Original geschrieben von Christian
Einspruch. 
Im Vergleich Helden / Juli bin ich exakt entgegengesetzter Meinung.
Ja, die Helden waren vorher dran und haben einen Trend ausgelöst, der - wie in der Unterhaltungsindustrie üblich - nun exzessiv ausgelutscht wird.
Aber:
Musikalisch (ich meine handwerklich) gesehen sind Juli den Helden meilenweit voraus.
Ich weiß nicht, ob es Absicht ist (das "Nicht-spielen-, bzw. nicht-singen-können war ja das prägende Stilmittel der NDW - und es gibt weniger Musikrichtungen, die mich schneller auf den nächsten Baum treiben), aber die Sängerin kann man nur begrenzt als eine solche bezeichnen (dabei sind die Studio-Aufnahmen im Vergleich mit Live-Auftritten noch richtig gut - die Sängerin ist live eine mittlere Katastrophe, kann die Töne nicht halten, und Dynamik ist überhaupt nicht vorhanden), und der Rest der Band bekleckert sich auch nicht gerade mit Ruhm. Vom musikalischen Können her sind die Helden in etwa eine gute Schulband. Zwar einigermaßen aufeinander eingespielt, wirkliche Könner aber kaum (oder wenn sie es sind, zeigen sie es zumindest nicht).
Ich habe am Sonntag auf einem Festival gespielt, bei der teilweise Bands aufgetreten sind, die 5-10 Jahre jünger, gleichzeitig aber zehnmal besser waren.
Die Helden sind einfach die konsequente Fortsetzung der NDW (in der man - ähnlich wie heute - nur minimal vorhandene musikalische Talente haben mußte, um halbwegs berühmt zu werden) mit aktuellen Mitteln und halbwegs dem Zeitgeist angepaßt.
Juli dagegen (die ich allerdings noch nicht live gehört habe) klingen erwachsen; die Leute beherrschen ihre Instrumente einfach. Der Bassist und der Drummer sind ein ganz hervorragend aufeinander abgestimmtes Duo, die Gitarristen ergänzen sich auch wunderbar, sind dabei aber nie aufdringlich (was generell ein Problem von Gitarristen ist), und der Gesang zeigt, obwohl die Sängerin auch (leider) ein wenig NDW-artig nuschelt, auch verhältnismäßig viel Dynamik (wobei das in der ganzen Musikrichtung eher sekundär zu sein scheint).
Dies nur am Rande. 