Jetzt bin ich mal ein wenig spitzfindig. Wann hat eigentlich die Globalisieung begonnen?
Meiner Meinung nach durch die terrestrische Exploration überwiegend von Ost nach West, als Christoph Kolumbus, Vasco da Gama und Ferdinand Magellan neue Handels-, Verkehrsrouten, Kontinente und Länder entdeckten. Marco Polo sei noch in anderer Richtung in dem Kontext erwähnt.
Die Entdeckung Amerikas führte zu einer epochalen Zäsur und beendete unter anderem das Mittelalter. Die Eroberung der neuen Welt setzte ein und damit starteten Ausbeutung, Kolonialisierung und so weiter. Das ging -um es abzukürzen- lange Zeit so weiter, man denke nur an die europäischen Kolonien vor dem 1. Weltkrieg. Diese bzw. die Folgen daraus stellen heute übrigens den Hauptgrund der weltweiten Dauerkonflikte (z. B. Naher Osten, Pakistan versus Indien, Nord- vs. Südkorea usw.).
Kurzum, die damals schon beginnende Globalisierung von Ost nach West brachte im Grunde durch Ausbeutung ein Wohlstandsniveau nach Europa, das immer noch nachwirkt. Und genau diese Globalisierung kommt (die Erde ist rund) wie ein Boomerang von Ost nach West zurück. Weshalb? Weil diese Länder preiswerter produzieren können, weil sie eben kein höheres Wohlstandsniveau (durch Ausbeutung) erfahren haben und deshalb weniger Ansprüche hatten/haben und nun gerade deshalb wettbewerbsfähiger sind, weil dort deutlich geringere Lohnstückkosten vorherrschen.
Deshalb behaupte ich, dass wir uns epochal mehr am Ende des Globalisierungszyklus befinden als am Anfang (eine Frage der Perspektive). Dort findet jedoch immer noch ein Ausgleich bzw. eine Ausbalancierung des Wohlstandsniveaus statt. Die alte Welt muss mehr oder weniger Wohlstand abgeben, die neuen global agierenden Länder nehmen globalen Wohlstand auf. Das kann man auch gut an der (Kapital-)Marktkapitalisierung der sogenannten Emerging Markets/Dynamic Markets sehen. Deren relativer 'Marktanteil' an der globalen Gesamtmarktkapitalisierung wuchs in den letzten 30 Jahren stark zu Lasten der etablierten (alten) Industrieländer an. Das wird noch eine Zeit lang so weitergehen. Man kann das auch durch die höheren Wachstumsraten festmachen.
Am Ende des jahrhundertelangen Zyklus schwinden die Stückkostenvorteile dieser Länder dann aber auch sukzessive (durch den Wunsch an globaler Wohlstandsteilhabe), die derzeit einen hohen Anpassungsdruck der Industrieländer (Spezialisierung, Effizienz, Produktivität, Qualität, sektoraler Wandel, Digitalisierung etc.) bedingen.
Am Ende des Tages bleibt zur Differenzierung der weltweiten Mitbewerber untereinander (alte und neue Industrie-/Dienstleistungsländer) nur die Spezialisierung übrig. Nur daraus schaffen wir Möglichkeiten, auch am Ende des Globalisierungszyklus und danach global (fair) und vor allem auch mit Wohlstandsteilhabe aller gute Handelsbeziehungen zu pflegen. Bedingung dafür sind jedoch Bildung und Spezialisierung. Nur mit ihnen können wir Dinge, Know-How oder Services erschaffen, die andere nicht bzw. nicht in dieser Qualität haben und gerade deshalb mit uns wirtschaftliche Aktivitäten aufnehmen (vgl. 'komparative Kostenvorteile nach Ricardo'). Wer diese Notwendigkeit verkennt, wird sich vom aktuellen Wohlstandsniveau verabschieden müssen. Ohne das nun despektierlich zu meinen, ein Stoff zum Nachdenken: Ein europäischer 'Geringverdiener' ist im Vergleich zu einem chinesischen Wanderarbeiter aus dessen Sicht ein Topverdiener.
So, das war jetzt ein kleiner Gedanken-Ausflug. Immobilien sind ja das eigentlich Thema. 