Nochmal meine Sicht der Dinge - auch wenn ich wohl der einzige bin, der eine Contra-Postion vertritt und mich als Egoist einstufen lassen muss 
Ich habe aus zwei Gründen eine ablehnende Sicht auf das Thema: einmal der Umgang mit dem Thema an sich von Seiten der BzGA und Konsorten. Und die zweite ist wohl unter "persönlichem Glauben" im weitesten Sinne einzubuchen - es sind meine ganz persönlichen Gründe ein "nein" anzukreuzen. (Ihr dürft trotzdem gerne drauf rumtrampeln - iss ja auch in Religionsthreads sehr populär hier ;))
Zunächst mal zum Umgang mit dem Thema:
Ich finde, die moderne Medizin weckt Begehrlichkeiten, die sie selbst (aktuell) nicht abdecken kann. Ärzte (um nicht den Begriff "Halbgötter in weiß" zu verwenden ;)) stoßen aber da an ihre Grenzen, wo sie diese Begehrlichkeiten nicht erfüllen können. Und so ist eine Gruppe (um nicht zu sagen "Lobby") darauf angewiesen, für den Bedarf die nötige Menge an Ware zu bekommen, sprich: zusehen, dass sich jeder mit dem Thema Organspende auseinandersetzt (ob er will oder nicht) und möglichst natürlich sein Einverständnis gibt. Und das ist auch der Punkt, wo ich vom Mensch als Ersatzteillager spreche: dank der "Hirntod"-Definition baue ich eine Brücke, dem noch lebenden Körper diese Ersatzteile zu entnehmen, um meinen Bedarf decken zu können.
In Folge ist ein Gesetz entstanden, wo einfach davon ausgegangen wird, dass wenn jemand eben keinen Organspendeausweis besitzt, dass er ja vielleicht trotzdem grundsätzlich dazu bereit (gewesen) wäre (statt davon auszugehen, dass er es eben nicht ist). Da man denjenigen aber natürlich nicht mehr fragen kann, werden jetzt die Angehörigen - die bestimmt eh schon in einer beschissenen Situation sind - auch noch mit diesem Thema konfrontiert. Und das finde ich eben mehr als :flop: - ich sehe hier mein Recht auf Unantastbarkeit der Menschenwürde verletzt (die Unversehrtheit meines Körpers gehört da imho mit dazu).
Ich weiß nicht, wie Leute auf die Idee kommen, einfach zu sagen: "wenn kein Ausweis vorliegt, sollte man einfach Organe ohne weitere Absprachen entnehmen können". Wie ihr das mit GG Art. 1 in Einklang bringt, müsst ihr mir nochmal erklären. Denn ich bin eben noch nicht tot, sondern nur mein Gehirn hat seine Aktivität aufgegeben, der Rest des Körpers ist ein seinen Funktionen noch (mehr oder weniger) intakt! (Wenn auch an Maschinen hängend, das ist mir klar. Wo wir bei der Diskussion wären, wie es mit dem Anspruch des "Leiden verringern" zusammen geht und warum diese nicht einfach abgeschaltet werden - aber das ist nochmal ein ganz anderes Thema.)
Noch kurz hierzu was:
Zitat
Original geschrieben von kermit_t_f
Dass das Sterben zum Leben dazu gehört, ist natürlich ein tolles Argument. Heißt das, wir lassen einfach jetzt jeden der Krank ist sterben? Gehört ja dazu? Klar übertreibe ich, aber die Frage ist doch, wo muss man den Strich ziehen?
Der Strich ist imho da zu ziehen, wo ich auf einen anderen Menschen angewiesen bin, um einen anderen zu heilen. Niemand hat das Recht einen Anspruch auf meine Kooperation in Form einer Organspende zu erheben. Entsprechend müssen sich die Leute auf den Wartelisten und verdammt nochmal die Ärzteschaft damit auseinandersetzen - und oft genug - ja, leider! - mit abfinden, dass dem Tod in dem Fall kein "Schnippchen mehr zu schlagen" ist.
Und in dem Punkt erlebe ich das eben so, dass einige so ihre Schwierigkeiten damit haben, dass das Leben endlich ist.
Ach ja: für wen sich obige Ausführungen "technokratisch" und/oder "kaltherzig" oder was weiß ich was anhören: wie hört es sich für euch an, dass aus einem noch lebenden Körper, der noch Schmerzreaktionen zeigt usw, Organe einfach rausgeschnippelt werden? Sorry, finde ich genauso technokratisch!
So, nun zu Punkt 2, meiner eigenen Einstellung, warum ich einer Spende nicht zustimme:
Ich nehme die die Züge in der Gesellschaft immer mehr wahr, dass zwischen Körper und Geist (oder wie auch immer man es nennen will) immer mehr getrennt wird. Genau in diese Kerbe schlägt natürlich auch die Transplantationsmedizin: hier Körper, da Geist. Wobei Geist im aktiven Gehirn verortet wird, weshalb auch die Folge der Definition von "hirntot" ist "Geist = tot".
Die Frage für mich ist hier letztendlich: was macht das "Ich" aus? Und für mich gehören hier eben Körper und Geist zusammen und lassen sich nicht trennen. Mein Geist hat sich mit meinem Körper geformt (z.B. dass ich mit 1,91m Körperhöhe ca. 90% meiner Mitmenschen überrage, was schlichtweg Auswirkungen z.B. auf die Bildung von Selbstbewusstsein hat) und umgekehrt. Die Frage was passiert, wenn ich irgendwo hirntot in der Gegend rumliege kann ich nicht beantworten. Aber es kann sie verdammt nochmal auch sonst niemand beantworten, genauso wenig wie die Frage, ob es nun einen Gott gibt oder nicht. Ich weiß nur, dass zu diesem Zeitpunkt noch "bioenergetische Energie" in meinem Körper drinne ist (wenn auch nicht mehr im Gehirn) und die soll genauso "verebben" können, wenn die Geräte abgeschaltet werden wie bei einem "natürlichen Tod".
Für mich gehört das schlicht zum Sterbeprozess dazu und da will ich eben nicht, dass Ärzte an mir rumfuhrwerken.
Was mich auch noch nachdenklich stimmt ist die Tatsache, dass auch verschiedene Organe wohl eine Art Gedächtnis haben - und da gehört u.a. auch das Herz mit dazu. Von daher fände ich es befremdlich, wenn mein Herz konserviert würde und wo anderst eingebaut.
Wie schon in meinem ersten Beitrag geschrieben finde ich es mutig, wenn jemand zum Spenden bereit ist und respektiere das auch. Von einigen würde ich mir allerdings wünschen, dass sie ähnlich tolerant den Nichtspendewilligen gegenüber wären...
Edit - Nachtrag:
Auch wenn ich mich auf solchen Quellen gewöhnlich nicht rumtreibe ;), gibt auch diese Zusammenstellung *klick* mir einige Bedenken bzw. bestärken die vorhandenen nur. (Der Punk 1.5 in der Aufzählung entspricht so ziemlich meinen Glaubensvorstellungen, aber das nur am Rande.)
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