Beiträge von DUSA-2772

    Zitat

    Original geschrieben von Zappi
    ... Das wird aber auch entsprechend stark oder eben weniger bei der Srafmessung berücksichtigt.


    Dann sieht unser Rechtsstaat vor, dass sich gestörte Menschen in die Obhut eines Therapeuten zu begeben haben, so eine solche Therapie erfolgversprechend ist. Und natürlich ist der Therapeut dann auch gefordert. Deshalb verwundert mich der Einwand unserers Dipl-Psych ("Und der Therapeut soll dann gucken, dass die Krankheit das Zimmer verlässt?") dann doch etwas. So es denn möglich erscheint, ist es doch seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Krankheit das Zimmer verlässt oder den Patienten zumindest, oder? ;)

    Nun, das ist ein Thema, über das wir Psychos auch untereinander diskutieren und streiten ;)


    Mein Eindruck ist manchmal, dass Fachfremde die Vorstellung haben, der Therapeut ist sowas wie der KFZ-Mechaniker, der einfach mal die Zündkerzen wechselt, Öl austauscht, die Bremsbelege erneuert und ggf. noch ein paar Softwareupdates für die Motorsteuerung einspielt. Der Therapeut "bastelt" in seinem stillen Kämmerlein irgendwas und der Klient kommt repariert geheilt wieder zur Türe raus.


    Nun, mit Menschen isses leider etwas komplizierter. Viele haben sich schon dran versucht, viele versuchen sich noch immer dran, aber jeder hat so seinen eigenen Willen und seine eigene Verhaltenssteuerung. Die lässt sich zwar beeinflussen, aber nie komplett vorhersagen.


    Da ich nicht im therapeutischen Bereich arbeite, kann ich Dir nur meine "halbqualifizierte" Meinung zu sagen, vielleicht äußert sich unser anderer Onkel ja nochmal genauer (und korrigiert mich wieder :D) :)
    Ich persönlich bin der Meinung, dass Therapie eine Hilfe zur Selbsthilfe darstellt. Der Klient ist in Bereich X nicht handlungsfähig bzw. sein Verhaltensrepertoire reicht nicht aus, um bestimmte Situationen zu bewältigen, bisherige Versuche scheitern. Also begleitet ihn der Therapeut auf einem Lernprozess - sowohl auf kognitiver als auch auf der emotionalen Ebene. Dabei wendet er Methoden an, die sich als erfolgreich bewießen haben (zumindest einige Therapieformen :D) Das klingt jetzt mechanischer als es in der Praxis ist - lernen tut nämlich in dem Fall oft ein bisserl weh ;) Quintessenz ist jedenfalls, dass nicht der Therapeut die problematischen Situationen in Zukunft bestehen können muss/soll, sondern der Klient alleine. Deshalb: egal wie Du es drehst, ab einem bestimmten Punkt hat der Klient spätestens (wieder) die volle Verantwortung für sein eigenes Verhalten.



    Was von uns Psychologen dann v.a. vor Gericht verlangt wird, ist imho im Grunde nicht zu leisten: wir werden gefragt, (um es mal etwas salopp zu formulieren) ob man den Klient wieder auf die Menschheit loslassen kann. Und da können wir nur eine Prognose abgeben, keine Garantie. Hinzu kommen die schon von wrywindfall angesprochenen "Übersetzungsprobleme" - Psychologen haben ihre Fachsprache, Juristen eine völlig andere. Und beide Seiten haben oft wenig bis null Ahnung vom Fachgebiet des anderen, was die Kommunikation dann nochmal schwieriger macht.


    Insgesamt ist es ein schwieriges Gebiet und es ist imho oft auch eine Frage der gesellschaftlichen Bewertung bzw. des Kontextes. Für mich gibt es da wenig bis keine absoluten Aussagen, sondern immer ein
    einerseits.... andererseits...
    ;)


    So, und jezt lass ich mal den echten Onkel ran... ;)

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    Original geschrieben von astro73
    @DUSA-2272: Das Bild ist schematisch nicht schlecht, physikalisch aber nicht ganz richtig, ich hab das Bild mal etwas verändert, so meinte uelmuek das ganze wohl

    Hey! Also erstens isses 2772. Und dann muss ich Dich jetzt wohl leider wegen Verletzung der Urheberrechte verklagen - verwendest Du einfach so ungefragt meine Skizze hier :D Übrigens: "Skizze" bedeutet ja, dass es nicht bis ins Detail korrekt ist sondern die Sache stark vereinfacht. Oder anderst gesagt: ich hatte schlicht kein Bock mehr, in Powerpoint auch noch den Halbschatten da reinzufriemeln (denn ich hasse das Programm) :D

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    Original geschrieben von Glamourbabe
    @ Psy-Dan: Schön erklärt :top: ;) , das ist schon fast kein Name mehr, sondern ein Sammelbegriff.

    Danke! für ersteres und letzteres wollen wir hier nicht gehört haben! ;) "Sammelbegriff" - pah! :rolleyes: "Aber wir sind doch alles Individuen!" ;) :D

    Also wenn hatte die alte 6er Baureihe was. Da kann das neue Design vom 7er bis zum 1er nicht gegen anstinken ;) Natürlich nur imho - und über Geschmack brauchen wir ja nicht streiten.


    Naja, bei nem "Kleinwagen" ab 20.000 Euro (oder in richtigem Geldwert: 40.000 DM) kann es den Deutschen nicht wirklich schlecht gehen, oder? ;) Und schon gar nicht, wenn jeder, der was auf sich hält den alleine wegen dem Hinterradantrieb bald vor der Haustür stehen hat (in der schon erwähnten 30.000 Euro - Version)...
    Just my 2 cents

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    Original geschrieben von wrywindfall
    Und zu guter Letzt muss ich dem Onkel DUSA leider etwas widersprechen (sorry, Daniel, aber es ist halt nicht völlig dein Fachgebiet ;) ): Klar kann man merken, dass man auf kleine Kinder steht und dass das nicht so gerne gesehen wird. Aber da man ja auch prima sowas selbst verleugnen kann ("Ich beherrsche das, da hab ich kein Problem!") oder sogar supi verdrehen kann ("Na die wollten das doch selbst!"), kann man eben nicht verlangen, dass die auch selbst zur Therapie gehen.

    Hm - so hatte ich das auch nicht gemeint - da hab ich mich wohl nicht sehr gut ausgedrückt. Mein Punkt war, dass diese Leute trotz ihrer Verleugnung etc. zur Verantwortung gezogen werden können, ja müssen - und ich die Schuldfähigkeit nicht durch "die Kankheit" völlig einschränke.

    Der Artikel in der TAZ heute war gut. Der letzte Abschnitt war:

    Zitat

    Ja, sie soll ihre Chance bekommen, ihren eigenen Stil finden. Und vielleicht verändert sie ihre Late Night schließlich so, dass es für sie passt und sie sich endlich in ihrer eigenen Sendung wohlfühlt. Aber warum sollte ich dabei zusehen?
    BERND PICKERT


    [small]taz Nr. 7373 vom 3.6.2004, Seite 18, 45 Zeilen (Kommentar), BERND PICKERT [/small]

    Besser hätte man es wohl nicht formulieren können, oder? ;) :) :top:

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    Original geschrieben von holden
    mmmmh, berichtigt mich, wenn ich falsch liege, aber Venus/Erde sind doch keine Sterne, wie soll dann auf der Sonne ein Schatten entstehen ohne Lichtquelle (von irgendwie reflektiertem Licht mal abgesehen).

    Das war ja genau der Punkt, über den ich mich schon bei Martyns Vertipper (ich hoffe zumindest, dass es einer war ;)) amüsiert habe. Die Venus wirft natürlich keinen Schatten auf die Sonne, soviel ist mal klar - denn da fehlt die Lichtquelle.


    Allerdings wirft die Venus auch keinen Schatten auf die Erde - siehe diese völlig stümperhafte Skizze hier:



    Dazu ist die Venus entweder zu klein oder von der Erde (dat blaue Ding rechts) zu weit entfernt. Du siehst also lediglich den schwarzen Punkt, weil sich eben ein Objekt (Venus) vor einem anderen (Sonne) befindet.



    So, und jetzt werde ich 100mal "goggles" schreiben gehen :o

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    Original geschrieben von Abakus
    .... Psychisch kranke Menschen haben nunmal vor allem ein Problem: Ihre Krankheit zu erkennen. Nur wenn der Patient selber Einsicht hat, die Krankheit zu haben, ist er überhaupt therapierbar. Psychopathen neigen nunmal häufig dazu, sich selbst für völlig normal zu halten...

    Hm. Zunächst mal: es kommt ganz auf die Störung an, ob die Betroffenen das selbst erkennen. Angstpatienten z.B. wissen ganz genau, dass mit ihnen was nicht stimmt. Ob sie dann aber auch gleich oder freiwillig in Therapie gehen steht nochmal auf einem anderen Blatt - das kommt u.a. auf den persönlichen Leidensdruck an. Vorteil bei den Angstpatienten ist (um mal beim Beispiel zu bleiben), dass sie niemand anderst schaden (oder Schaden zufügen), wenn sie sich von Brücken, Höhen jeglicher Art, Menschenmengen etc. fernhalten.
    Bleibt die Frage, zu welcher Gruppe die 'Kinderschänder' gehören - sofern sie sich überhaupt in eine einzige Gruppe bringen lassen. Auch "Psychopathen" gibt es zwar in der Umgangssprache, aber nicht im ICD-10, Kap. F ;)
    Wo ich Dir weiter widerspreche ist der Punkt, dass selbst wenn diese Leute sich für normal halten und sich keiner Schuld bewusst sind, sie heutzutage in jeder Zeitung von Bild bis FAZ und in jedem Sender von RTL2 bis arte zu hören bekommen, dass das was sie da machen "nicht in Ordnung" und auch strafbar ist. Soweit ich weiß, kommt ein Großteil der Täter aus dem familiären Umfeld und geht auch meist einer stinknormalen Arbeit nach - sorry, denen kaufe ich ihre "Nicht-Verantwortung" schlichtweg nicht ab - ja, ich spreche sie ihnen sogar ab. Auch den Ersttätern. Wobei ich das in sofern einschränke, dass ich mit Dir übereinstimme, dass die Störung beim Strafmaß mit berücksichtigt werden kann - wobei der Umfang immer vom Einzelfall abhängt.


    Zitat

    Original geschrieben von Sebastian
    Kein Mensch hat die Urteilsbegründung gelesen und sich damit ein wirkliches Bild machen können, aber es wird wild theoretisiert und spekuliert.

    Nun, was den konkreten berichteten Fall angeht ist das sicherlich richtig. Ob hier die 3 Jahre jetzt angemessen sind oder nicht können wir natürlich nicht sagen (aber eine Meinung zu haben :D). Deshalb habe ich zu dem Strafmaß in dem Fall oder auch allgemein eine Aussage bewusst vermieden - dazu bin ich zu sehr Pragmatiker als würde ich da jetzt alle über einen Kamm scheeren wollen.


    Was aber auch ich höchst seltsam finde sind die verschiedenen Strafmaße für verschiedene Taten. Werner Koczwara hat das im Kabarett mal umgedreht betrachtet: Was bekomme ich für welches Strafmaß? Für den Preis von 1 Jahr ohne Bewährung kann ich mir aussuchen xyz, für 3 Jahre o.B. abc usw. Da kann man teilweise nur den Kopf schütteln wenn man das vergleicht.


    Allgemein gesehen halte auch ich es je nachdem was an Mißbrauch vorgefallen ist (um mal zum Thema zurück zu kommen) für fragwürdig, die Verurteilten wieder in ihre Umgebung zurück zu lassen. Auch so Auflagen wie "er hat sich von dem Kind fern zu halten" sind Käse - wie soll das bei Nachbarn denn im Alltag funktionieren? Sie fährt mit dem Rad vor den Häusern auf und ab, und er wird grad von der Frau verdonnert den Müll vor die Tür zu bringen. Tja: und nun? Auch hier haben wir teilweise wieder mehr Täterschutz als Opferschutz (was auch oft vom Weißen Ring bemängelt wird).

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    Original geschrieben von Abakus
    ...
    Und in diesem (Erst-)Fall stimmen wir dann nicht überein, denn dann ist der Patient meiner Meinung nach schuld-los (da ohne Vorsatz, Fahrlässigkeit o.ä.), auch wenn sein Verhalten nicht zu ent-schuld-igen ist... ;)


    Ne, da stimmen wir in der Tat nicht überein.
    So herum wird meiner Ansicht nach nämlich aus dem Täter ein Opfer - und das halte ich für eine Verdrehung der Tatsachen. Selbst wenn ich als Mann die "Krankheit" habe auf Kinder "scharf" zu sein (um es mal salopp zu formulieren), bedarf es nicht erst eines Richters, um mir a) zu erklären, dass dieses Verhalten in die Tat umgesetzt gesetzlich verboten ist und b) ich mal eine Therapie aufsuchen soll. Inzwischen ist überall nachzulesen, dass der sexuelle Missbrauch an Kindern strafbar ist und z.T. jahrelange psychische Schäden an den Opfern zur Folge hat. So leicht entlasse ich da niemand aus seiner persönlichen Verantwortung, Krankheit oder Störung hin oder her ;) Das mündet mir zu leicht in ein "oooch, der arme Kerl ist doch halt nu mal gestört, wusste das nicht und konnte schon gar nix für sein Verhalten - jetzt schicken wir ihn erstmal in Therapie".


    Es ist zwar richtig, dass es Störungsbilder gibt wie z.B. Psychosen, wo Patienten von ihrer Mündigkeit "befreit" sind. Ich gehe aber mal davon aus - ohne mich jetzt näher mit den Tätern von sexuellem Kindesmissbrauch auseinandergesetzt zu haben - dass die überwiegnde Mehrzahl im Vollbesitz ihrer geistigen Fähigkeiten ist. Sie mögen zwar ihre Tat(en) verharmlosen und als "nichts schlimmes" ansehen - aber dass es die Verbote und entsprechende Gesetze gibt wird ihnen nicht entgangen sein, genauso wenig, dass sie - sofern sie überhaupt mal vor Gericht landen - in eine Therapie geschickt werden, wo sie sich näher mit ihrem Verhalten auseinander setzten "dürfen".
    Und genau in diesem Punkt spreche ich ihnen ihre Schuld-los-igkeit ab. Es mögen von mir als alles "arme Schweine sein, die nicht anders können bevor sie therapiert werden" - aber das entbindet sie nicht 100% von ihrer Verantwortung für ihr Handeln. Man kann das auch gerne bei der Verhandlung des Strafmaßes berücksichtigen (ich bin auch kein Anhänger der "lebenslang wegsperren und Schwanz ab"-Fraktion ;)) - aber der Täter bleibt für mich immer noch Täter. Die Umstilisierung durch "Psychogelaber" zum Opfer geht mir jedenfalls gewaltig gegen den Strich.