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Original geschrieben von Thomas2000
Ich hätte wirklich gerne gewußt, warum der Bundestag keinen neuen Kanzler wählen kann. Weil rot-grün die Mehrheit hat und diese Mehrheit ihrem Kanzler vertraut? Hmmm...
Wie wäre es zur Abwechslung mal mit ein wenig Aussagenlogik? Dieser Satz hier ist ein klassisches "aus A folgt B, also folgt aus B auch A" - das ist ein häufiger Anfängerfehler. Nein, aus der Aussage "aus A folgt B" folgt nicht die Aussage "aus B folgt A", sondern die Aussage "aus dem Gegenteil von B folgt das Gegenteil von A". "aus A folgt B" und "aus B folgt A" können natürlich auch mal gleichzeitig gelten, wenn A und B gleich sind, dann sind aber beide Aussagen getrennt zu beweisen. Es ist bekannt, dass diese Spielchen meistens trotzdem funktionieren, aber nicht bei mir.
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Original geschrieben von Thomas2000
Was 1983 praktiziert wurde hat mich damals, ehrlich gesagt, nicht interessiert, und steht auch für 2005 gar nicht zur Debatte. Aber mach Dir nichts draus, dieses "Der hat aber damals dies+das (falsch) gemacht, dann darf ich das jetzt auch" versuche ich meinen Kindern auch immer noch gelegentlich abzugewöhnen.
Da mach ich mir tatsächlich nichts draus, weil mir Dein Erziehungsstil und Deine Kinder genauso wurscht sind wie Dir die Praxis von 1983. Ich weiß übrigens auch, warum es Dich damals nicht interessiert hat. Nicht ganz so egal ist es, dass Rechtsfragen in diesem Staat sehr wohl an vorangegangenen Ereignissen und Entscheidungen entlang bewertet werden. Du kannst es gerne fortsetzen, mir in dieser geschickt versteckten Art und Weise kindisches Verhalten zu unterstellen, dies kann aber auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass man das einfach so macht.
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Original geschrieben von Thomas2000
Daß der Bundespräsident an Kanzlerernennungen und -entlassungen immer beteiligt ist, ist mir nicht entgangen, das kannst Du mir glauben. Daß er sich aber das Ergebnis einer getürkten Vertrauensfrage vorlegen lassen muß, um auf diese unehrliche Weise zur Auflösung des Bundestags bewegt zu werden, das muß nicht sein.
Ich glaube Dir gar nichts, weil Du das Grundgesetz nicht kennst. Stell Dir mal vor, auch der Bundespräsident hat eine Rolle und eine Aufgabe und wird alle paar Jahre sogar mal gebraucht. Du stellst den Präsidenten hier in eine Opferrolle, in der er sich nicht mal selbst sieht, meinst Du nicht, dass er selbst das nach all der Beratung, die er in Anspruch genommen hat, vielleicht ein klein wenig besser weiß?
Der Bundespräsident hat übrigens gestern um 20:15 auch noch ganz andere Sachen gesagt, aber dass das in diesen seitenlangen Bashings hier untergeht, überrascht mich nicht. Er hat den Föderalismus in seiner jetzigen Form als überholt bezeichnet, dies ist eine ganz klare und angebrachte und auch notwendige Warnung davor, dass die jetzigen Probleme wiederkommen werden und durch diese Neuwahl nur aufgeschoben, aber nicht gelöst sind. Weißt Du, wann es losging, dass nach dem letzten Regierungswechsel die Länder gekippt sind? Im Januar 1999 in Hessen, vier Monate nach der Bundestagswahl. Das kann und wird sich wiederholen, schon in zwei Jahren kann es soweit sein, dass wir die genau die jetzige Lage mit umgekehrten Vorzeichen haben. Kurzfristig hilft dagegen eine Neuwahl, langfristig reicht sie nicht aus.
Alle reden über Reformen, auch über solche, die wehtun und vom Einzelnen Verzicht abverlangen. Und wann kommt endlich die Föderalismusreform? Wann beschränkt sich der Bund auf seines und die Länder auf ihres, damit die Parlamentskammern sich endlich wieder ergänzen und weniger behindern? Auch darüber hat der arme mit getürkten Vertrauensfragen traktierte Bundespräsident gesprochen. Dies ist sehr wertvoll, weil es mal ein Hinausdenken über den kurzsichtigen Tellerrand der angeblich vollständigen Liste von Ursachen ist, aber leider interessiert sich keine Sau dafür, weil es viel angenehmer und einfacher ist, permanent zu bashen.
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Original geschrieben von Thomas2000
Und um bei Deiner Symbolsprache zu bleiben: ich gehe davon aus, daß XY schlecht ist. Und die Mehrheit des Volkes ist wohl auch dieser Meinung, denn die Mehrheit seiner Repräsentanten mißtraut ja XY, oder nicht?
Nein, das ist die Mehrheit des Volkes auch am 22. Juli 2005 immer noch nicht, denn in der Personenfrage, auf die Du Dich hier ganz konkret beziehst, davon brauchst Du jetzt auch gar nicht abzulenken, liegt am 22. Juli 2005 ein Gleichstand vor, dem in den letzten Wochen ein ständiges Hin und Her vorangegangen ist. Die versuchte Verwischung zwischen dem Volk und seinen Repräsentanten ist daneben und einmal mehr ein Beweis dafür, dass wichtige Grundlagen über die Gestaltung des parlamentarischen Systems durch das Grundgesetz nicht bekannt sind.
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Original geschrieben von Thomas2000
Weiter ging es mir aber darum, den Noch-Kanzler nicht als mutig und konsequent dastehen zu lassen, denn das ist er nicht. Es gäbe durchaus andere Wege zu einer Neuwahl als durch eine getürkte Vertrauensfrage.
Als besonders mutig und konsequent stellst Du Dich hier aber auch nicht dar, denn ich höre jetzt zum wiederholten Male, dass es "durchaus andere Wege zu einer Neuwahl als durch eine getürkte Vertrauensfrage" gäbe, aber welche das sind, behältst Du seit fast sieben Stunden für Dich. Ja, welche sind das denn? Sei doch mal so mutig und spring über Deinen Schatten, raus mit der Sprache. Auch die Nennung der konkreten Stellen im Grundgesetz, in denen Du bitte mal nachliest und es mir Nixchecker dann mal erklärst, war nicht erfolgreich.
Da gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder Du weißt von dieser geheimnisvollen anderen Möglichkeit und behältst sie für Dich, dies ist kein guter Stil, aber Dein gutes Recht, oder aber Du kennst die geheimnisvolle andere Möglichkeit doch nicht und gibst nur vor, sie zu kennen, garniert mit dem Vorwurf der Unehrlichkeit an andere, das darf ja wohl nicht wahr sein! Dazu fällt mir nur noch folgendes ein, das Dir vielleicht nicht ganz unbekannt sein dürfte:
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Original geschrieben von Thomas2000
Ruderei vor, zurück, seitwärts, nein danke!
Man erlebt ja wirklich vieles in anonymen Foren, aber ein derartiges "das ist falsch, man hätte es auch richtig machen können, aber wie, sag ich nicht" ist wirklich selten. Und wenn dann zu diesem inkonsequenten Gewurschtel auch noch eine Art, mit dem ausgestreckten Finger auf die angebliche Inkonsequenz anderer zu zeigen hinzukommt, nervt es einfach nur! Aber wie sagte doch ein gewisser Thomas2000 irgendwann einmal:
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Original geschrieben von Thomas2000
Du könntest Politiker sein/werden, die reden auch so schön konsequent an der Antwort auf gestellte Fragen vorbei.
Denn an der Frage, wie es denn jetzt stattdessen ganz konkret gehen soll, mogelst Du Dich verblüffend simpel vorbei mit der geschickten Verfahrensweise, das, was man anderen vorwirft, obwohl sie es nicht tun, einfach selbst zu tun. Und jetzt wüsste ich gerne Deinen Vorschlag für eine angemessene Art und Weise, zur Neuwahl zu kommen. Aber der kommt wahrscheinlich nie, es gibt nämlich keinen.