ZitatOriginal geschrieben von Leserin
Unter dem Deckmantel der Meinungs-...freiheit werden jetzt neue Grenzen getestet.
Wenn Du die neuen Rechten meinst, kann ich Dir leider nur zustimmen.
Die hier postulierten fremdenfeindlichen Kommentare sind beschämend. Und ich stelle mit Erschrecken fest, wie empfänglich und wie schnell empfänglich doch das neue moderne und angeblich weltoffene deutsche Bürgertum für neue nationalistische Bewegungen ist.
Als Deutscher mit jüdischen Wurzeln bewegen mich diese Tage besonders. Sie klingen so, wie sie von Menschen aus der Erinnerung einer dunklen fernen Zeit vor 70-80 Jahren erzählt und weitererzählt werden. Von einer Zeit, die man eigentlich auch heute für unmöglich hält/hielt, was Menschen Menschen antun können und mit welchem Hass sie damals agierten. Und von den Anfängen, die zu dieser Entwicklung führten. Und gerade diese Anfänge gleichen sich mit den Anfängen dieser aktuellen Entwicklung. Erst waren es vor kurzem die Wutbürger im Schafspelz, heute brennen bereits die ersten Flüchtlingsheime.
Das Fremde und Menschen in humanitärer Not werden von heute auf morgen für böse, radikal und für gefährlich erklärt. Schmutz und Bedrohung belasten plötzlich Deutschland, nimmt Deutschland was weg. Und dies wird als Grund dafür genannt, weshalb man noch entschiedener dagegen vorgehen muss. Jeden Tag sieht man in den Medien, wie aus Wut Hass und aus Hass Gewalt wird und man sieht Berichterstattungen von Anschlagsversuchen auf Flüchtlingsheime oder Politiker. Damals flüchteten weitblickende Juden. Sie waren ja die Schmarotzer. Das Weltjudentum, das eine verschworene Allianz zum Leid der Deutschen führte. Der Jud Süß. Wie die aktuell schmarotzenden Flüchtlinge, die nur hierher kommen, weil sie einem Geringverdienenden die Arbeit wegnehmen wollen oder bei den Sozialsystemen in Wettbewerb mit den in der Gesellschaft Benachteiligten treten wollen. Andere Juden glaubten an das Gute in Deutschland, das Jahrzehnte ihre Heimat war. Juden kämpften im ersten Weltkrieg für Deutschland, ihrem Vaterland. Keiner konnte sich vorstellen, was dann passierte. Sie landeten durch das Sähen von Hass vor den Toren, auf denen stand, 'Arbeit macht frei', weil das Gute sich in Deutschland zum Grundbösen entwickelte.
Und was passiert nun in diesen Tagen?
Da stehen diese Wutbürger bei den Demos von Pegida in Dresden herum, gröllen sabbernd und jubelnd Leuten wie Pirinçci zu ('leider gibt es heute keine KZ's mehr') und glauben auch noch, sie würden unter dem Zeichen christlicher Werte handeln. Es ist eine Schande für dieses Land.
Weil es gerade so schön passt: Vor mir liegt ein Schreiben aus Sachsen-Anhalt; Nachlassgericht. Ich habe eine Immobilie (Mehrfamilienhaus) geerbt. In der Stadt hat die NPD einen Anteil von 13,5%. Ich bin der einzige mögliche Erbe. Trete ich es nicht an, dann fällt es dem Staat zu. Ich kann mir es erlauben, auf diesen Vermögenswert zu verzichten. Schon allein die Vorstellung, dass der Staat diese Immobilie für Flüchtlinge umwandelt und es den 13,5% der Ewiggestrigen vor die Nase knallt, führt mich zu der Entscheidung, dass ich mit einem zufriedenem Lächeln ablehnen werde. Ich werde keinen einzigen Euro-Cent (z. B. für Modernisierung) dorthin investieren, wo die NPD 13,5% der Stimmen hat und dort diese Geisteshaltung des Fremdenhasses vermehrt auftritt und sich wohl in diesen Tagen immer weiter auch durch Pegida-Demonstrationen bedingt vermehrt. Weshalb soll ich dort lokale Betriebe mit Aufträgen ausstatten? In denen Menschen arbeiten, für die Fremdenhass ein Freizeitsport ist und welche die NPD wählen? In den nächsten Tagen werde ich einen Termin mit meinem Notar vereinbaren, damit dieser meine Ausschlagung der Erbschaft in die Wege leitet.
Ihr mögt mich als 'Gutmensch' beschimpfen. Für meinen Teil ist es ein Zeichen des Protests gegen diese Fremdenfeindlichkeit. Und es gibt für mich nichts Ehrenwerteres, als Gutmensch zu sein.
Weil ich mir immer bewusst mache; das Gegenteil nennt sich 'Schlechtmensch'. Und gegen diesen trete ich entschieden ein, solange ich lebe.