Zitat
Original geschrieben von Krähe
... Die Gesellschaft in Star Trek ist, um es mal mit den Worten eines (angehenden ;)) Soziologen auszudrücken, eine positive Utopie, also eine im Grunde genommen gute Vorstellung, deren Durchführung allerdings so gut wie unmöglich ist.
Wenn ich mal mein etwas angestaubtes Wissen über Star Trek herausziehe, basiert doch die (menschliche) Gesellschaft einfach darauf, daß alle Menschen beispielsweise ihren Beruf nicht für Geld sondern zum Wohle der Gemeinschaft und um seines selbst Willen ausüben (sollte ich da daneben liegen, bitte ich um Berichtigung), und ich bin mir sehr sicher, daß die menschliche Gesellschaft einen solchen Zustand niemals erreichen wird. ...
Klar ist ST eine Utopie

Ein Punkt in dieser Utopie ist die Sache mit dem Geld - es gibt schlichtweg keines :eek: Und erklär das mal jetzt einem Börsianer 
"... How much did this thing cost?" - "The economics of the future is somewhat different. You see - money does not exist in the 24th century." - "No money! You mean, you don't get paid?" - "The acquisition of wealth is no longer the driving force in our lifes. We work to better ourselves and the rest of humanity."
Den letzten Satz dieses Zitates sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen! Stellt euch diese einfache Frage: habt ihr euch selbst, bzw. hat euch jemand anderes, jemals gefragt, was ihr wirklich in und mit euerm Leben anfangen wollt? Und wenn ja, seid ihr der Frage wirklich auf den Grund gegangen? Typischerweise antworten die Menschen nämlich mit irgendwelchen Zielen ala "ich will mir ein Auto kaufen" oder "ich will mir ein Häuschen bauen können". Das ist aber nur ein "Zwischenziel", wo ganz andere Bedürfnisse dahinter stehen! Eine gute Frage, um auf den Grund der Sachen zu kommen ist: "Was ist wirklich wesentlich in meinem Leben? In der Privatwelt, in der Berufswelt und in der Professionswelt?" Es ist erschreckend, wie los- und abgelöst die westliche Welt von diesen Fragen lebt
Und vermutlich werdet auch ihr erschrecken, wenn ihr die Sache mal ernsthaft durchdenkt...
In der Welt von Star Trek hat sich relativ offensichtlich jeder diese Frage beantwortet - und handelt entsprechend seiner eigenen Vision. Dass dies im Kapitalismus nicht möglich ist, liegt natürlich auch auf der Hand...
Um den Bogen zur Politik wieder zurück zu bekommen: auch hier fehlt es völlig an positiven Visionen
Wir hören nur ständig, was wir (bzw. die Parteien/Politiker) nicht wollen. Und wenn mal eine daherkommt und eine solche positive Vision zeichnet (ala "keine Atomkraft" - ein plakatives (!) Beispiel, das mir spontan einfällt), wird sie von allen mitlerweise ausgelacht und als Verein von Traumtänzern beschimpft, die endlich aufwachen sollen. Tja - kann es sein, dass wir da alle mit der Zeit zu zynisch geworden sind?
Andere Parteien haben so etwas wie ein Bild, wie ihrer Meinung die Gesellschaft wieder aussehen müsste - damit habe ich folgende Probleme: das Bild ist (meist) rückwärts gewand, d.h. es soll wieder ein alter Zustand hergestellt werden und es sollen wohl die Probleme von heute mit Konzepten von gestern gelöst werden. Es wäre schön, wenn es funktionieren würde - wir probieren es auch immer wieder aufs Neue - fallen damit aber regelmäßig auf die Nase (und lernen auch nichts daraus).
Was aber dazu gehört, die Probleme von heute mit Konzepten von morgen (!) zu lösen, ist ein unverstellter Blick auf die Realität - klar, da hat jeder eine etwas andere, aber was allen gemein ist, ist, dass wir - wie hier schon so oft beschrieben - nur mal kurz geguckt wird und schon eine Lösung aus dem Hut gezaubert wird. Und das ist kein unverstellter Blick, sondern Augenwischerei
Der Kreislauf von Sandstreuerei - Politikverdrossenheit - einfachere Darstellung der komplexen Herausforderungen - Verdummung der Menschen hatten wir hier ja auch schon zur Genüge...
So - jetzt sollte ich eigentlich schon im Auto sitzen und war noch nicht mal unter der Dusche (soviel zu "eigene Bedürfnisse ausleben" :D)... Aber es gibt ja auch erstmal genug zu knabbern 