Heidernei diskutiert ihr hier wild durch die Gegend 
Wie schon geschrieben, kann man das nicht über einen Kamm scheren. Ich als Eignungsdiagnostiker sage dazu: bevor ich eine Ausschreibung mache und Kandidaten einlade - egal um welche Stelle es geht, vom Azubi bis zum Vorstandsfuzzi - fängt der Prozess mit einer *Anforderungsanalyse* an! Und da werden die Ergebnisse weit auseinander gehen, je nach zu besetzender Stelle, je nach Ausbildungsgang! Was aber die meisten Stellen gemeinsam haben dürften, ist die Beherrschung der grundlegenden Kulturtechniken: lesen, schreiben, rechnen. Und dazu kommt noch: Auftreten oder im fachchinesisch: soziale Kompetenz.
So, und wenn meine Anforderungen stehen, entwickle ich ein Verfahren, um diese Anforderungen erfassen, sprich diagnostizieren zu können. Das ein viel zu großer Teil an Stellen in der Praxis "nach Haarschnitt" vergeben wird, weiß ich auch - diese Unternehmen sind halt selbst schuld.
Soviel also zum Thema Eignungsdiagnostik.
Ein weiteres Thema ist, ob es nun genug den Anforderungen gerechte Azubis für alle Ausbildungsplätze gibt. Schwer zu sagen - denn die Anforderungen sind ja sehr verschieden. Ich kann nur für den Bankenbereich sprechen: anhand unseres standardisierten Berufseignungstests der seit Jahren eingesetzt wird, lässt sich über die Jahre sehr schön sehen, wie die Ergebnisse *im Durchschnitt* schlechter werden - und damit auch die Anzahl der guten Bewerber kleiner wird. Entsprechend gibt es je nach Region schon mal Engpässe und es bleiben Stellen unbesetzt. Und zu diesem Zeitpunkt haben wir noch keinen Blick auf das Auftreten geworfen...
Ob jetzt eine Ausbildungsplatzabgabe Sinn macht oder nicht, ist eine *politische* Entscheidung. Ich persönlich und auf Grund meiner Erfahrung von ~1800 *getesteten* Bewerbern pro Jahr sage: reine Schickane. Es laufen mehr Pfeifen da draußen rum als uns lieb sein kann - und entsprechend behebt die Abgabe in keinster Weise das Problem.
So, nun endlich zu der Ausgangsfrage hier im Thread:
Klar befindest Du Dich hier in einem Interessenskonflikt. Du hast Dein Interesse einen möglichst interessanten Ausbildungsplatz bei einem möglichst interessanten Arbeitgeber zu bekommen. Das Unternehmen hat das Interesse, die schon ausgewählten Bewerber durch die Unterschrift an sich zu binden, schließlich steht es in einem Wettbewerb um die besten Bewerber.
Keine Ahnung, was für ne Firma das ist, bei der Du Dich vertraglich schon gebunden hast. Aber genauso wenig, wie die meisten (und vor allem großen) Unternehmen sich noch irgendwie ihren Angestellten verpflichtet fühlen, sind die Mitarbeiter noch loyal ihrem Unternehmen gegenüber. Das ist eben die Kehrseite der Medallie, worüber sich die wenigsten Vorstände Gedanken machen. Denn die guten Leute sind als erste weg und warten nicht drauf, bis sie von heute auf morgen vor die Tür gesetzt werden.
Fazit: auch wenn es "nicht die feine englische Art" ist, "unfair" ist usw - das Leben ist hart und in der Wirtschaft mit am härtesten. That's the game und die Auswirkungen lassen sich täglich im Handesblatt u.ä. verfolgen. Wenn Du einen zweiten Vertrag vorgelegt bekommst und Dir dieses Unternehmen besser gefällt, die Ausbildung auch noch besser ist: unterschreiben. Und den anderen absagen. Shit happens! That's life.