https://www.zeit.de/mobilitaet/2018-...laetze-verlust
Als Ostdeutscher empfinde ich Sätze wie diesen: "Die Politik müsse den Strukturwandel durch eine zielgerichtete Industrie- und Beschäftigungspolitik flankieren." eher als Drohung. Exakt diese Art von Zielrichtung wurde im Osten nach 1990 umgesetzt. Dadurch brach dann die Industrieproduktion um > 60 % ein, während andere Ostblockländer Einbrüche von maximal 30 % zu ertragen hatten.
In der Geschichte hat es sehr selten Entwicklungen gegeben, die sich an Linearitäten halten. Eher läuft das als Exponentialfunktion, die nach anfänglicher Unbemerktheit plötzlich durch die Decke geht. So ist es übrigens auch beim Mobilfunk und dem Internet gelaufen. Als etwa 12-15 % der Leute Mobilfunk oder Internet nutzten, rief die breite Masse plötzlich "Will auch haben!" und es ging binnen kürzester Zeit durch die Decke. Beim Smartphone hat der Dammbruch letztlich nur noch Monate gedauert. Bei WhatsApp vs. SMS auch. Bei Facebook vs. MySpace auch.
So ist es bei der Einführung des Autos auch gelaufen. Und Henry Ford hat dazu mal was passendes gesagt: „Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde.“
Und schwupp, hatte es seinerzeit die Kutschen binnen ca. 10 Jahren von der Straße geworfen. Warum sollte das beim Elektroauto langsamer gehen? Wegen irgendwelcher Bedenken? Weil Anja "NOKIA" ruft? Ich denke, der Sprung von der Kutsche zum Auto war deutlich, deutlich größer. Es war eine komplett neue Art sich fortzubewegen inkl. komplettem Umbau des Managements der Mobilität. Einer unserer Kunden in Dresden hatte beispielsweise um 1900 30 Stallburschen auf der Gehaltsliste. Später dann haben 20 LKW die Pferde und die Stallburschen auf einen Schlag erledigt. Der Kunde hat heute bereits 5 Elektroautos, beginnt also wieder zu revolutionieren und geht mit der Zeit.
Und hole Sprüche wie "...die Ergebnisse böten keinen Grund zur Angstmacherei. Die Herausforderungen seien groß, aber zu bewältigen." hört man hierzulande seit 2015 irgendwie ständig. Am Ende sind dann die Sprücheklopfer manchmal tief betroffen (siehe z.B. Opel oder Karstadt oder Quelle; auf das Politische gehe ich besser nicht ein), aber irgendwie auch nicht, da sie ja eigentlich nicht betroffen sind/sein werden. Wer die Zeichen der Zeit erkennt, war politisch 2015 gewarnt und ist auch heute ob der Digitalisierung gewarnt. Man sollte einfach nur vorbereitet sein und nicht so tun, als könnten Vergangenheit und Gegenwart irgendwie und dauerhaft und konstant in die Zukunft verlängert werden. Weil irgendetwas Angeblich nicht geht... 2015 hat auf politischer Ebene gezeigt, was alles geht. Die Digitalisierung zeigt es zunehmend auf wirtschaftlicher Ebene. Und die Digitalisierung hat es bereits auf kultureller Ebene gezeigt. Das Leben ist Wandel und es ist sicher nur eine Randnotiz, wie sich Leute heute im Gegensatz zu früher verabreden/treffen. Aber letztlich ist auch das Digitalisierung. Ich persönlich stelle fest, dass in unserem Umfeld derzeit viele Firmen daran werkeln, Prozesse zu digitalisieren. Mein Steuerberater hat beispielsweise ein KI-System zur Belegerfassung und -verbuchung angeschafft. Start war der 01.01.2018. Resultat zum 30.06.2018 ist nun, dass er 3 von 8 Steuerfachgehilfen über hat. Das war bis vor wenigen Jahren ein als sicher empfundener und entsprechend begehrter Lehrberuf, der um Osten zu weit mehr als 2/3 von Abiturienten besetzt wurde. Heute ist dieser Beruf offenbar zerlegbar in Software + "qualifiziertere Restarbeiten". Spannender finde ich, dass mein Berater einschätzt, dass seine Kanzlei keine 5 Jahre mehr so sein wird, wie sie ist, da man bei breiter Einführung von KI locker noch 3 "Erfassen" = Routinearbeiter = Fachgehilfen übrig hätte. Und dann? Was macht dann die Mittelschicht???
https://www.welt.de/wirtschaft/artic...fuerchten.html
Ich staunte letzte Woche, als mich mein 60-jähriger Nachbar auf N26 ansprach. Das hat der von seinem Sohn installiert bekommen. Nun will er von der Sparkasse fliehen. Wunderbar! Nur nicht für die Sparkasse! Und für die von der Sparkasse finanziell gepäppelten Vereine etc.
Beim Auto, einem isolierten Produkt ist Deutschland gut. Beim Auto, einem vernetzten Produkt, das am "Endpunkt der Entwicklung" autonom fährt, auch? Das muss sich erst noch zeigen.