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Original geschrieben von Joe2
sehr hohe Neuverschuldung unter Kohl, aber: ein Viertel Deutschlands lag wirschaftlich am Boden. Die Kosten der Wiedervereinigung wurden unterschätzt, aber ich denke durchaus, dass es trotz allem den Preis wert ist.
Natürlich war die Wiedervereinigung richtig!
Aber die Kosten der Wiedervereinigung wurden doch nicht unterschätzt! Ich war vor zwei Jahren erstmals in den neuen Ländern (nur Dresden) und selbst wenn das der Stand von 90 gewesen wäre, dann hätte ich immer noch gemerkt, dass das nicht so einfach zu finanzieren ist. Da halte ich es dann wirklich für kleinkarriert, der SPD jetzt Wahlbetrug vorzuwerfen.
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Original geschrieben von Joe2
Was man Kohl (und damit auch der CDU) jedoch wirklich vorwerfen kann, ist die starke Stellung von Sozi-Politikern in seiner Regierung: Blüm & Co. haben mehr oder weniger SPD-konforme Umverteilungspraktiken betrieben und damit den heutigen Stillstand im Bereich Gesundheit, Soziales und Rente vorbereitet.
Also m.E. hat sich die Kohlregierung nicht in die falsche Richtung bewegt, sie hat sich in den 90er Jahren eigentlich gar nicht mehr bewegt - es wurden sämtliche Probleme heruntergespielt. Kohl hatte m.E. immer nur noch die nächste Wahl im Blick.
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Original geschrieben von Joe2
Nur: die SPD will diese Missstände nicht sehen bzw. kann es bei der massiven Gewerkschaftsdurchdringung nicht offen vertreten, dass jetzt bei allen Gruppen finanzielle Einschnitte kommen müssen:
das Gesundheitssystem in der heutigen Form ist nicht mehr lange funktionsfähig, aber der richtige Ansatz der TKK mit Selbstbeteiligung wurde gleich als "unsozial" abgestempelt. Unsozial ist das heutige System, bei dem man AOK-Prachtbauten in der Innenstadt mitfinanziert.
Da geb ich Dir weitgehend recht, allerdings ist da von der Opposition m.E. noch weniger konstruktives zu hören. (- Von ziemlich radikalen und deshalb nicht durchsetzbaren liberalen Ansätzen abgesehen.)
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Original geschrieben von Joe2
Lockerung des Kündigungsschutzes: "unsozial" - ist es nicht unsozialer, wenn der gesamte Handwerksbetrieb mit 10 Mitarbeitern darunter leidet, dass er seine Anzahl Mitarbeiter nicht an die wirtschaftliche Lage/Auftragslage anpassen kann?
*zustimm*
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Original geschrieben von Joe2
Rentenversicherung: die Rente ist sicher (O-Ton Blüm) - so ein Quatsch, der Staat hat eine minimale Grundversorgung sicherzustellen, alles andere muss in der Hand der Bürger liegen. Wer mit 30 lieber ein teures Auto fahren will (das er sich eigentlich nicht leisten kann) als etwas fürs Alter zurückzulegen, braucht sich später nicht über finanzielle Engpässe beschweren. Die Finanzierung über die Autofahrer lasse ich dabei mal aussen vor, wobei dies ein interessanter Ausfluss der chaotischen Denkweise ist: getroffen davon wird nicht der Besserverdiener sondern der kleine Mann, der seine monatliche Fahrleistung nach dem Spritpreis richten muss.
Naja, da hat die Regierung versucht zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen - ob das Sinn macht, ist etwas anderes. Der Gedanke ist jedenfalls Benzin zu schrittweise zu verteuern, um einen Trend zu weniger/sparsamerem Autofahren zu unterstützen. Ob das wirklich so falsch ist, ist die Frage.
Zum "kleinen Mann": Bei Gelegenheit mal die Mineralölsteigerungen unter Kohl anschauen...
Gleichzeitig gibt es das Problem der Rentenkasse, die hierdurch entlastet wird. Völlig daneben ist das m.E. nicht, auch wenn sicher kein direkter Zusammenhang zwischen Rente und Kraftstoff besteht.
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Original geschrieben von Joe2
Die SPD hat einfach keine andere Wahl als vor den mächtigen Interessenvertretern zu kuschen und neue Umverteilungen zu kreieren.
Andere Parteien unterliegen auch Einflüssen... Die Gewerkschaften meinen sich leider ausgerechnet jetzt besonders profilieren zu müssen - kann man ja auch gut an den aktuellen Lohnrunden sehen.
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Original geschrieben von Joe2
Wohin dies Deutschland führt sieht man ja momentan. Die einzige ALternative ist eben nunmal die andere große Volkspartei, die sich gerne einige Anregungen von der FDP holen kann.
Nichts für ungut, aber die Vorschläge der Opposition hauen mich wirklich nicht vom Hocker - konstruktive Opposition sieht m.E. anders aus. Wird jetzt ja hoffentlich besser.
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Original geschrieben von Joe2
Letztlich ist es mir relativ egal, wie die Partei heisst, die es schafft, die verkrusteten Strukturen aufzubrechen und endlich wieder Bewegung ins Land zu schaffen, aber die Hoffnung mancher SPD-Wähler, dass diese es schaffen könnte, die wahnsinnigen Vorstellungen der Klassenkämpfer zu mäßigen, hat sich ja leider nicht bewahrheitet.
Einen anderen Weg als weniger Soziales und mehr Markt scheint es nicht zu geben, da muss man eben in den sauren Apfel beissen.
Wie schon angedeutet: Ich denke, die aktuelle Regierung hat in 4 Jahren mehr erreicht, als Kohl in den 8 davor. Warum allerdings seit der Wiederwahl die Koalition ein derart schlechtes Bild abgibt, ist mir nicht wirklich klar - ich dachte sie hätten vom ersten Mal gelernt...