Beiträge von <registered>

    visioneer


    Ich glaube DUSA meinte statistische Tendenzen. Da fällt ein Gegenbeispiel nicht ins Gewicht.



    Zur Ausgangsfrage fällt mir noch ein, dass viele Bürger ihre eigenen Interessen nicht zu kennen scheinen. Es ist wahrscheinlich etwas schwierig, darzustellen, was genau ich damit meine. Trotzdem ein Versuch:
    Menschen mit einem Einkommen jenseits der 250000 Euro haben tendenziell mehr Einfluss auf die Politik, als jene mit geringerem Einkommen. In den letzten Jahren wurden viele Gesetze erlassen, die genau dieser Bevölkerungsgruppe finanziellen Nutzen bringen. Diese Leute wissen, was sie wollen und wie man das gewünschte Ergebnis von der Politik bekommt.


    Auf der anderen Seite schreiben hier Leute, die höchstwahrscheinlich keine 100000 Euro im Jahr verdienen, dass sie es unmöglich finden, wenn dieses 1 Promille Superverdienende (wieder) höher besteuert wird.


    Auch wenn ihr es nicht wahrhaben wollt, die Chance, einmal zu dieser Einkommensgruppe zu gehören, ist äußerst gering! Und die Lestungsdebatte will ich an dieser Stelle bewußt außen vor lassen.


    Also, wer voraussichtlich nie 250000+ verdienen wird, sollte mal lieber froh sein, wenn das Geld bei diesen Bürgern geholt werden soll und nicht bei einem selbst.
    (Auch wenn das Gesetz halbherzig formuliert ist).


    Oder anders formuliert:
    Die Güterallokation ist die Aufgabe der Marktwirtschaft. Die Verteilung des erwirtschafteten Kuchens ist hingegen eine eher politische Frage.


    Wenn die Bürger alle nur darauf hoffen, in der Lotterie des Leben einen Sechser zu bekommen und sich zufrieden zeigen, also ihre Interessen nicht verteidigen, werden sie von o.g. Großverdienern überfahren.

    Zitat

    Original geschrieben von pallmall
    Ich denke, man sollte sich in der Diskussion um eine "Generationengerechtigkeit" nicht so am "Auswandern" aufhängen.


    Guter Punkt.
    Vor allem weil es ziemlich sicher eine große Debatte dazu in Deutschland geben wird (an der die Ausgewanderten nicht teilhaben werden).


    Zitat


    Das ist eine pubertäre Trotzfloskel, gerade dann, wenn sie von Studenten getroffen wird, die noch im Studium drinn sind.
    Viele Studiusos halten sich für Elite, weil ihnen das jeder zuraunt (Medien, Stammtisch, Politik)- aber so ist es nunmal nicht. Die Welt wartet nicht auf deutsche Studenten, schon garnicht, wenn sie nur die abgenudelten Christiansenplatten in Interviews vor sich herleiern, wie es der Knilch im FAZ-Interview vermochte. Gute Studenten hat selbst Kuba (da putzen in der Regel gut ausgebildete Doktoranden oder gar Professoren die Hotelzimmer, den ausser Tourismus is halt nix), wozu also den Michel aus Wuppertal anheuern?
    Nicht zuletzt, auswandern kostet Kohle. Auch Arbeitslose mit H4 sind nicht allesamt Vollpfosten, die würden auch gern auswandern-aber es kostet eben!


    Naja, das finde ich jetzt etwas zu polemisch. Es mag sein, dass das Auswandern schwieriger ist, als man sich das vorstellt, aber es ist heute insgesamt einfacher als früher. Heutige junge Leute können oft 2-3 Fremdsprachen, haben Auslandserfahrung und auch die Möglichkeit, billig zu fliegen und mit der alten Heimat günstig in Kontakt zu bleiben.


    Die Äußerungen des Studenten finde ich noch relativ ausgewogen. Frühere Generationen hätten an dieser Stelle wohl mit "Alte raus!" oder etwas später mit "Die Alten unterdrücken uns doch, weg mit den Bürgerlichen!" reagiert.
    :D


    Die fehlende Tiefe ist zu einem Großteil dem Format (Interview) geschuldet. Hier kann man nicht mit einem elaborierten Vortrag zu jedem Ärgernis antworten.


    Und obwohl ich elitäre Studenten auch nicht mag finde ich das Niveau in Deutschland im Vergleich zu anderen (europäischen) Ländern noch gut. Selbst die USA haben doch nur eine sehr kleine Elite bei den Studenten. Der Rest ist zum Teil dumm wie Brot.



    Deinen weiteren Thesen stimme ich zu.

    Sencer


    Wir sind uns also einig, dass es besser ist, im Ausland zu arbeiten, als in DL wegen Arbeitslosigkeit vom Staat abhängig zu sein.


    Wenn wir uns jetzt noch darin einig wären, dass niemand zum hier bleiben und Kinder kriegen gezwungen werden kann, wären wir in der Diskussion ein gutes Stück weiter.


    Letztlich ist es doch egal, warum jemand auswandert. Wenn er weg ist, ist er weg.


    Ein Journalist der SZ hat einmal gesagt das geniale am Sozialstaat mit seinem Gestrüpp an Transferleistungen sei, dass ein jeder trotz hoher Abgaben glaubt, irgendwo besser wegzukommen, als der Rest. Inzwischen macht sich in bestimmten Kreisen die Erkenntnis breit, dass es auch Menschen gibt, die draufzahlen.


    In unserem umlagefinanzierten Rentensystem besteht nach meinem Verständnis nur der Anspruch darauf, überhaupt Rente zu bekommen. Und zwar in der Höhe, die man den Einzahlenden zumuten kann.
    Durch ihre eigenen Rentenbeiträgen haben die heutigen Rentner diesen Anspruch erworben und sie haben die laufenden Rentenauszahlungen ihrer eigenen Eltern und Großeltern finanziert. Sie haben nicht den Anspruch erworben, das eingezahlte Geld wieder ausbezahlt zu bekommen. Das ist zwar bitter, wenn geburtenschwache Jahrgänge nachkommen, aber es hat den Vorteil, dass immer jemand für die Rentner aufkommt, solange überhaupt noch Menschen in Deutschland arbeiten und Beiträge bezahlen.


    Soweit die Theorie beim Unlagesystem.
    Ich kritisiere, dass in einer wirtschaftlich schlechten Zeit mit hoher Arbeitslosigkeit die gesamte Last von den Jüngeren geschultert werden soll, nur weil weitere Nullrunden bei den Renten oder gar Kürzungen zu unpopulär sind und es zu viele Rentner gibt, die dann auch noch eine hohe Wahlbeteiligung haben.


    Wie sieht denn heute die Vermögensverteilung in vielen größeren Familien aus?
    Oftmals leben Familien in Abhängigkeit der Großeltern und sind von deren guten Willen abhängig, weil nur die Großeltern noch Geld (übrig) haben, im Gegensatz zu vielen Berufstätigen. Ich kenne Fälle, wo ganze Familien von der Rente der Großmutter leben und ich finde das nicht gut. Nicht jeder hat (spendable) Großeltern.


    Natürlich gibt es viele Deutsche mit einer kläglichen Rente. Aber um die geht es hier nicht. Es muss möglich sein, von den Menschen, die sehr hohe Renten und Pensionen beziehen, etwas mehr Solidarität einzufordern, damit Familien finanziell stärker entlastet werden, damit Kindergartenplätze endlich kostenlos sein können, damit mehr Leute die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland haben.

    Und was ist mit jungen Selbständigen, die zwar anpacken aber wegen der hohen Abgaben nichts zur Seite legen können? Denen das Kinder kriegen unter diesen Umständen zu riskant ist?


    Was ist mit Akademikern, die in Deutschland keine angemessene Arbeit finden und sich lieber im Ausland selbständig machen, als von Hartz IV zu leben?


    Jeder hat seine Meinung, klar, aber dieses Thema hat viele Seiten.

    Es ist glaube ich nicht zielführend, beim Thema Auswanderung mit der moralisch-patriotischen Keule zu schwingen. Wer glaubt, im Ausland bessere Lebensbedingungen vorzufinden, wird durch einen Appell an die Solidarität kaum zurückgehalten werden.


    Wenn ich das Interview richtig verstanden habe, will der Student eigentlich in Deutschland bleiben und eine Familie gründen. Weil er aber das Gefühl hat, dass die Lasten zu Ungunsten seiner Generation nicht fair verteilt sind, will er auswandern. Seiner gefühlten politischen Ohnmacht will der Mann also durch eine "Abstimmung mit den Füßen" entfliehen.



    Falls es wirklich zu einer Auswanderungswelle gut ausgebildeter junger Deutscher kommt (es müssen ja nicht nur Studenten sein) wird sich die Politik ohnehin etwas einfallen lassen (müssen).

    Zufällig bin ich heute über diesen Artikel in der FAZ gestolpert:


    http://www.faz.net/s/RubCD1758…Tpl~Ecommon~Scontent.html


    Es ist ein Interview eines 20-jährigen Studenten, der nach dem Studium auswandern will, weil er in Deutschland für sich keine Zukunft sieht.


    Ich denke, dass die FAZ hier ein Thema angeschnitten hat, das vielen jungen Erwachsenen unter den Nägeln brennt. Das sieht man alleine schon an den zahlreichen Lesermeinungen, die die FAZ zu diesem Interview veröffentlicht hat.


    In meinem Bekanntenkreis kommt das Thema Auswandern gleich nach der Kinderdebatte. Und viele (mich eingeschlossen) sehen das ähnlich wie der Interviewte.



    Edit:
    Mich würde besonders interesieren, was Ihr zum Thema Generationengerechtigkeit in Deutschland zu sagen habt. Das Thema "Auswandern - Pro und Contra" wurde hier bei TT schon ausführlich diskutiert.