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Original geschrieben von Goodzilla
Ich werde Dich jetzt mal aufklären:
- Der Strom kommt nicht aus der Steckdose - er wird in Kraftwerken produziert und über Kabel zur Steckdose geleitet.
- Das Wasser kommt nicht aus dem Wasserhahn - es wird in Kläranlagen gefiltert und gereinigt und dann durch Rohre zum Hahn geleitet.
- Für Dich revelant: Das Geld kommt weder aus dem Bankomat noch vom Staat. Der Staat nimmt es den fleißigen, arbeitenden, engagierten Menschen teilweise ohne jedliche Gegenleistung einfach weg - es ist keine freie, unendliche Resource...
Wow, was für eine Aufklärung. Ich bin begeistert. Ich kann mich dunkel an die Aussage erinnern, es sei doch gerecht, wenn schöne, fleißige und begabte Menschen es besser haben und sich auch mal mehr leisten können als hässliche, faule und dumme Menschen. Das ist völlig richtig, aber insbesondere als schöner, fleißiger und begabter Mensch sollte man es sich eigentlich erst Recht leisten können, keinen Diskussionsstil zu fahren, der sich darauf beschränkt, seinen Gegenüber von oben herab als das kleine Dummerchen darzustellen, das nicht mal peilt, wo der Strom herkommt.
Und jetzt erklär ich Dir mal was. Was "der Staat" den schönen, fleißigen und begabten Menschen monatlich und täglich "wegnimmt", nimmt er ihnen gar nicht weg, weil es ihnen nie gehört hat. Eigentum und das Recht, Eigentum zu haben, sind nämlich genausowenig vom Himmel gefallen, wie der Strom "einfach so" aus der Steckdose kommt, sondern sie sind in Gesetze geschrieben worden. Nur weil diese Rechte in den Gesetzen stehen, haben sie Gültigkeit und nicht "einfach so". In genau denselben Gesetzen stehen aber auch ganz andere Sachen drin, nämlich Beschränkungen.
Zu diesen Beschränkungen gehören Steuern, aus denen dies und das und jenes finanziert wird, lauter Dinge, die nur der Staat und sonst niemand machen kann, sicherlich auch mit einigen Ausnahmen, über deren Entmistung man nachdenken kann. Und zu diesen Gesetzen gehört auch soziale Absicherung, über die man sicherlich entweder hämisch lachen oder sich empört aufregen kann, wenn man sie nicht nötig hat, aber ob man das auch tun sollte und vor allem wie man es tut, wenn man es denn tun will, ist eine andere Frage. Und damit sind wir schon beim nächsten Punkt.
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Original geschrieben von Goodzilla
Die Zukunft sieht nunmal so aus, daß wir immer anspruchsvollere und ökonomischere Geräte (Traktoren, Raumschiffe, Autos, Multimediaanlagen, Robotor, Waffen, Flugzeuge etc.) bauen werden und dafür Leute brauchen, die die Begabung für komplexe technische und wirtschaftliche Zusammenhänge und Dinge haben.
Wenn man nur oder überwiegend schöne, fleißige und begabte Menschen um sich hat, die montags bis freitags jeweils von 9 bis 17 Uhr Traktoren, Raumschiffe, Autos, Multimediaanlagen, Roboter, Waffen und Flugzeuge bauen und samstags ins Grüne fahren und sonntags in die Kirchen gehen, dann ist man in einer Situation, in der jede Form der Empörung über das "Wegnehmen" sehr leicht fällt. Allerdings sollte man sich auch mal fragen, wo die eigene Schönheit, der eigene Fleiß und die eigene Begabung überhaupt herkommen, wie sicher sie sind und was einem Menschen vielleicht auch deswegen zusteht, einfach weil er ein Mensch ist, unabhängig von seiner Schönheit, seinem Fleiß und seiner Begabung. Von jemandem, der derartige Worte schreibt, erwarte ich das gar nicht, aber unkommentiert stehen bleiben soll es auch nicht.
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Original geschrieben von Goodzilla
In diese Leute und deren Ausbildung und Vermehrung soll der Staat investieren und nicht irgendwelche "Penner" unterstützen deren Fähigkeiten und Kenntnisse vielleicht höchstens für das 18. Jahrhundert ausreichen - unschuldige Blinde oder Invalide mal explizit ausgenommen.
[...] - nur falls das in Deinem kleinen Weltbild möglicherweise auch falsch abgespeichert ist....
Wunderbar. Weg mit den Pennern, die braucht kein Mensch. Die sind einfach alle nicht begabt, fleißig, engagiert und geduldig genug. Anders herum formuliert: Sie sind einfach zu dumm, faul und frustriert. So einfach ist es, die Lage zu erkennen, zu erklären und "richtig" in seinem "großen" Weltbild abzuspeichern. Nur darauf, dass die Penner sich nicht irgendwann mal wehren, muss man ein wenig achten, es sind nämlich nicht gerade wenige. Merkst Du an der Stelle was? Das ganze "Gerechtigkeitsgelaber" ist gar kein Gelaber, sondern es geht auch um den sozialen Frieden. Alle Menschen haben ein Eigeninteresse daran, dass es möglichst vielen gut geht. Es lebt eben gerade nicht jeder nur für sich.
Bei der Auswahl seiner Feindbilder, die für das "Wegnehmen" verantwortlich zu machen sind, muss man übrigens höllisch aufpassen. Der richtig teure Posten auf der Rechnung sind nämlich weder die von drüben noch die Penner, sondern die Alten. Die Realität bringt nun mal leider unbestellterweise im Handgepäck die Tatsache mit, dass jeder Mensch irgendwann einmal, sofern er nicht sozialverträglich früh ablebt, zu dieser Gruppe der "Wegnehmenden" gehören wird. Aber vielleicht können wir zu diesem Thema auch bald eine definitive Aufklärung von oben genießen, hoffentlich ohne das Unwort des Jahres 1998.
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Original geschrieben von Goodzilla
Die Leute dort könnten sich gerne mit Begabung, Fleiß, Engagement und vor allem etwas Geduld alles selber prima entwickeln und aufbauen. Woher die sich das Recht nehmen, den bequemen und schnelleren Weg zu gehen und sich alles einfach von uns bezahlen zu lassen verstehe ich und viele andere nicht und werde es wohl auch nie verstehen... :mad:
Das ist völlig richtig. Die Leute "dort" sind keine von uns. Wir sind die Begabten, die Fleißigen, die Engagierten und die Geduldigen. Wir hatten nie Glück, wir hatten nie geschichtlich bedingte Vorteile, die wir uns gar nicht selbst erarbeitet haben, uns ist nie etwas in den Schoß gefallen und vor allem haben wir keinerlei Eigeninteresse daran, "denen" alles zu "bezahlen", schließlich sind das ja ganz andere Leute als wir, mit denen wir gar nichts am Hut haben und von denen wir uns auch nichts "wegnehmen" lassen. So einfach ist es, Amen.
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Ausnahmsweise noch was zum Thema: Das USA-Beispiel wird immer wieder gerne in Diskussionen genannt, insbesondere von Leuten, die aufgrund ihrer Schönheit, ihres Fleißes und ihrer Begabung ein Eigeninteresse daran haben, dies nennt man übrigens Lobbyismus, aber trotzdem ist das USA-Beispiel nicht das einzige, das funktionieren kann, funktioniert hat und immer noch funktioniert. Es gibt auch Skandinavien. Nein, ich sage nicht, dass das auf Deutschland übertragbar ist, um nicht am gegenwärtigen Einfach-so-Genauwissertum teilzunehmen, aber der Denkanstoß könnte vielleicht den einen oder anderen interessieren.