Der Test war heute wohl auch in einigen Tageszeitungen abgedruckt, ich hab mir einige Fragen in der Frankfurter Rundschau angeguckt. Alle könnte ich auch nicht aus dem Stehgreif beantworten, aber viele. Immerhin 
Jetzt aber nochmal zum Test an sich. Ich hatte vorhin ja schon in einem Anfall von Begriffswixerei "Konstruktvalidität" in die Runde geworfen. Klar, die Leute, welche die Fragen zusammengestellt haben und die Herren in den Bundesländern, die sich mit dem Test jetzt aufplustern, wissen höchstwahrscheinlich nicht, was das ist. Da müsste ich mir jetzt herablassend nochmal überlegen, ob ich sie nochmal zum Lernen schicke, bevor ich mich mit denen über ihren Test unterhalte
Aber wollen wir mal nicht so arrogant sein, das ist schlecht für's Image, auch wenn ich gar nicht gewählt werden will 
Anyways...
Wenn ich mit einem Test etwas messen will gibt es zwei relevante Fragen:
1. Wie gut messe ich mit dem Test, egal was ich messe (= Reliabilität)?
2. Messe ich mit dem Test überhaupt das, was ich messen will (=Konstruktvalidität)?
Daher ist die erste Frage für die Konstruktion von so einem Test: was will ich damit erreichen? Was will ich messen?
Im Falle des vorliegenden Werks geht es - so hab ich's zumindest verstanden - darum, ob sich die Mitbürger mit fremden Pass mit Deutschland auseinander gesetzt haben, wenn sie den deutschen Pass und die Staatsbürgerschaft erlangen wollen. Und ein wichtiger Punkt ist ja wohl auch, dass sie sich mit dem Land und den Werten unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung identifizieren können.
Wenn die Fragen zu dem Test bekannt sind und damit auch die richtigen Antworten - und in einigen Fällen auch die Antworten, die der Prüfer hören will - was messe ich dann?
Ich hab das statistisch jetzt auch nicht überprüft, aber hier sind meine Hypothesen (als Wissenschaftler - ja, ich Großkotz habe ein Diplom - stelle ich erstmal Hypothesen auf und prüfe die dann):
- Der Antragsteller ist der deutschen Sprache soweit mächtig, dass er a) die Fragen versteht und b) eine Antwort artikulieren kann.
- Der Antragsteller besitzt so viel Intelligenz um zu kapieren, dass er sich zum Bestehen im Voraus mit dem Test auseinander gesetzt hat (oder eben nicht).
- Der Antragsteller besitzt weiterhin so viel Intelligenz, als dass er für die nötige Menge sich die richtigen Antworten behalten hat (allgemein gesagt: Gedächtnisleistung).
- Der Antragsteller hat bei einigen Fragen begriffen, welche Antwort er geben muss, egal ob er von ihr überzeugt ist oder nicht.
- Wenn der Antragsteller sich mit einigen "sozial erwünschten" Antworten nicht identifizieren kann, sie aber trotzdem überzeugend vorträgt hat er ein Mindestmaß an schauspielerischem Talent.
- Der Antragsteller durchschaut die Situation und obwohl einige Fragen dazu verleiten, mit den Antworten den Test als solchen zu verarschen, gleitet er mit seinen Antworten nicht in Ironie oder gar Sarkasmus ab, um den winkenden Persilschein nicht zu gefährden.
Mein Fazit: jeder Ausländer, der die dt. Staatsbürgerschaft haben möchte, wird kapieren, dass er sich für einen Tag die Antworten zu den Fragen draufschafft. Ob er die Meinungsfreiheit bei sich zu Hause auch so umsetzt, wie er sie laut Grundgesetz akzeptieren sollte beeinflusse ich damit kein Stück. Bestes Beispiel sind für mich immer noch die sympathischen Studenten aus Hamburg-Harburg, die haben studiert, gut Deutsch gesprochen und sogar GEZ gezahlt. Die wären die ersten gewesen, die den Test mit wehenden Fahnen bestanden hätten. Ihre innere Überzeugung und ihr Handeln hatte mit dem Verständnis des deutschen Staates aber rein gar nichts zu tun. In paar Tagen nach dem Test werden die Leute 80% davon wieder vergessen haben, so wie bei jeder Prüfung - und in ihrem Alltag genau so weiter wurschteln wie bisher und wie sie es für richtig halten.
Hier mein Vorschlag für die Frage Nr. 101 - als Bonusfrage muss sie richtig beantwortet werden, nur dann winkt der Personalausweis:
"Erläutern Sie ausführlich, warum die Regierigen einiger Bundesländer diesen Test für Einbürgerungswillige genau vor einer Landtagswahl, respektive Kommunalwahl auf's politische Tablett gebracht haben!"

P.S.: Allgemein halte ich es sehr wohl für sinnvoll sich endlich - nach >30 Jahren!!! - Gedanken darüber zu machen, wie wir unsere ehemaligen Gastarbeiter integrieren, wo inzwischen auch die Parteien mit dem C wie catholisch kapiert haben, dass sie nicht mehr nach Hause fahren und Deutschland zu einem Einwanderungsland geworden ist. So ein Test halte ich in diesem Anliegen nicht für hilfreich, das ist für mich reine Augenwischerei, die sehr gut in den Wahlkampf passt.