Auch wenn es "nur" etwas über ein Jahr war - kleinreden wollte ich das nicht. Du bist grad an dem entscheidenden Punkt, wo Du vom "Beziehungs-Selbst" (was soviel heißt, dass Du Dich in einer festen Beziehung wahrnimmst und es neben dem "ich" auch noch ein "wir" für Dich gab) auf den eigenes Selbst wieder zurückgeworfen bist. Sprich, Du darfst innerlich erstmal wieder auf die Reihe bekommen, dass es momentan kein "wir" mehr gibt, sondern nur noch "ich".
Die Arbeit, die da dahinter steckt, nennt sich Trauer
Wobei sich Trauer von traurig sein unterscheidet: Trauer ist ein Gefühlscocktail, wo alles drinne ist und Dich durch den Mixer jagt: den einen Moment bist Du traurig, weil Du Deine Ex und die schönen Zeiten vermisst, dann bist Du stinkesauer, auf Dich und auch auf sie, weil die Beziehung gescheitert ist, hin und wieder freust Du Dich über Deine neue Freiheit und Zukunftsaussichten, und Du hast auch Momente der Angst vor der Zukunft ohne sie.
Unsere Seele braucht für Trauerarbeit ihre eigene Zeit - der Kopf ist da meist schneller und Du wunderst Dich dann, warum Du auf einmal wieder baden gehst, wo Du doch dachtest, der Käse sei gegessen. Isser aber nicht. Und wichtig ist auch: Trauer verläuft in Wellen. D.h. zunächst geht es Dir schlecht, dann immer öfters wieder gut und dann kann eine Welle über Dir zusammen brechen, wo es Dir wieder richtig beschissen geht.
Wie lange das dauert kann Dir hier keiner genau sagen - das ist individuell verschieden. Das können wenige Monate sein, ein halbes Jahr aber auch um einiges länger. Kommt eben auch mit drauf an, was Du alles zurücklassen musstest.
Wen das alles - zumindest den theoretischen Teil - näher interessiert, sei nochmal auf meine Büchertipps hier verwiesen - Frau Kast hat da echt Ahnung und schreibt so, dass es jede/r ver-stehen kann (ist also kein wissenschaftliches Buch) 