.. Der Begriff "Eigenverantwortung" wird leider von FDP und dem Wirtschaftsflügel der CDU seit Jahren missbraucht um Belastungen und Risiken auf die Bevölkerung abzuwälzen, ..
Jetzt hast Du aber den Begriff 'Chancen' vergessen, die damit verbunden sind, vielen offen stehen und wahrgenommen werden könn(t)en.
Heute sieht es doch so aus, wenn jemand viel leistet und entsprechend verdient, dann wird mit dem Finger darauf gezeigt, wie unfair und unsozial das doch ist. Dass eine lange Ausbildung, Mehrleistung, Mehrverantwortung, überdurchschnittliche Arbeitszeiten und im Umkehrschluss wenig oder eine nur komprimierte Freizeit dahinter stehen, wird gerne mal unter den Tisch gekehrt.
Und jene, da nicht viel leisten oder auch nicht in Bildung und Qualifikation investieren wollen (ich rede nicht von denen, die nicht leisten können - da haben wir ein Subsidiaritätsprinzip und in Summe den wohl besten Sozialstaat auf der Welt), wollen deshalb für die Gering(er)leistung einen sozialen Ausgleich. Angeblich wegen der Fairness. Eigenverantwortung hat zwei Komponenten: Chancen (im Sinne der Wohlstandsteilhabe zu profitieren) und UND (Selbst-)Verantwortung (, Risiken bis zu einem bestimmten Grad alleine zu tragen oder zu managen; was darüber hinausgeht > Subsidiaritätsprinzip).
Ein einfaches Beispiel:
Gehe ich heute das Risiko ein, Aktien zu kaufen, damit ein Unternehmen damit wirtschaften kann, dann sieht es doch so aus:
- Verliere ich durch meinen Einsatz Geld, dann ist das mein alleiniges Problem. Das Engagement, aus eigener Kraft bzw. aus der eigenen Leistungserbringung heraus dem Wirtschaftskreislauf Risikokapital zur Verfügung stellen zu können, wird als wertlos für die Gesellschaft betrachtet (was es definitiv nicht ist). Ich kann meine Verluste in der Regel nicht mit anderen Einkunftsarten gegenrechnen.
- Geht es jedoch gut und gewinne ich damit Geld, soll ich ausgerechnet über Steuern die Gering(er)leister oder Angsthasen durchfüttern, welche nun plötzlich wegen der Fairness den Finger heben. Weil ich ja 'nur' Glück hatte, zu gewinnen. Das eingegangene Risiko wird als wertlos bzw. als Nichtaufwand erklärt. Nun ist der Ertrag meines Engagements, dem Wirtschaftskreislauf Risikokapital zur Verfügung zu stellen (bzw. stellen zu können), das aus eigener Kraft bzw. aus der eigenen Leistungserbringung heraus entstanden ist, plötzlich unfair (im Gegensatz zu den Risikokosten, die ja mein alleiniges Problem sind). Deshalb werde ich nun zur Kasse gebeten.
Häh? So definiert der linke Flügel missbräuchlich Eigenverantwortung.
Wir haben heute eine Situation, wo sich ein Leistungsbringer mit einer 60-70 Stundenwoche und mit wesentlich höherer Verantwortung vor anderen mit 38 Stundenwochen und geringerer Verantwortung rechtfertigen muss, weshalb er mehr verdient und das auch noch in Ordnung findet.
Was langfristig mit einer solchen Rahmenbedingung passiert, haben wir in der DDR gesehen. Wenn die Leistungsträger beginnen, mit der Leistung zu geizen, weil der Nichtleistende ja auch nicht mehr macht (und der Lohnabstand dabei nur sehr gering ist oder immer geringer wird), dann leidet die Produktivität, die Wirtschaftskraft und so weiter, da das Geld, was ausgegeben werden soll, auch verdient werden muss. Die DDR ist deshalb zugrunde gegangen. Mit der Wiedervereinigung wurde diese Unproduktivität (als systembedingte Folge) schonungslos offengelegt. Der Rest ist bekannt.
Deshalb benötigt Eigenverantwortung auch einen Anreizmechanismus (Leistung muss sich lohnen). Und für andere eben die Sanktion (wenn Du faul bist, dann biste selber schuld). Und so sehe ich das auch in Bezug auf Corona. Hilfe oder Erleichterungen für diejenigen, die sich anständig und kooperativ verhalten. Für die Maskenverweigerer oder Ist-mir-doch-egal-Urlaubsfahrer (die dann auf den Sozialstaat hoffen, welchen übrigens die Leistungsträger finanzieren) eben ne schöne Rechnung (andere nennen das dann 'Belastungen abwälzen').
Ich persönlich halte es für einen Schande, wie Deutschland mit seinen Leistungsträgern umgeht. Denn diese Gruppe finanziert vieles. Auch die Corona-Risikogebiet-Urlauber und Maskenverweigerer.