Beiträge von <registered>

    Ich dachte, der Vorwurf in den Medien und der Grund für den Rauswurf bei Kerner war gerade, dass Frau Hermann eben nicht eindeutig erklärt hat, was sie meinte und sich stattdessen gewunden hat, wie ein Aal?


    So z.B. ein Kommentator im Stern:
    http://www.stern.de/unterhaltu…in-Gott,-Eva!/599793.html


    oder hier, in der SZ:
    http://www.sueddeutsche.de/kultur/meinung/373/137098/


    "Als niemand, auch nicht der Historiker Wolfgang Wippermann, verstehen wollte, dass die Nazis hier und da einen guten Job gemacht haben, verblüffte sie mit der Stammtisch-Wahrheit: "Damals wurden auch Autobahnen gebaut, und wir fahren darauf!"


    Hermann stellte den Zusammenhang also selbst nochmal her.

    Klar, da ist schon was dran, NoTeen.


    Wenn man wirklich nur die Sendung mit Kerner betrachten würde, könnte einem Frau Hermann schon leid tun.


    Aber der Fall Hermann hat eine ellenlange Vorgeschichte. Wenn man das mal genau nachrecherchiert, vergeht einem das Mitleid.



    Nochmal zum Zitat:


    "Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er-Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68ern wurde damals praktisch alles, das alles [abgeschafft], was wir an Werten hatten. Es war eine grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle. Aber es ist damals eben auch das, was **gut war**, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde abgeschafft. Es durfte nicht mehr stehen bleiben."


    Für mich wird hier deutlich, dass Frau Hermann kein Nazi ist, dass sie schlecht formuliert und dass sie dem Familienbild unter Hitler etwas Positives abgewinnen kann, weil sie nicht weiß oder nicht wahrhaben will, was dahinter stand.


    Ich will damit nicht sagen, dass Eva Hermann krampfhaft versucht hat, etwas Gutes an der Nazizeit zu finden.
    Die unglückliche Formulierung zeigt vielmehr, dass sie wenig Ahnung von Geschichte hat. Hätte sie nämlich Ahnung, wovon eigentlich niemand ausgeht, könnte man ihr mit Recht Nähe zu rechtem Gedankengut unterstellen.

    Printus
    Ich würde die Sache mit den Mitgliedschaften lieber von der Vergleiche-Debatte trennen. Das gehört zwar Beides in die Ecke "Umgang mit NS-Dingen", passt aber vom Hintergrund her nicht so gut zusammen, weil die angesprochenen Äußerungen in unserer Gegenwart stattfinden.


    Du schreibst:
    "Ja, Nazi-Themen sind ein Tabu-Thema und es ist im öffentlichen Raum schlicht und ergreifend unmöglich das Thema anzuschneiden, einen Vergleich zu ziehen etc. ohne sofort in einen Skandal verwickelt zu werden."


    Die Beobachtung ist sicher richtig, dass im Nebensatz eingestreute Nazi-Themen regelmäßig Skandale auslösen. Aber ich sehe die mediale Lust, zu skandalisieren, nicht als den einzigen Grund dafür.


    Ein Tabu ist ja bekanntlich eine Sache, die man nicht unsanktioniert öffentlich ansprechen kann. Nach dieser Definition ist das Dritte Reich aber gerade kein Tabu!


    In keinem anderen Land wurde und wird öffentlich so ausdauernd über das Dritte Reich und über die eigene Schuld gesprochen. Ganze Forschungsinstitute beschäftigen sich nur mit Fragen aus der NS-Zeit, Die Zeitungen schreiben regelmäßig darüber und auch im Fernsehen bekommt man oft mehr Nazi-Kost serviert, als erträglich ist. (An dieser Stelle Gruß an Guido Knopp).


    Eine um Differenzierung bemühte Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich ist nach meiner festen Überzeugung in Deutschland also nicht tabuisiert.
    Ich nehme an, da sind wir uns einig.



    Was anscheinend problematisch ist, sind Vergleiche und Argumente, die vordergründig positive Dinge aus der NS-Zeit herausgreifen, ohne den Zusammenhang zu nennen. Du hast ja selbst das Beispiel mit dem Autounfall gebracht. Das ist ein Spiel mit dem Feuer und in einigen Fällen sicher absichtliches Zündeln.


    Man mag argumentieren, dass die ausführliche, öffentliche Auseinandersetzung mit der Thematik ein Grundwissen in der Bevölkerung geschaffen hat, mit dessen Hilfe derartige Äußerungen automatisch richtig bewertet und eingeordnet werden können.


    Aber erstens ist es mit der historischen Bildung nicht so weit her, wie es wünschenswert wäre - man denke nur mal an die Autobahnlegenden.
    Und zweitens sind die angebrachten Vergleiche oft historisch falsch oder so weit hergeholt, dass man sich wirklich fragen muss, was der Redner damit bezweckt.


    Ich finde, man kann eine gewisse Sensibilität im Umgang mit Themen aus der Nazizeit erwarten. Das ist noch keine Tabuisierung.
    Gerade bei formal sehr gebildeten Menschen, die noch dazu als Fernsehmoderatoren eine Vorbildfunktion haben (ob sie wollen, oder nicht).


    Die Nazizeit ist einfach kein Steinbruch, aus dem man sich einfach so bedient, wenn man einen Sachverhalt aus der Gegenwart verdeutlichen will.


    Sie eignet sich wegen der ideologischen Durchwirkung aller Lebensbereiche einfach nicht als Fundus für Beispiele positiver Gesellschaftspolitik.



    Akzeptiert man nun die Haltung, das Sprechen über die Nazizeit sei in Deutschland generell tabuisiert, geht man nur den Maulkorbstrategien der wirklich Rechten auf den Leim. Die gefallen sich dann in der Opferrolle.

    Zitat

    Original geschrieben von codekill
    Wenn man ihr nun unterstellt das sie rechts/braun ist ist das schlicht weg falsch. Dementsprechend ist zumindest meiner Meinung nach gerechtfertigt mit der Opferrolle da sie es so im Kontext nicht gesagt hat.


    Also in den meisten Zeitungen wird sie ja nicht als braun bezeichnet, sondern als unprofessionell. Indem sie ohne Not auf's Dritte Reich zurückgegriffen hat, hat sie sich erst einmal zum Täter gemacht, das war einfach eine krasse Verharmlosung, da Frau Hermann den Zusammenhang, die dahinter stehende Ideologie, nicht genannt hat.


    (Von den Nazis über die 68er in's heutige Deutschland - alles in einem Satz. Wie blöd kann man sein?)



    Zitat


    Nach der Richtigstellung sollte es dann aber auch gut sein, je länger man sowas am Leben erhält, desto mehr spielt es den rechten Parteien zu. Und das kann nicht Sinn und Zweck der Sache sein!


    Und da hast du völlig Recht.
    Das Problem ist halt, dass die Rechten Aufwind bekommen, wenn man Frau Hermann eine Opferrolle zuerkennt. Die sehen das als Bestätigung dafür, dass unter Adolf "nicht alles schlecht war".


    Und sich auf seiner Homepage zu distanzieren um beim (ebenso unerträglichen) Herrn Kerner dann 30 Minuten um den heißen Brei rumzureden...
    Da wäre Frau Hermann mal lieber zu Hause geblieben.

    Ich kann nicht nachvollziehen, wie du auf deine Meinung kommst, wenn du den Thread gelesen hast. z.B. Printus' erleuchtenden Vergleich zum Autobahnbau.


    Zitat

    Original geschrieben von codekill
    Diskussionen über die Familie werden mit der Nazikeule zurück gedrängt...


    Das stimmt so verallgemeinert nicht und weist Frau Hermann eine Opferrolle zu, die sie nicht verdient.
    Wo werden Diskussionen zurückgedrängt? Hermann ist doch auf die Welle der deutschen Kinderdebatte erst aufgesprungen mit ihren naiven Büchern.


    Wenn man, wie Hermann in einer Debatte um unsere Kinder unbedingt sagen muss, dass im Dritten Reich nicht alles schlecht war, braucht man sich über die "Nazikeule" nicht zu wundern. Das ist völlig überflüssig! (vgl Printus' Beitrag).


    Zitat


    Aber anstatt mal eine inhaltliche Diskussion um das eigentliche Thema zu führen wie es heutzutage um die Familie steht, wird in gewohnter "Demokratenmanier" nur die Nazikeule geschwungen und ihnen bewusst etwas falsches angedichtet, um die Leute ins abseits zu drängen.... Ist ja auch einfach so unerwünschte Personen los zu werden, wen man sich nicht weiter mit ihnen auseinandersetzen will. .


    Wenn man sich die Vorgeschichte und die formale Qualifikation der Frau Hermann ansieht, versteht man, wieso die Dame jetzt eins auf den Deckel bekommt.
    Das Nazivergleiche zu Beißreflexen führen, wusste Frau Hermann. Oder sie hätte es als Medienprofi wissen müssen.



    Zitat


    Ansonsten hätte ich an ihrer Stelle den Kerner eher gefragt: "Hitler hat auch mit Messer und Gabel gegessen - Essen sie deshalb nur noch mit den Fingern?" :D ;)


    Ist das Informatikerhumor? Mann, ist das unlustig und unzutreffend.


    Zitat


    Mal schauen wielange es dauert bis der Beitrag hier zerrissen wird. ;) Just my 2 Cents....


    Das schützt dich nicht vor Kritik, mein Lieber.
    Du unterstellst hier Hermanns Kritikern Maulkorbstrategien und willst dich dann selbst entziehen, indem du gleich mal alle, die eine andere Meinung haben, mit den "Nazikeulenschwingern" gleichstellst.


    Nochmal:
    Beim Fall Hermann geht es weniger um Meinungsfreiheit als um journalistische Professionalität. Und da sieht es für Eva Herrmann sehr finster und für Herrn Kerner zumindest nicht gut aus.

    ruag


    Das Unverständnis in den Zeitungen rührt meistens nicht daher, dass man Frau Hermann jetzt als Neo-Nazi sieht, sondern dass sie trotz ihres beruflichen Hintergrundes so unglaublich unbedarft daher brabbelt.


    Gemessen an dem zu unterstellenden Grad an Professionalität von Frau Hermann kann sie sich über die meisten Schläge nicht beschweren, die sie jetzt einstecken muss. Mein Mitleid hält sich arg in Grenzen.