du denn, dass Lehman Pleite ist? Nach dem Kurssturz von Montag müsste man dies auch annehmen. Stattdessen kommt es aber nicht zum Bank Run und Lehman kann den Kopf noch einmal aus der Schlinge ziehen. Der WSJ Bericht beschreibt die Entwicklung imho sehr gut: Es hat schlicht und einfach eine Kettenreaktion eingesetzt, an deren Ende niemand mehr BS Geld geben wollte - egal, ob alleine das HQ 1 Mrd. Wert ist oder nicht.


    Du meinst, eine Verstaatlichung würde Vertrauen schaffen? Dann schau dir einmal die Kommentare zur Rettung von BS durch die FED an. Absoluter Wahnsinn. Was soll dann erst passieren, wenn der Staat eine Bank übernimmt? Ich habe nichts gegen Interventionen - also Garantien, Bürgschaften etc. von Seiten des Staates - aber eine Verstaatlichung ist dann doch etwas ganz anderes. Vertrauen wird dann wieder entstehen, wenn der Markt sich im Gleichgewicht befindet. Gibt es eine systemische Krise, muss es sie wohl geben - die Banken und vor allem Aufsichtsbehörden müssen daraus lernen. Ackermann redet doch nur nach seinem eigenen Buch - was soll er auch sonst auch sagen?


    Die Panik bei den nächsten schlechten Nachrichten würde durch eine Zinssenkung von 100bps anders ausfallen? Da würden alle sagen, dass die FED die Zinsen ja um 100bps gesenkt hat, ist alles nicht so schlimm? Nein, stattdessen nähren diese schlechten Nachrichten die Hoffnung, dass es zu weiteren Senkungen kommt.


    Und reiner Tisch wird bestimmt nicht durch eine Verstaatlichung gemacht, sondern nur durch "Abstrafung" durch den Markt.
    Und sorry, aber auch wenn du hier alles schwarz malst, aber das was du aufzeichnest ist nichts anderes als eine stinknormale Rezession - abgesehen von einer Panik, die durch die FED unterstützt wird. Wenn alle einmal etwas ruhiger und überlegter gehandelt hätten, wäre die Krise bei weitem nicht so panikartig verlaufen, wie sie es gerade tut.


    EDIT:
    raix:
    Schwer zu sagen. Ich gehe ehrlich gesagt mittelfristig von einem sinkenden Euro aus. Mehr Richtung 1.20-1.30. Aber mal ernsthaft: Wieviel willst du denn kaufen? Überlege einmal, was 5cts oder 10cts mehr oder weniger wirklich für dich ausmachen!

    Dann zeige mir doch einen Link, in dem belegt ist, dass BS wirklich Pleite war?
    Das WSJ zeigt auf, wie es passiert ist und sagt u.a.:


    Zitat

    At Bear Stearns, Chief Financial Officer Samuel Molinaro, along with company lawyers and Treasurer Robert Upton, were trying to make sense of the situation. They felt comfortable with their capital base of roughly $17 billion and were looking forward to reporting Bear Stearns's first-quarter earnings, which had been respectable amid the market carnage.


    http://online.wsj.com/article/…mkts_main_todays_mkts_tac


    Dies finde ich insofern schon bemerkenswert, da es noch eine Pressekonferenz geben soll, obwohl das Unternehmen Pleite ist? IMHO haben wir es mit einem klassischen Bank Run zu tun und diese These wird auch immer mehr unterstützt. Hätte Lehman heute nicht die Zahlen präsentiert, wäre denen wahrscheinlich das selbe passiert. Es steht ausser Frage, dass BS - so wie alle anderen Banken - angeschlagen war. BS vllt. sogar mehr als alle anderen. Aber von Pleite zu sprechen, finde ich doch etwas weit hergeholt zumal die Umstände nun wirklich nicht unbedingt dafür sprechen, dass das Unternehmen Pleite war.


    Und von "Eingriffen" bis "Verstaatlichung" ist es noch ein verdammt weiter und tiefgreifender Schritt. Ob der Staat eine Garantie ausstellt oder sich eine Bank einverleibt, ist ein großer Unterschied. Eingegriffen hat der Staat schon häufig, dieses ist aber nicht mit einer Verstaatlichung gleichzusetzen. Was soll der Staat auch mit z.B. Bear Stearns anfangen?


    75bps ist imho ausreichend um zumindest psychologisch für Ruhe zu sorgen - das zeigt sich auch im DJI. Bei 100bps wäre es doch nur kurz wieder nach oben gegangen bis sich das Sentiment gedreht hätte Richtung "wenn sie jetzt schon 100bps senken müssen, dann muss aber wirklich alles schlimm aussehen". So ist es ja auch nach den letzten Sitzungen und Senkungen gewesen.


    Die Geschichte scheint sich momentan zu wiederholen. Big Bang am Ende inkl. systemischen Risikos. Mit etwas Glück ist die Geschichte im Spätsommer ausgestanden - vorausgesetzt das mögliche Störfeuer aus China bleibt aus.

    Du stimmst mit mir aber hoffentlich überein, dass zwischen einem "Eingreifen" und einer "Verstaatlichung" ein himmelweiter Unterschied liegt? Ackermann erwähnt nichts von einer Verstaatlichung. Gegen eine Intervention von Regierungsseite halte ich zwar ebenso wenig, da Politiker noch weniger Ahnung von Wirtschaft haben als ein Soziologiestudent, dennoch macht es einen großen Unterschied und bis zur Verstaatlichung gerade in den USA wird es imho nicht kommen.


    EDIT:
    Und zu dem psychologischen Effekt: Da verkennst du imho die amerikanische Kultur. Das mag für Europäer super klingen, Amerikaner sehen das völlig anders. Amerikaner vertrauen auf die Marktkräfte und würden es kaum zulassen, dass gerade eine Bank wieder in Staatshände fällt. Die Europäer rufen nur allzu gerne und allzu schnell nach dem Staat. Hierzu ein imho sehr passender Artikel:
    http://www.economist.com/world…ory.cfm?story_id=10766283


    Und zu den Quellen: Naja, ich könnte von dir jetzt auch eine Quelle verlangen, dass BS eben wirklich Pleite war. Dass der Kurs von JPM steigt zeigt doch nur, dass das Unternehmen noch einen Wert besitzt.


    Der Economist berichtet, dass BS am Freitag noch 3.5 Mrd $ wert war:
    http://www.economist.com/daily…y_id=10872696&top_story=1

    Die 80$ standen auf Bloomberg und n-tv (http://www.n-tv.de/935118.html?170320082140). Zudem ist es schon ein Zeichen, wenn das Unternehmen, dass ein angeblich bankrottes Unternehmen übernimmt, um 10% steigt.


    Verstaatlichung bringt nichts, das führt nur zu Marktstörungen. Was wir brauchen ist eine bessere und strengere Regulierung. Die Fed hätte sich zudem wesentlich mehr raushalten sollten. Too big to fail führt zu nix und weiterhin zu einer groben Überschätzung der Banken. Systemische Risiken können nur durch Regulierung verhindert werden.


    Die Reinigung hat heute mit der UBS ja schon angefangen.

    BS ist eben nicht pleite. Vermögen gegen Schulden aufgerechnet ergibt einen Wert von 80$ je Aktie. Das ist reine Panikmache. Ich würde mich da selber nicht ausschliessen, wenn mir von jemanden erzählt wird, dass mein Prime Broker Pleite ist. Das war imho eine reine Kettenreaktion - und genau das selbe passiert heute bei Lehman. Niemand will denen mehr Geld leihen und gerade als Broker, dessen Kerngeschäft BS war, führt ein Austrocknen der Liquidität zum sofortigen Zusammenbruch.


    Verstaatlichung kann ich mir in den USA beim besten Willen nicht vorstellen. Dies ist nicht Großbritannien und nicht Northern Rock.


    Klar ist die Entwicklung gesund. Und jede systemische Gefahr endet mit einem Big Bang. Auch wenn ich mir mehr etwas in Richtung UBS oder so gewünscht hätte.

    Sorry, aber was dort mit BS passiert ist, ist absoluter Blödsinn und absolut irrational. Das Unternehmen hat einen umgerechneten Wert von 80$ je Aktie. Alleine das Hauptquartier in Manhattan ist geschätzte 1 Mrd. USD wert - 4x soviel wie das ganze Unternehmen jetzt JPM gekostet hat!


    Ich glaube auch nicht, dass es ein wirkliches Problem bei BS gegeben hat. Die Gerüchte, dass BS in Chapter 11 geht, kamen übrigens schon am Donnerstagmittag auf. Genau das gleiche passiert gerade mit Lehman (heute -30%). Würde mich nicht wundern, dass die allgemeine Panik um sich greift und auch Lehman an den Rande des Abgrundes gedrängt wird - zum zweiten Mal. Und wenn sich heute der Chefanalyst von Merrill hinstellt und meint, dass Bankaktien vollkommen überbewertet sind und noch 50% fallen werden, dann frage ich mich, ob das allmählich nicht wirklich nur noch Panikmache ist.


    Was die Fed macht, ist sowieso unbegreifbar.


    Und bei Rohstoffen wäre ich vorsichtig, das sieht inzwischen bei vielen Produkten auch nach einer Blase aus. Ich würde am ehesten noch in Lebensmittelrohstoffe investieren.

    Zitat

    Original geschrieben von Siemensanier
    Die Generation mit den Geburtsjahrgängen zwischen 1900 und 1920. Wie alt waren die wohl zwischen 1933 bis 1945?


    "Es wird schon weitergehen" Und einen Propheten hatten sie auch. :mad:


    Mir wäre es neu, dass 33-45 von einem "alles wird teurer, ich kann mir nichts mehr leisten" geprägt war.


    Edit:
    IGGY:


    Dein letzter Satz spiegelt es imho nicht ganz wider. Die momentane Entwicklung ist lediglich eine "subversive Art der Entwicklungshilfe". Vor 20 Jahren gab es LiveAid, weil die Menschen hungern. Inzwischen sind Chinesen und Inder soweit, dass sie Kaufkraft besitzen und machen nun uns aufgrund ihrer Mehrzahl das Leben schwer. Aus ehemaligen "Wir müssen die Entwicklungshilfe erhöhen"-Schreiern sind heute wieder Egoisten geworden: Ich muss mehr bezahlen. Dass es den Chinesen und Indern heute besser geht, ist mir egal, denn nun bin ich derjenige, der einen niedrigeren Lebensstandard in Kauf nehmen muss.


    Globalisierung hat dazu geführt, dass heutzutage mehr Menschen ein besseres Leben führen. Das ach so soziale Deutschland verkennt das aber, war man doch jahelang Geber und muss allmählich einsehen, dass man evtl. wieder zum Nehmer wird...