Beiträge von <registered>

    Nur kurz:


    Die Profs beraten Politiker und legitimieren deren Handeln dann wiederum gegenüber der Öffentlichkeit.
    Dabei wurden nicht selten volkswirtschaftliche Theorien als sicheres Wissen (im naturwissenschaftlichen Sinn) präsentiert. Wirtschaftspolitische Strategien wurden nicht als vorsichtige Empfehlungen ausgesprochen, sondern als Handlungsanweisungen ohne Alternativen dargestellt. Das war eben zum Beispiel bei der Deregulierung des Bankenwesens der Fall.


    Mein Argument nochmal zusammengefasst:
    Wenn man den Eindruck hat, dass eine Entwicklung oder eine gesetzliche Regelung schlecht und gefährlich ist, sollte man sich dafür einsetzen, dass an diesem Punkt etwas geändert wird. Wenn alle dann denselben neuen Regeln unterworfen sind, ist daran auch nichts Schlimmes. Es reicht nicht, alle vier Jahre seine Kreuzchen zu machen. Ohne das Feedback "von der Front", von den Experten, die jeden Tag mit der Materie zu tun haben, kommt kluge Regulierung anscheinend nicht zu Stande.

    diger


    Was du skizziert hast, ist eine Beschreibung des status quo. Das ist nicht falsch, hilft aber auch nicht weiter.


    Die Verabsolutierung der Gewinnmaximierung kam "von oben" - sie ist nach und nach in fast alle Milieus eingedrungen. Begünstigt durch Niedriglohnpolitik und Sozialabbau, die den Deutschen ebenfalls verschrieben wurden. Gefühlte 30 Jahre Schreinemakers hinterlassen halt ihre Spuren...



    Der Knackpunkt ist, dass einflussreiche Personen eine Vorbildfunktion haben. Ob sie diese bewusst wahrnehmen wollen, oder nicht, ist dabei egal.



    Ihr Handeln bestimmt, was als "normal" angesehen wird.


    Insofern ist es sehr wohl ein Unterschied, in welchem Maßstab und in welcher Funktion maßloses Verhalten an den Tag gelegt wird.


    Und nebenbei:
    in einer Zeit, in der immer mehr Familien auf möglichst günstige Einkäufe angewiesen sind, sollte man sich nicht auf eine höhere Stufe stellen, nur weil man sich z.B. den Einkauf im Bioladen leisten kann.
    Eine Pauschalverurteilung des Schnäppchen Jagens wäre diesen Kreisen gegenüber unfair.

    Zitat

    Original geschrieben von autares


    @registered:


    Ein Lösungsvorschlag zur gerechten Bezahlung? Zur Erneuerung des Systems?


    Ich meine das folgendermaßen:


    Es kann auf Dauer nicht gut gehen, wenn jeder in seinem Fachgebiet seine Aufgabe nur darin sieht, die Gesetze ("Spielregeln"), also die legalen Spielräume so kreativ wie möglich auszulegen.


    Gerade die Expertise auf dem eigenen Fachgebiet verpflichtet mindestens dazu, die Regeln so mitzugestalten, dass ein fairer Wettbewerb möglich wird.
    So wie zum Beispiel im Schwimmsport die Schwimmer gerade verschiedene Vorschläge zu den neuartigen Schwimmanzügen machen, die noch schnellere Zeiten ermöglichen.
    Der Artikel, den ich vor einigen Beiträgen verlinkt hatte, erwähnt auch Banker, die vor der Krise selbständig "Mängellisten" erstellt hatten und an die zuständigen Behörden weiter leiten wollten. Sie wurden leider von Vorgesetzten mit dem Hinweis zurück gepfiffen, weitere Deregulierung sei besser für die Bank und sie sollten lieber das in einem Brief an die Bankenaufsicht fordern.


    Ich schrieb oben "mindestens", weil es durchaus auch denkbar ist, im eigenen Leben mal nicht "systemkonform" zu handeln. Also etwas nicht auszunutzen, weil es den eigenen ethischen Vorstellungen zuwider läuft.
    Bei den Schwimmern gibt es tatsächlich welche, die *freiwillig* auf die neuen Anzüge aus verschiedenen Gründen verzichten. Und trotzdem gewinnen, wie Michael Phelps.


    Ebenso ist das in anderen Berufen möglich. Man glaubt zwar immer Systemzwängen ausgesetzt zu sein. So nach dem Motto "wenn ich das nicht tue, macht es die Konkurrenz und ich gehe unter" (Spieltheorie lässt grüßen).
    Dennoch muss jeder seine Entscheidungen verantworten können und mutiges Verhalten wird oft mehr honoriert, als man glaubt.


    Gerade wenn man an die Freiheit des Individuums glaubt passt es nicht, sich auf Systemzwänge rauszureden, sobald es unbequem wird und eventuell karriereschädigend ist.



    Ja, ich glaube wir sind es dem Gemeinwesen schuldig, faire Spielregeln mitzugestalten. Mit dem Strom schwimmen kann doch jeder.


    Und die Propheten von heute waren gestern noch Spinner.
    Eigentlich sollte man drei Viertel der in den Medien vertretenen BWL und VWL-Professoren aus dem Beamtenverhältnis schmeißen und durch fähigere Leute ersetzen, die kritischer waren. Aber das ist ein anderes Thema.

    autares


    Ich habe nie verallgemeinernd von "den" Investmentbankern gesprochen, sondern von "bestimmten".



    Zitat


    Es gibt immer noch einen großen Unterschied zwischen zocken und betrügen. Betrug ist ein Verbrechen. Zocken ist erlaubt.


    Du hältst anscheinend alles was legal ist für legitim.
    Da wird es dir schwer fallen, die aktuelle Vertrauenskrise in beinahe unser komplettes System zu begreifen.


    Das meiste dessen, was zur Finanzkrise geführt hat, war anscheinend legal. Also das, was du unter "Zocken" einordnen würdest. Das ist ja der Witz.



    Zitat


    Und vor allem kommt hier niemand mit Lösungsvorschlägen.



    Ich hätte Lösungsvorschläge von dir und von anderen aus dieser Branche erwartet, kein nebulöses Einstreuen von Akronymen oder Verweise auf die vermeintliche Inkompetenz anderer Kommentatoren hier.


    Natürlich informiere ich mich über die Medien, wobei ich dazu auch Blogs zähle, in denen Banker schreiben.


    Meine Einschätzung, dass Viele sich "nach mir die Sintflut" gedacht haben, rührt daher, dass ich einem bedeutenden Teil der Spekulanten genug Hirn zutraue, um zu wissen, womit sie da spekulieren und dass das nicht ewig gut gehen kann. Und dass sie trotzdem weiter gemacht haben - ihres Vorteils wegen.



    In die "alle-Banker-sind-böse-Schiene" kannst du mich nicht stecken, das zeigen allein schon meine übrigen Beiträge hier im Thread.


    Dass es branchenweit an gesunder Selbstkritik hapert, zu dieser Aussage stehe ich aber - gerade wegen meines intensiven Studiums "der" Medien zu diesem Thema.

    autares


    Selbst jemand, der absolut keine Ahnung von den inneren Abläufen einer Bank hat, für den eine Bank sozusagen eine "black box" ist, hat ein Recht darauf, die Ergebnisse zu bewerten.



    Bei mir kommen deine Beiträge in diesem Thread so an, als wärst du in deiner Bankerehre gekränkt und wolltest gleich weite Teile der Branche über halbherzig angedeutete Systemzwänge exkulpieren. (Wenn du das wenigstens ausformulieren würdest...)



    Auch die argumentative Stoßrichtung deiner Unterscheidung zwischen Zocken und Betrügen will sich mir nicht erschließen. Immerhin verdanken wir die Finanzkrise in weiten Teilen auch dem Umstand, dass sich anscheinend viele Banker beim Zocken gedacht haben "nach mir die Sintflut".



    Und was den Handel mit hoch riskanten und undurchsichtigen "Finanzprodukten" angeht: wer in diesem Bereich tätig war und nicht verstanden hat, auf was er sich da einlässt, ist einfach ein schlechter oder überforderter Banker.
    Wer sehenden Auges damit spekulierte, nun, der geht auch nicht gerade als Held durch, oder?



    Die alte Leier mit der Gemeinwohldienlichkeit jeglicher Form von Spekulation zieht halt nicht mehr. Seit der Fínanzkrise dürften sich bestimmte Investmantbanker leider nicht mehr als Mutter Theresas mit Millionenverdienst fühlen sondern nur noch als schnöde Großverdiener.


    Das Leben hält schon tragische Schicksale bereit...