Zitat
Original geschrieben von T39
Vorsicht. Du tust so, als ob nur Trottel in den Redaktionräumen sitzen. Das ist mehr als übertrieben. Die ersten Punkte stimmen. Letzteres gilt nur für Boulevard. Kaum eine Zeitung vom Schlag SZ, FAZ, selbst die konservative WELT könnte sich gerade Jetzt eine "bedingungslose" Jubel-Pro-USA-Linie leisten. Das würde die Leser eben nicht tollerieren.
Nein. Ich unterstelle *keinem* Journalisten der deutschen Zeitungen ein Trottel zu sein, und weiß ehrlich gesagt auch nicht wo Du das in meinem Posting so gelesen haben willst, auch nicht zwischen den Zeilen.
Das es so etwas wie 100%ig objektiven Journalismus nicht geben kann, auch nicht bei Reuters, dpa und Co., damit habe ich mich ja nun mal abzufinden. Ein guter Journalist kann, wenn er es denn möchte, immer eine bestimmte Botschaft in seinem Artikel mit schwingen lassen, und je besser er sein Handwerk versteht, desto besser kann er diese Botschaft verstecken. Ein "Trottel" sollte man dafür allerdings nicht sein.
Letzerer Punkt trifft eben leider Gottes nicht nur auf Boulevard zu, sondern eben auch auf renommierte Blätter wie Spiegl oder Focus. Den Stern zähle ich spätestens seit seiner letzten Ausgabe ("Bilder vom Überlebenskampf am 11. September") definitiv zur Yellow Press.
Die FAZ bempht sich hingegen tatsächlich um eine differenzierte Berichterstattung, genauso wie die SZ. Man kann allerdings hier leider nicht pauschalisieren; bei beiden Blättern gibt es durchaus auch Querschläger, ich kann hier allerdings bloß für den medienwitschaftlichen Teil sprechen, da viele mir zum Beispiel bei der SZ ein gewisser Herr Ott ein, der nicht gerade durch hohe Objektivität auffällt.
Die "Welt" ist eine andere Geschichte. Seit der Berichterstattung über die Kirch-Krise und den evetuellen Verkauf der Kirch'schen Springer-Anteile an die WAZ-Gruppe, bin ich nicht mehr unbedingt jemand der dem Blatt uneingeschränkt glauben würde.
Ein Journalist muß auch nicht eine "Jubel-Pro-USA-Linie" einschlagen, um sein Ziel zu erreichen, ganz im Gegenteil. Volkes Stimme regiert auch im Printwesen und ein Leser der sich in seiner Meinung bestärkt fühlt ist ein zufriedener Leser und wohl auch einer der evtl. dieses Blatt nochmal kauft.
Trotzdem kann man doch ein bißchen über die neuesten Entwicklungen aus Saddam's Giftküche berichten.
Natürlich unterstelle ich nicht jedem Journalisten so zu handeln, ich will vielmehr einen Denkanstoß geben eben nicht alles bedingungslos zu glauben was in vielen Zeitungen geschrieben wird.
Allerdings, ich arbeite in der Unternehmenskommunikation und habe tagtäglich mit Journalisten zu tun, wenn manche dieser Burschen mal von etwas überzeugt sind, dann kann man denen noch sooft erklären dass sie nun aber völlig auf dem Holzweg sind. Selbst wenn der Papst persönlich schwören würde dass das falsch ist, was sie glauben, dann würden sie es trotzdem schreiben. Auch wohl weil es eine gute Story ist.
gruß
gastrax