Zitat
Original geschrieben von AdministratorDr
Hast du dich schonmal ernsthaft ein Bild von der Bibel als ganzes gemacht und nicht in BILD-Zeitungs Niveau blind aufgeklappt nen Satz gelesen und wieder zugeklappt?
Wenn du jetzt sagst, "nee hab ich nicht nötig, ist sowieso quatsch" dann gehörst du zu den ganz großen, die schon ohne etwas zu kennen beurteilen können. Respekt.
Um es auf den Punkt zu bringen: Beschäftige dich doch mal intensiv damit und danach will ich mal sehen ob du immer noch so leichtfertig Sätze ablässt. Denn du wirst feststellen, das sie weit aus mehr enthält als "Auge um Auge und Zahn um Zahn". 
Und wo siehst du da ein Problem? Ich kann -- unabhängig davon, ob ich die Bibel ganz, teilweise oder gar nicht gelesen habe -- an Gott glauben und trotzdem der Überzeugung sein, dass er ein Gott und ein Schöpfer, aber kein Schriftsteller ist 
Dass die Bibel nicht nur eine wörtliche Bedeutung hat, ist nun schon seit ein paar hundert Jahren bekannt. Stichwort Exegese, die Auslegung nach dem vierfachen Schriftsinn -- wörtlicher, auf die Heilsgeschichte bezogener, auf das Seelenheil bezogener und auf das Jüngste Gericht bezogener Sinn -- gibt es schon seit dem 13. Jahrhundert. Inzwischen hat sich in der Bibelauslegung natürlich noch einiges getan -- insbesondere durch die Erfindung der Hermeneutik -- und so sind die katholische wie die evangelische Kirche inzwischen zu der Auffassung gelangt, dass die Bibel eben nicht einfach wörtlich zu verstehen ist, sondern der eigentliche Sinn nur aus der Entstehungsgeschichte verstanden werden kann. Nur einige evangelikale Freikirchen / Zeugen Jehovas / etc. haben das eben noch nicht mitbekommen 
Sieht man das nicht so, müssen sich die vier Evangelien ja auch in einigen Details widersprechen... Ein Beispiel (was Besseres fällt mir grad nicht ein, so bibelfest bin ich dann doch nicht ;)): Wann wurde Jesus zum Sohn Gottes? Erst in der Auferstehung?
"... das Evangelium von seinem Sohn, der dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids, der dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung von den Toten ..." (Röm 1,3f)
Oder doch schon während der Taufszene, als Jesus eine Stimme zu ihm sprechen hört: "Du bist mein geliebter Sohn..." (Mk 1,10f)?
Bei Lukas kommen dann die jungfräuliche Geburt und der Heilige Geist ins Spiel und bei Johannes war Jesus schon immer bei Gott und wurde nur zwischendurch mal kurz auf die Erde geschickt (vermutlich wurde es anders formuliert aber ich hab jetzt keine Lust das rauszusuchen ;)). Wenn man die Bibel nicht wörtlich nimmt sind diese Differenzen kein Problem -- weil es ja in der Aussage keinen Unterschied macht, wann genau Jesus jetzt zum Sohn Gottes wurde. Ich kann mich auch damit abfinden, dass es einfach niemand weiß. Es würde mich aber mal interessieren, wie jemand, der die Bibel wörtlich nimmt, die Frage für sich beantwortet...
A propos "Jungfrau Maria": Was die angeht ist meines Wissens inzwischen die Auffassung recht weit verbreitet, dass es sich schlicht um einen Übersetzungsfehler handelt, da die Wörter "Jungfrau" und "junge Frau" im Hebräischen -- nicht aber im Griechischen, das Neue Testament wurde ja ursprünglich auf griechisch verfasst -- identisch sind.