Beiträge von <registered>

    Zitat

    Original geschrieben von AdministratorDr
    Was sagt uns das jetzt? Das auch schon damals darüber diskutiert wurde und kein eindeutiger Nenner gefunden wurde. Somit ist es doch wiederum jedem selbst überlassen, dass als Beispiel anzuführen.


    Naja, einem Historiker sagt es recht viel. ;)
    Es hilft halt, die aktuelle Debatte einzuordnen und sich ein bißchen zu ärgern, dass alle 20 Jahre neu diskutiert werden muss, weil sich keiner mehr erinnert. ;)
    Im Übrigen würde man die Geschichtswissenschaft mir einer Forderung nach 100%iger Einigkeit überfordern. Die Naturwissenschaftler finden auch oft keinen gemeinsamen Nenner.
    Leider wird im Wikipedia-Artikel nicht deutlich, dass zumindest ein Teilsieg über die Revisionisten errungen wurde. Die Verharmlosung durch Vergleiche wurde also offen gelegt und die Argumente der Apologeten erwiesen sich in weiten Teilen als nicht haltbar.


    Hier ist eine tiefgründigere Analyse:
    http://wwwstud.uni-leipzig.de/~soz96jtv/historikerstreit.htm



    Zitat


    Meiner Meinung nach relativiere ich das Dritte Reich nicht, wenn ich Beispiele aus dieser Zeit anführe.


    Es ging ja auch um relativierende Vergleiche mit anderen Verbrechen der Menschheitsgeschichte.


    Ich finde aber schon, dass man die Herrmann-Debatte sehr viel besser versteht, wenn man sich über den Historikerstreit informiert.


    Wie Eva Hermann das Nazi-Familienbild, ohne seinen ideologischen Kern denken zu wollen, herausgreift und es sogar als Vorbild präsentiert, ist ein Musterbeispiel für Verharmlosung.
    Hermann bläst damit ins selbe Horn wie die Revisionisten im Historikerstreit. Die Frage ist nur, ob sie intellektuell überhaupt fassen kann, was sie tut.
    Ihr letzter Auftritt spricht dagegen.

    Nochmal zurück zum ursprünglichen Thema.



    Die Argumente zur Frage, ob man mit Vergleichen zur Nazizeit sparsam umgehen sollte, wurden im so genannten Historikerstreit 1986/87 ausgetauscht.


    Vielleicht erinnert sich ja noch jemand dran:


    Im Kern ging es darum, ob die Naziverbrechen einzigartig waren und ob diese *Singularität* durch historische Einordnung ("Vergleiche") relativiert würde.


    Gut zusammengefasst und interessant zu lesen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Historikerstreit

    Re: Vergangenheit in Deutschland noch immer ein Tabuthema?


    Zitat

    Original geschrieben von sope
    warum sollte es nicht möglich sein in deutschland unaufgeregt über mögliche positive ansätze vergangener zeiten zu diskutieren?


    Weil die Nationalsozialisten kein positives Familienbild hatten.


    Die Familie hatte damals keinen Wert an sich, sie wurde nur für die Ideologie instrumentalisiert. Allein daraus resultierte ihr Stellenwert.



    Ansonsten sehe ich das wie rajenske; man könnte vielleicht noch eine dritte Option nennen:


    3. Blöd und merkt's nicht.



    "Freie Rede" heißt übrigens, dass man Vieles ungestraft sagen darf, aber nicht, dass das alle toll finden müssen, was man daherschwurbelt.

    Zitat

    Original geschrieben von Jochen
    Die meisten schreiben hier von Dingen, die ich eher unter dem Begriff Anstand suchen würde als unter dem Begriff Niveau. Niveau ist für mich etwas, was weit über Anstand hinaus geht. Anstand ist die Grundlage, bzw. sollte sie vielmehr sein.


    Es gäbe 1000e Dinge. Grüssen gehört schon mal zum Anstand dazu. Überhaupt miteinander kommunizieren und nicht aneinander vorbei leben.
    Alles, was die Rechte und Gefühle des anderen respektiert, ohne die eigenen vollkommen aufzugeben, verbuche ich unter Anstand.


    Niveau ist für mich eher etwas, was mit Kultur, Bildung, Geniessen usw. zu tun hat.



    Interessanter Einwurf.


    Ich hatte im Ausgangsbeitrag nicht ohne Hintergedanken geschrieben, dass es mir um Niveau im Sinne von "Klasse" geht. Ein besseres Wort dafür wäre vielleicht auch noch Format wie beim Ausdruck "eine Person mit Format".


    Niveau als allein stehenden Begriff würde ich auch so definieren, dass die von dir genannten Dinge dazu gehören (Bildung...)


    Format ("Klasse"?) und Anstand kann aber jeder haben, auch wenn er oder sie über keine hohe formale Qualifikation und über kein Einkommen verfügt, dass die Teilhabe an bestimmten Kulturformen erlaubt.



    Grundsätzlich gehört glaube ich eine gewisse Eigenständigkeit und Unabhängigkeit im Denken und Handeln zum gesuchten Begriff.


    Also, wenn man so will, das glatte Gegenteil von Opportunismus.


    Mein Versuch einer Definition und Abgrenzung:




    Ohne Anstand kann man weder Niveau, noch Format haben.
    Um eine Person mit Format zu sein, muss man aber nicht unbedingt extrem niveauvoll sein, zumindest wenn man die oben genannte Definition zu Grunde legt.
    Es schadet aber sicher nicht, so dass der rote Klecks wahrscheinlich weiter nach rechts müsste, weil die Schnittmenge mit dem Niveau doch größer ist.



    Ich danke allen Ideengebern und Mephisto für das Lob! ;)
    Würde mich über weitere Ansichten und Beispiele zum Thema "Anstand, Klasse, Format, Niveau" freuen.

    :)


    Mir geht es deswegen um die Beispiele, weil es meiner Erfahrungen nach kleine Dinge gibt, die recht zuverlässig darauf hindeuten, wie ein Mensch "gestrickt" ist.


    positiv
    Im Unternehmen und in der Öffentlichkeit weit schlechter gestellte Personen ernst nehmen und zuvorkommend behandeln, auch wenn man nicht von ihnen abhängig ist.


    negativ
    Die Leistungen der anderen kritisieren ("lästern"), um selbst besser dazustehen.

    Hallo,


    ungewöhnlicher Thread, ich weiß.


    Mich interessiert, was Eurer Ansicht nach heutzutage Verhaltensweisen sind, an denen man festmachen kann, ob eine Person "Klasse" hat, niveauvoll ist, über gute Umgangsformen verfügt.


    Am meisten würde mir helfen, wenn jeder, der mag, ein Positiv- und ein Negativbeispiel geben könnte.


    Bitte feindet Euch nicht wegen der Antworten an. Gerade bei den "schlechten" Verhaltensweisen wird es sicher Nennungen geben, bei denen sich jemand angesprochen fühlen könnte. Seid dann bitte so souverän und reagiert nicht darauf.
    Schließlich ist es alleine schon was wert, zu wissen, wie das eigene Tun von anderen eingeschätzt wird.
    (Und das ist neben der Befriedigung meiner Neugierde auch der Sinn des Threads).



    Ich mach' also mal den Anfang.
    Meine Beispiele aus dem Alltag:


    positiv
    Tür aufhalten.


    negativ
    In der Öffentlichkeit auf den Boden spucken.