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Original geschrieben von teddy3
Mir kommt es halt auch darauf an, möglichst wenig Geld auszugeben und dafür das bestmögliche System zu bekommen. Das spräche natürlich gegen Suse und für Debian...
Naja, nicht unbedingt, es gibt ja die 9.2 kostenlos zum Runderladen:
ftp://sunsite.informatik.rwth-…/Linux/suse/i386/9.2/iso/
Die kam damals 3 Monate nach dem Release der Kaufversion, das Release der 9.3 war Mitte April, also wird die 9.3 auch bald kostenlos kommen. Wenn nicht oder wenn Du nicht warten möchtest, tut es auch die 9.2. Updates gibt es zwei Jahre lang.
Es ist allerdings ein DVD-Image, eine CD-Version gibt es nicht, also brauchst Du einen DVD-Brenner. Ich will Dir aber auch nicht die SuSE-Distribution aufschwatzen, wenn Du lieber was anderes möchtest.
Bloß kenne ich mich halt bei Debian-Derivaten nicht aus, sorry. Geld würde ich für die erste Distribution allerdings auch nicht ausgeben, wer weiß, vielleicht gefällt es Dir ja gar nicht.
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Original geschrieben von teddy3
Warst Du unter Win Amateur/Profi und wie lange und schwer ist Dir der Wechsel zu Linux gefallen.
Mein erstes Linux-System habe ich mir vor ziemlich genau einem Jahr mehr oder weniger aufschwatzen lassen und fand es am Anfang gar nicht so toll, weil eben vieles anders und auch nicht unbedingt besser ist. In anderen Worten: Manches ist schon besser, aber auf eine andere Art und Weise.
Folgende Anfängerfehler kann ich aber benennen, über die man sich furchtbar ärgern kann, wenn man es nicht gewohnt ist:
Softwareinstallation. Von Windows ist man es gewohnt, dass das Betriebssystem wirklich nur ein Betriebssystem ist. Wenn man ein Chatprogramm haben will, dann geht man auf die Webseite des Herstellers dieses Chatprogramms und lädt es herunter.
Unter Linux ist das nicht die richtige Vorgehensweise, weil man viel Software schon auf den CDs hat, sie wird bloß nicht standardmäßig installiert, weil nicht jeder alles braucht. Also würde man im Fall von SuSE einfach YaST starten, das ist das zentrale Systemverwaltungsprogramm, und da einfach das gewünschte Chatprogramm auswählen und nachinstallieren.
Viele Anfänger sind es gewohnt, einfach auf der Herstellerseite den Downloadlink anzuklicken und das Programm herunterzuladen. Meistens sind das aber nur Quelltexte, weil die Autoren gar keine Binaries anbieten. Dann fangen manche Anfänger an, den Quelltext zu kompilieren, aber der Compiler gehört gar nicht zur Standardinstallation, aber weil sie nicht wissen, dass er auf den CDs ist, laden sie ihn irgendwo herunter usw., sie plagen sich also unnötig herum.
Das muss man nur, wenn es um eine Software geht, die nicht Bestandteil der Distribution ist. Und selbst dann sollte man zuerst in einem sogenannten Repository nachschauen, ob jemand anderes schon ein zur Distribution passendes Paket gemacht hat. So kann man sich nämlich jede Menge unnötige Arbeit ersparen.
An der Stelle ist übrigens Debian vorbildlich. Debian verfügt über eine Paketverwaltung, die aus einer Liste sogenannter Installationsquellen automatisch die gewünschten Pakete einschließlich ihrer Abhängigkeiten installieren kann. Das ist äußerst nützlich, weil die Pakete aufeinander aufbauen und man bestimmte Basispakete braucht, um andere benutzen zu können, die darauf aufbauen.
Auf RPM-basierten Systemen ist das nicht ganz so komfortabel, es geht aber trotzdem ganz gut. RPM ist der Name für eine von RedHat entwickelte Paketverwaltung, die auch von SuSE, Mandriva und weiteren Distributionen benutzt wird. Jede Menge RPMs, die über den Umfang der Distributionen hinausgehen, findet man hier:
http://rpm.pbone.net/
Ein weiterer Standardfehler ist zu frühes Aufgeben. Oft hört man von Einsteigern so Sachen wie "Das klappt nicht, Linux kann das nicht", zum Beispiel weil man in der Standardinstallation keine verschlüsselten DVDs anschauen kann. Das hat aber rechtliche Gründe und ist ganz einfach zu beheben, man muss einfach nur ein Paket namens libdvdcss nachinstallieren, das die Distributoren aber aus rechtlichen Gründen nicht mitliefern dürfen.
Dasselbe gilt für viele Multimedia-Codecs. Speziell auf SuSE bezogen muss man an der Stelle unbedingt folgende Seite erwähnen, da gibt es alle denkbaren Multimedia-Pakete fertig installierbar verpackt, die leider nicht offiziell auf der Distribution mitgeliefert werden dürfen:
http://packman.links2linux.de/
Diese Pakete lädt man nicht einzeln herunter, sondern man trägt den FTP-Server als YaST-Installationsquelle ein, so werden die Abhängigkeiten automatisch aufgelöst. Ähnliches gibt es selbstverständlich auch für andere Distributionen.
Noch ein häufiger Fehler geschieht auf der Suche nach Hilfe. Man muss nicht immer gleich im Internet suchen, oft findet man die Lösung auf dem Weg sogar schwerer. Mit jedem Paket wird Dokumentation unter /usr/share/doc installiert, zusätzlich gibt es die sogenannten man-pages, was das ist, wird im oben verlinkten PDF-Dokument erklärt.
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Original geschrieben von teddy3
Ich weiß ja, dass man sich mit der Dateiverwaltung/-struktur total umorientieren muss, da Linux es von Unix geerbt hat.
Zum Verzeichnisbaum findest Du viel Stoff im oben verlinkten PDF-Dokument. Der ist tatsächlich gewöhnungsbedürftig. Es gibt beispielsweise nicht für jedes Programm ein eigenes Verzeichnis, sondern alle ausführbaren Dateien (entspricht unter Windows den *.EXE-Dateien) landen in /bin, alle Bibliotheken (entspricht unter Windows den *.DLL-Dateien) landen in /lib usw. Aber zum Glück braucht man sich als Benutzer gar nicht darum zu kümmern, weil es ja die Paketverwaltung gibt.
Ein anderer wichtiger Punkt sind die Berechtigungen. Du wirst feststellen, dass Du unter Linux erstmal fast nichts darfst. Du darfst eigentlich nur Dateien in Deinem Homeverzeichnis ändern (entspricht den Eigenen Dateien unter Windows) und im Verzeichnis /tmp. Das klingt äußerst unkomfortabel, ist es aber eigentlich gar nicht. Man muss sich nämlich nicht ständig als Benutzer ab- und als root neu anmelden, denn es gibt einen Menüpunkt namens Systemverwaltungs-Modus, da gibt man einfach das root-Passwort ein und schon darf man in diesem Fenster so lange alles machen, bis man es wieder schließt.
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Original geschrieben von teddy3
Aber sonst die Arbeit mit Linux, das würde mich interessieren. Und arbeitest Du mehr kommandozeilen- oder GUI-orientiert.
In der Desktopumgebung muss man sich natürlich erstmal zurechtfinden. Da sind die Unterschiede aber eher gering. Bei der Anwendungssoftware gibt es viele Sachen, die für beide Systeme verfügbar sind. Zum Beispiel:
- Firefox-Browser
- Thunderbird-Mailclient
- OpenOffice.org-Suite
- Acrobat Reader
- Skype-VoIP
- Opera-Browser
Diese Anwendungen kann man direkt weiterbenutzen, weil sie sich auf beiden Systemen genau gleich verhalten und genau gleich aussehen. Ansonsten hat man es auch mit anderen grafischen Programmen zu tun, die aber trotzdem ähnlich zu bedienen sind, z.B. Multimediaplayer usw. Man sieht, die Unterschiede stecken vor allem im System und dessen Verwaltung, an der Oberfläche sind sie spürbar, aber nicht dramatisch.
Etwas unangenehmer ist es, wenn es für einzelne Aufgaben kein grafisches Programm gibt. Ein Beispiel wären verschlüsselte RAR-Archive, dafür kenne ich kein grafisches Programm, also muss man unrar auf der Konsole benutzen. Ein weiteres Beispiel wäre PDF-Bearbeitung, wie etwa das Aufteilen eines Dokuments in einzelne Seiten, das Zusammenfügen oder das Verschlüsseln. Dafür kenne ich auch kein grafisches Programm, also muss man es mit pdftk auf der Konsole machen. Das ist nicht so angenehm, aber es geht.
Beim Beispiel der RAR-Archive fällt mir noch ein: Man kann auch einige Windows-Programme unter Linux benutzen. Viele Leute halten davon nichts, ich weiß gar nicht, was überhaupt dagegen spricht. Das Zauberwort heißt WINE und ist bei allen Distributionen dabei. Damit kann man nicht alle, aber einige Windows-Programme benutzen. WinRAR läuft zum Beispiel sehr gut mit WINE.
Also: Daran gewöhnen kann man sich auf jeden Fall. Du wirst am Anfang bestimmt öfters mal fluchen, das kann sich aber ändern und im schlimmsten Fall kann man es ja auch einfach sein lassen und wieder zu Windows gehen, kein Beinbruch. 
o2neuling
Kleiner Nachtrag, um Dir die Angst vor der Konsole zu nehmen:
Es gibt auch Sachen, die in der Konsole einfacher sind, zum Beispiel das Herunterladen großer Dateien. Große Dateien soll man nicht mit dem Browser herunterladen, weil der Download bei einem Verbindungsabbruch im Eimer wäre. Es gibt kaum ein benutzerfreundlicheres Downloadtool als als Konsolenprogramm wget. Einfach im Browser den Link rechts anklicken, in die Zwischenablage kopieren und in der Konsole einfügen, fertig. Das ist viel schneller als Mausklickorgien. 