Zitat
Original geschrieben von Timba69
Ach, kuck an..:-)
Hattest du (mit anderen) nicht immer gesagt, MS und WP(8) ist die große Rettung für Nokia und Android tödlich? Ich meine, mich daran in dem entsprechenden Thread erinnern zu können.
BTW: War doch beim iPhone bei dir genauso, oder?..:-) Du bist doch jetzt auch ein Apple User. Willkommen auf der hellen Seite der Macht.
Das ist völlig korrekt. Du kannst sogar jede meine Äußerung in chronologischer Reihenfolge nachvollziehen.
> 'MS und WP(8) ist die große Rettung für Nokia und Android tödlich.'
Die nicht ganz genaue zitierte Aussage meinerseits ist auch ex-post betrachtet vollkommen richtig gewesen. Die Frage ist der perspektivische Standpunkt. Ich betrachte die Dinge überwiegend aus der ökonomischen Brille. Das mag für den Juristen mitunter schwierig sein, ;). Aber mal Spass beiseite. 
Wir erinnern uns:
- Nokia war mit Symbian nicht mehr überlebensfähig.
- auch mit MeeGo war die Situation vergleichbar, auch wenn es die Hätte-Wäre-Wenn-Fraktion als die Lösung allen Übels romantisch verklärt hat und das erstaunlicherweise immer noch tut.
- mit Android hätte Nokia zu damaliger Zeit niemals gegen die Platzhirsche Samsung & Co. einen nennenswerten Stich machen können.
- daneben war der Wasserkopf bei Nokia zu groß. Überkapazitäten, gleich wo man hinblickte. Er verbrannte wahnsinnig viel Geld. Er war es auch, der unnötig Ressourcen im Lagerkampf zwischen Symbian und Meego verbrauchte. Und der Abbau ebenso stark belastend.
- die vorhandenen Fertigungshallen verbrannten ebenso Geld, während die Mitbewerber fremdfertigen ließen. Schon allein dies machte ein Weiter-So oder einen Android-Switch unrealistisch. Nokia musste den Wasserkopf losbekommen. Hätte Nokia damals die Android-Option gewählt, wären sie schon längst pleite. Weil deren erste nennenswerten Produkte in die Sättigungsphase hineingelaufen wären.
- die Entscheidung, die Kapitalspritze von MS zu wählen, war unternehmerisch absolut richtig
- mit ihr konnte sich Nokia einerseits wieder fit machen (Cash-Burn reduzieren, Personal abbauen, sich hin zu Core-Assets hinwenden etc.)
- Nokia brachte seinen Teil der Kooperation. Die Hardware war bezeichnend gut (so auch die Fachpresse). Gewohnte Nokia-Qualität eben.
- Microsoft konnte oder wollte bei der OS-Entwicklung nicht Schritt halten. Das war ex-post das Dilemma, das man damals aber noch nicht vorzeichnen konnte. Und Verschwörungstheorien überzeugten mich noch nie.
- Nokia zockte MS ab, wie in einem perfekten Pokerspiel und spielte mit Android herum, natürlich 'ungewollt öffentlich'
- MS sah seine Mobilfunkstrategie massiv gefährdet und zahlte Nokia für deren verlustreiche Mobilfunksparte aus.
- das fand ich wirklich cool und abgebrüht.
Geht es unternehmerisch (ich betrachte die Zeit ab Restrukturierung) besser? Wohl kaum:
- ist von der laufenden Insolvenzgefahr (jeder Quartalstermin war ein Zittertermin und ein regelrechtes Day-Trading-Spekulantenfest) in die formidable wie entspannte Solvenz geswitcht, auf einen Schlag, quasi fast über Nacht
- das Unternehmen verfügt über interessante Assets (die immer wieder mal vom Mainstream ignoriert werden)
- hat sich von allen Altlasten und Überkapazitäten entschlackt (entweder verkauft oder nun alle bei MS)
- Das Unternehmen Nokia ist endlich seinen Wasserkopf los (nun alle bei MS)
- Alle Ratingagenturen haben ihre Ratings deutlich angehoben
- So lebendig war Nokia seit vielen Jahren nicht mehr
- der Aktienkurs hat sich von 1,34 EUR auf 5,87 EUR erholt, mehr als verdreifacht
- Nokia hat damit Apple deutlich outperformt (relative Performance)
- und wer dachte, das sei nur ein kurze Entwicklung, hat sich wieder getäuscht > seit der Restrukturierung sind wir aktuell auf dem höchsten Niveau seit dem Tief bei 1,34 EUR (Tagestief lag damals Intraday bei rd. 1,25 EUR).
- WindowsPhone ist weiter im Spiel und auch nicht tot oder gescheitert
- Gameplayer ist nun MS
- nur nun noch fokussierter, da MS erfolgreich sein MUSS
- Nokia kann das egal sein
- Nokia kann nun erstmal gelassen dem Wettbewerb in einem nahezu gesättigten Markt zusehen
- es wird ein harter Marktanteilskampf im Endgerätegeschäft werden
- Nokia ist da fein raus, hat aber alle Patente und die pfiffigen Ideen im Korb (PureView sei exemplarisch benannt; am Rande Apple sucht ja auch bereits aktiv Ex-PureView-Teammitglieder)
- zudem kann es Duftmarken im Netzgeschäft, im Automotive- und Location-Based-Service-Geschäft setzen, während sich andere versuchen, zu zerfleischen
- kann ab 2016 jederzeit interessante Optionen prüfen, aber ohne den Wasserkopf von früher
- und ohne Wettbewerbsdruck (im Sinne von 'streiten sich zwei, freut sich der Dritte')
- aber da, wo es in der Sättigungsphase für viele verdammt weh tuen wird, kann Nokia attraktive Allianzen (Kooperation, Lizenzen, Patente) anbieten und damit den Wettbewerb indirekt beeinflussen.
- mit einer kleinen feinen Truppe zudem etwas Neues wagen - ohne Wasserkopf.
- hier bin ich sehr optimistisch
Ich bleibe dabei > Android in der damaligen Situation wäre absolut tödlich gewesen. Insofern war W8 damals die beste Entscheidung unter einer Vielzahl von Optionen und letztlich auch die große Rettung für Nokia. Die Entscheidung brachte im Endergebnis eine äusserst erfolgreiche Unternehmenssanierung.
Mag sein, dass es andere Positionen hierzu gibt (ich freue mich schon auf das bald beginnende Aufheulen; so was macht ja durchaus Spass ;))
Aber es dürfte ja bekannt sein, dass ich die Dinge manchmal ausserhalb des Mainstreams betrachte.
Und das -und gerade das- gab mir bei Apple (damals am Top short) wie auch bei Nokia (damals am Low long) Recht, weil die Mehrheitsmeinung nicht immer die beste Wahl ist (siehe als Querverweis auch: http://en.wikipedia.org/wiki/Contrarian_investing).
Anmerkung:
Ich und Apple. Nun ja. Für mich war das eine rein rationale wie ökonomische Entscheidung. Es lag nicht nur daran, dass ich das mit Nokiafreuden bezahlt habe, sondern auch daran, dass ich einen deutlichen Preisnachlass bekommen habe. Auch wollte ich mich zukünftig auf andere Dinge konzentrieren, als immer wieder und wieder mit irgendwas herumzuspielen. Auch ich werde älter. Habe ich im Applebereich schon geschrieben. Begeisterung war jedoch -und das betone ich an der Stelle ausdrücklich- nicht die Motivation. Ich lerne täglich dazu (Online-Video-Trainings). Mavericks ist ok, einige Dinge ganz nett und auch durchdachter als bei WIN, aber auch nicht die Perfektion in Reinkultur. Aber ich lasse mich gerne noch überraschen. Und das iPhone könnte auch deutlich besser werden (Bildschirm, der blöde Homebutton, die Kamera). Das iPad fand ich hingegen schon immer gut (WLAN-Stabilität aber nicht).
Windows Phone ist für mich ein rundes System. Es ist jedem modernen System ebenbürtig, wenn nicht sogar in manchen Disziplinen überlegen. Es hat nach wie vor Potenzial. Das sage ich gerade nach meiner nun mehr praktischen Apple-Erfahrung (Numbers - was ist das denn?). Wenn es ein für mich relevantes Manko gab, dann war es die schlechte Exchange-Integration- und Umsetzung. Nur zwei Monate Ansicht zurück und nur ein paar Monate Ansicht vor, wo ich meinen Exchange-Account als Tagebuch seit 2000 und Kalender gleichzeitig nutze (ich kann fast jeden Tag in der Vergangenheit rekonstruieren), war für mich das einzige Manko und Hauptargument, mich nach einer Testphase doch -wenn auch schweren Herzens wegen der Kamera- dagegen zu entscheiden. Das hat MS in der Tat aus Sicht meiner Bedürfnisse massiv versemmelt (und das als Schöpfer von Exchange > pfui). Exchange ist mir allerdings äusserst wichtig, da ich es brauche. Wer einmal mit dem iPhone ein Foto geschossen hat und PureView in Erinnerung hat, kann über das iPhone an der Stelle nur den Kopf schütteln. Aber ich brauche Exchange. Es ist mein zweites Gehirn. Und mit den WP-Einschränkungen wollte ich nicht leben, nachdem auch das Business-Update von Seiten MS nicht kam. Auch das verspielte Windows 8 hat mir nicht gefallen. Und da lag der Apple-Switch nahe.
Wenn Du so willst, Timba, habe ich mich mit dem Imperium (als Schläfer im Untergrund) arrangiert, gerade auch wegen der neuen Tim-Cook-Marschrichtung. Im Herzen bin ich jedoch ein Nokia-Jedi-Ritter, der auf die Erfüllung der Prophezeihung wartet. Laut dieser Prophezeihung sollte eines Tages ein überaus machtbegabtes Telefon der New-Nokia in Erscheinung treten, welches das gestörte Gleichgewicht in der Macht wieder herzustellen vermag. Dieses Telefon wird als das Auserwählte bezeichnet.
