Zitat
Original geschrieben von ISCH
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Eheleben ist unmodern und wird auch vom Staat nicht geschützt. Das ist das Problem, denke ich.
Hier hast Du imho einen wichtigen Punkt aufgegriffen: Die Basis für eine längerdauernde Paarbeziehung sind heute um vieles schwieriger als früher. Unsere Eltern sind damals in ihren ersten Job gegangen und wussten, dass sie - wenn sie möchten - dort fast bis zur Rente bleiben können. Heutzutage wird man ja in der Wirtschaft schon fast schief angeguckt, wenn man wo länger als 5 Jahre gearbeitet hat. Der moderne Mensch ist hyper-flexibel, überall und quasi von heute auf morgen in ganz Deutschland, Europa bzw. global einsetzbar. Das galt natürlich auch früher schon für einige Arbeitnehmer, heute ist es aber fast Grundvoraussetzung für egal welchen Job. Das mag für eine Einzelperson noch gut gehen, wie unter diesen Umständen aber langfristig eine Paarbeziehung entstehen/wachsen/sich verfestigen soll ist vielen nicht so ganz klar. Der Mann hockt in München (wochenweise auch mal in Berlin), die Frau in Hamburg (wochenweise auch mal in Stuttgart oder Greifswald). Dass beide im Umkreis von 100km einen qualifizierten Job bekommen, in dem sie die sich vorgestellte Karriere machen können ist eher selten. Zumal wenn die (selbstgewählten und/oder gezwungenen) Jobwechsel alle x Jahre hinzukommen.
Wo ich Dir aber widerspreche ist der fehlende "Schutz vom Staat". Wenn Du mich fragst, ist der Staat in dieser Frage längst entmachtet und kann nur noch mit paar Beigaben der Lage hinterher hecheln. Da bestimmt längst die Wirtschaft über unser (Zusammen)leben - und das hat eben möglcihst effizient zu sein.
In dem Zusammenhang lese ich gerade ein sehr interessantes Buch: Unser effizientes Leben. Die Diktatur der Ökonomie und ihre Folgen.
von Dirk Kurbjuweit (hatte ich letztens schonmal wo verlinkt).
Das beantwortet zwar jetzt nicht die Eingangsfrage, zeigt aber imho doch einige Schwierigkeiten, vor die sich v.a. junge Menschen gestellt sehen. Dass es hinterher in der Praxis einfacher ist, als man es sich vorher vorstellt, ist auch klar (sieht man ja an den Postings von den Vätern hier). Aber wer derzeit mit Anfang 20 noch in der Ausbildung steckt, noch keine Ahnung hat, ob er/sie jemals einen halbwegs gut bezahlten Arbeitsplatz finden wird (mit entsprechend nem Arbeitsplatz für den Partner in der "Nähe") - wie soll man sich da vorstellen können Kinder zu verantworten?
Was imho fehlt, ist eine Vorstellung, wie es in Zukunft aussehen könnte. Zurück zu "die Frau als Heimchen am Herd" können wir nicht zurück (obwohl ich den Eindruck bei einigen Politikern habe, dass dies genau ihre Vorstellung ist), zumal so eine Frau inzwischen auch von den meisten Männern abgelehnt werden dürfte. Das andere Extrem - jede/r zieht seinen Egotrip mit Karriere durch - funktioniert aber offensichtlich auch nicht so gut. Wo der Staat (um mal wieder auf den "Schutz" zurück zu kommen) unterstützend wirken könnte, wäre Bedingungen schaffen, dass Eltern die Chance haben beide zu arbeiten und unterdessen die Kinder nicht auf der Straße hocken. Nur da tun sich die Deutschen dann wieder schwer, denn in den Köpfen ist immer noch drin "nur die anwesende eigene Mutter ist eine gute Mutter"
Und es fehlt natürlich wieder das Geld... Und da beißt sich die Katze wieder in den Schwanz...