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Original geschrieben von qwasy
Es ist etwas anderes, ob ich als außenstehender Beobachter anderen den Intellekt abspreche, oder ob ich dies im direkten Gespräch tue.
Interessanter Gedanke. Würde man den heimlich fortsetzen, könnte man glatt auf die Idee kommen, man müsse seine "Leute, die Dinge tun, die ich nicht nachvollziehen kann, sind einfach nur intellektuell überfordert"-Attitüde einfach nur gut genug verstecken und schon wird eine Tugend draus. Das kann es ja wohl auch nicht sein. Im Gegenteil, vielleicht ist der Versuch, sie auf diesem Wege loszuwerden, auch einfach selbst ein Zeichen von Überforderung.
Manchmal frage ich mich, warum so viele Menschen überhaupt immer wieder diese Vergleiche ins Gespräch bringen. Wäre die SED/PDS/Linkspartei/was-auch-immer-Problematik so sonnenklar, wie Du es hier darstellst, dann wären diese Vergleiche überhaupt nicht notwendig, weil man ja einfach argumentieren könnte, warum Vorschlag 1 und Vorschlag 2 und Vorschlag 3 dieser Partei so nicht gehen.
Mit anderen Worten: Die Wiederholung dieser Vergleiche und Erinnerungen an die Vorgeschichte der Linkspartei bewirken kein Umdenken, sondern im Gegenteil eher eine Verhärtung der jetzigen Situation, weil die Leute es einfach schon längst wissen, ihnen aber andere Dinge wie etwa konkrete Sorgen bezüglich ihrer materiellen Lage und meinetwegen auch blanker Protest wichtiger sind und deswegen erst recht auf Durchzug geschaltet wird.
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Original geschrieben von qwasy
Nach einigen Gesprächen mit PDS-Sympathisanten komme ich für mich tatsächlich zu dem Schluss, dass diese rein gar nichts verstanden haben.
Sorry, es geht hier um eine Entwicklung, die sich jetzt über 15 Jahre hinzieht sowie um ein Drittel der ost- und um ein Zehntel der gesamtdeutschen Bevölkerung. Irgendwann kann man sich einfach nicht mehr auf die "die haben es einfach nicht verstanden"-Schiene beschränken. Vielleicht könnte man sich stattdessen wenigstens still und leise mal die Frage stellen, ob man vielleicht selbst etwas nicht so recht verstanden hat.
Es ist dafür übrigens auch nicht zu spät. Die beiden großen Lager haben Programme vorgelegt, die sich sehr wohl voneinander unterscheinden. Noch stehen zwei Monate zur Verfügung, um sich auf diese Programme zu konzentrieren. Aber leider befürchte ich, dass diese Zeit stattdessen verwendet wird, um in moralisierender und mahnender Art und Weise über die angeblich bevorstehende Einführung des Kommunismus in Deutschland zu sprechen.
Ich bin übrigens auch der Meinung, dass die PDS eine alte Sache ist und eigentlich längst erledigt sein sollte. Allein schon die völlig unnatürlich hohe Mitgliederzahl und das völlig überhöhte Durchschnittsalter zeigen, dass sie nicht die moderne Alternative ist, als die sie sich darstellt. Aber es bringt einfach nichts, sie auf dieser Schiene anzugreifen, weil sie an der Stelle leider, wie es sich gezeigt hat, nicht verwundbar sind.
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Original geschrieben von qwasy
Einschränkung dieser Verantwortung ist auch mit Freiheitsentzug gleichzusetzen. Genauso ist die geplante Enteignung der Besserverdienenden extremer Einschnitt in die Freiheit. Das Solidaritätsprinzip wird hier zu Gunsten polemischer Hetze überzogen und ad absurdum geführt
Steuern sind genausowenig wie die in den letzten Jahren konsequent und mit guter Begründung praktizierte Absenkung, Streichung und Umstrukturierung notwendiger Sozialleistungen eine Enteignung. Stichwort "polemische Hetze": Die Behauptung ist doch ganz offensichtlich selbst eine polemische Hetze, Deine Enteignungsbehauptung würde doch nie im Leben einer Überprüfung durch das höchste Gericht standhalten.
Eine Bemerkung noch zur angeblich falschen Umverteilung: In diese Kategorie gehört auch die Erhöhung der Mehrwertsteuer zur Entlastung der Sozialversicherungsbeiträge. Zum einen hat dieser Ansatz eine wirklich verblüffende Ähnlichkeit mit der angeblich schädlichen Ökosteuer und zum anderen geschieht dies ja unter anderem auch mit der Begründung, man wolle durch die Entlastung der Sozialversicherungsbeiträge etwas gegen die Schwarzarbeit tun, für die keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden.
Ja, woher soll dieser Effekt denn kommen? Wenn eine Handwerkerrechnung aufgrund niedrigerer Sozialversicherungsbeiträge günstiger wird, dann steigert das tatsächlich die Attraktivität legaler Arbeit, aber nicht, wenn derselbe Betrag dann als Steuer wieder dazukommt, und das tut er, da es sich um eine Dienstleistung handelt.
Es herrscht übrigens zur Zeit aus nachvollziehbaren Gründen eine Geiz-ist-Geil-Stimmung, insofern kann man durchaus befürchten, dass nach dieser Steuererhöhung gleich viel, also unter dem Strich sogar weniger Geld ausgegeben wird - vielleicht wird auch einfach noch mehr gespart, als das bisher schon der Fall ist, aber das darf man ja so nicht sagen, weil es in eine nachfrageorientierte Richtung geht und man sich somit der Gefahr aussetzt, sich als Kommunist zu outen. 
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Original geschrieben von Martyn
Die PDS ist imho keine extreme Linkspartei. Die DKP und einige einzelne Mitlglieder der PDS kann man als extrem Links ansehen, aber die jetzige Partei als PDS nicht.
Ich seh das ähnlich, allerdings ist die Frage wirklich sehr schwierig zu diskutieren, weil es eigentlich fast immer irgendwann ins Emotionale abgleitet. Besonders interessant finde ich es übrigens, dass nach meiner Erfahrung die emotionalsten Beiträge zu dem Thema, oft gespickt mit angsterfüllten Warnungen vor der Wiedereinführung des Kommunismus, von Leuten kommen, die aus dem Westen kommen und nie etwas damit zu tun hatten und denen es einfach schwerfällt, die Zeitachse mit zu berücksichtigen und die PDS in ihrer gegenwärtigen Form auch als Regionalpartei zu sehen.
Ob sie das wirklich ist oder zu recht so gesehen wird, ist eine andere Sache, bei einem bin ich mir jedenfalls ganz sicher: Die Überschrift des Beitrags, auf den sich hier alles bezieht, lautet "Radikale Verbrecherpartei - und kaum jemand schreit?" und nein, ich schreie nicht und befürchte auch keine Verbrechen von dieser Partei, sondern eher von selbsternannten Sicherheitsexperten, deren "wir speichern jetzt 4 Jahre und in Zukunft 7 Jahre lang, wer mit wem telefoniert hat"-Gesetze man dann mühsam vom Bundesverfassungsgericht zerpflücken lassen muss.