Musicstreaming oder Hotelreservierungsdienstleister sind meist offene Systeme, man kann also fast alle Songs über fast alle Streaminganbieter hoeren und fast alle Hotels ueber alle Hotelreservierungsdienstleister buchen. Also ist es egal welchen Dienst man nutzt. Da kann man wahrscheinlich auch als No. 3 gut leben.
Nö. Nummer 3 kann nicht gut leben. Mit Glück vielleicht noch überleben. Nummer 3 braucht die gleiche EDV, die gleichen vertraglichen Aufwendungen und resultierend viel mehr Overhead pro User. Siehe Cringle.
Cringle: 115000 Accounts bei 16 Angestellten -> 7190 Accounts/Angestelltem
Paypal: 244.000.000 Accounts bei 18000 Angestellten -> 13555 Accounts/Angestelltem
Damit hatte Cringle bei Ausschluss von Lohndumping und Ausbeutung von Praktikanten schlichtweg die doppelten Kosten/Account. Über stärkere Power beim Einkauf von Hard- und Software, bessere Konditionen für Büros, Dienstautos, Kommunikation etc. musst ich nichts erzählen. Und PayPal kann bei 18000 Leuten einen Sack Lobbyisten unterbringen und auch sonst allerlei Unsinn machen, für den bei Cringle & Co. an jeder Ecke das Geld fehlt. So funktioniert Skalierung überall, wo es ums Digitale geht.
Deezer: 14.000.000 User, keine Mitarbeiterzahl gefunden, es werden aber vermutlich nicht nur 300 sein, um in den Proportionen von Spotify zu bleiben
Spotify: 83.000.000 User zahlen, 180.000.000 User nutzen (https://de.statista.com/infografik/1...tify-weltweit/), knapp 3000 Mitarbeiter
Das Gleiche hast du also bei Spotify vs. DEEZER. Amazon Music und Apple Musik haben dagegen den Vorteil, auf eine große Struktur aufbauen zu können.
Schau dir die relativ traurige Geschichte von Mytaxi an. Wären die zum Start mit der Firma nach Amerika gegangen, wären sie heute um Dimensionen größer. Hierzulande steigt aber kein großer Investor aus USA oder England ein. Die haben doch keinen Bock wegen Notarterminen 12 h anzureisen.
Ein Bekannter von mir betreibt AllInkl.com - Der könnte dir etwas von Skalierung erzählen, bis dir schwindelig wird.
Das aus meiner Sicht Krasseste ist, dass auch die dicken Fische z.B. bei Web Services kaum mehr an Amazon Cloud vorbei kommen. Wenn alle Größen, wie Apple, Facebook, Snapchat, Netflix dort Untermieter sind, wie sollte dann bitte irgendein halbwegs schlagkräftiger Wettbewerber in diesem Markt noch einen Fuß auf die Erde bekommen. Von typisch deutschen Mittelständlern mal gar nicht zu träumen. Und AWS wurde über zig Jahre unterschätzt und Frau Dr. Merkel konnte noch vor wenigen Jahren nicht verstehen, wieso Unternehmen wie Amazon keine Gewinne machen. Die sind im Angriffsmodus und das auf nicht wirklich absehbare Zeit. Wenn Bezos sagt, er sieht Amazon im Vergleich zu einem 3-Gänge-Menü gerade erst beim Gruß aus der Küche, dann sollte man hierzulande langsam, gaaaanz langsam mal wach werden. Schließlich geht es darum, wie und wovon unsere Kinder in 10-20 Jahren leben wollen/müssen. Aber diese Denke ist ja populistisch. Sagen Leute, die oftmals selbst keine Kinder haben und selbst gern populistische, wenn auch grünpopulistische und rotpopulistische Parteien wählen, während ich blau-gelb bleiben werde.
The winner takes it all! Und solange das die breite Masse nicht schnallt und auch die Kartellbehörden weltweit das nicht realisieren, läuft es weiter in Richtung Standard Oil 2.0, nur dass es diesmal um Daten geht.