Beiträge von derAL

    Das Geschäftsmodell der Genossen, die oftmals kleine Einheiten darstellen, wird gerade in der Niedrigzinsphase problematisch, wenn diese lange andauert. Die ordentlichen Erträge gehen zurück, da fällige Papiere in der Eigenanlage nur mit niedrigen Zinsen angelegt werden können. Wie lange verkraftet das ein Haus mit 500 Mio. EUR Bilanzsumme? Dazu kommt, dass der Regulierungsaufwand steigt und der Wettbewerb immer härter und intensiver wird.


    Die Zeiten, in denen der wichtigste Mitarbeiter einer kleinen Volksbank der Hausmeister war, der die Türen öffnete, sind vorbei. Das Geschäft läuft nicht mehr von selbst.

    herbert:


    Weshalb sollte sich eine Bank von Dir zu 2 oder 3% Geld leihen, wenn sich die Bank das Geld am Geld- und Kapitalmarkt wesentlich günstiger holen kann?


    Man muss doch mal die Realitäten sehen. Wir haben eine Geldschwemme. Die Notenbanken haben in den letzten Jahren die Märkte regelrecht mit Geld geflutet. Wenn eine Bank dann doch für eine Inhaberschuldverschreibung sagen wir mal 3% bezahlt, dann bekommt man diesen Zins nicht umsonst. Man bekommt nur dann eine Kapitalbindungsprämie oder eine Bonitätsrisikoprämie, wenn man entweder ein Kapitalbindungsrisiko oder ein Bonitätsrisiko eingeht. Und diese Risiken können eben schlagen. Man bekommt an den Märkten für gewöhnlich nichts geschenkt. Und in Deinem genannten Beispiel hast Du einen Nachrang. Erst werden andere bedient und später (wenn noch was da ist) diejenigen mit Nachrang. Je nach Ausgestaltung können bei einer Nachranganleihe (von diversen Varianten von Hybridanleihen ganz zu schweigen) die Ertragskomponenten variabel sein (bei einer veränderten Ertragssituation des Unternehmens z. B. weniger Zinsen oder spätere Zahlungen). Was meinst Du, was passiert, wenn eine länger laufende Nachranganleihe keine Zinsen mehr zahlt? Dann macht es Peng und so schnell schaust Du gar nicht, wie der Kurs abstürzt. Auch stellt sich die Frage der Fungibilität/Handelbarkeit. Kannst Du das Papier denn so ohne weiteres abstoßen, wenn es Probleme gibt? Ist der Handel in dem Papier liquide? Gibt es ein Market Making? Oder suchst Du verzweifelt am Euromarkt einen Kontrahenten, der (sofern es ihn gibt) einen deftigen Abschlag wegen des eingeschränkten Handels verlangt? Eine liquide Anleihe kann ich am Markt verkaufen. Auch das sind Aspekte.


    Fazit:
    Da ist gegenüber einer Spareinlage eben doch ein höheres Risiko gegeben.
    Und genau dafür bekommst Du eine höhere Risikoprämie.


    Leider schätzen viele am Markt operierende die Risiken zu gering ein.
    Glauben aber, raffiniert vorzugehen. Das ist ein Grundsatz-Problem der Märkte.


    P.S.: Noch was. Was glaubst Du, wie viele Genossenschaftspleiten der Garantiefonds der Genossen gleichzeitig überstehen kann, wenn dabei große Institute in Schieflage dabei sind? Die Kapazitäten zur Abfederung schwerer Krisen sind dort nicht unbegrenzt.


    Stell Dir einen Zirkus vor: Ein Sicherheitsnetz kann den Sturz einer Artistin vom Drahtseil abfedern. Wenn aber ein Elefant von dort oben abstürzt, wird es dessen Sturz wohl kaum abfedern können.

    Wieviel würdest Du konkret für eine Stunde unabhängige und professionelle Beratung bezahlen, bernbayer?


    Annahmen:
    - alle Produkte, welche nach Bedarfsanalyse/Erstberatung empfohlen werden, haben die gleichen Einstiegskosten
    - alle laufenden Kosten dieser Produkte (etwa Verwaltungskosten) sind gleich hoch


    Anmerkung:
    Es sollte klar sein, dass eine Stunde für eine Erstberatung nie ausreichen würde.
    Dazu kommen im Jahr regelmäßige Strategiegespräche.

    Ich kann mich noch an meine Anfangszeiten erinnern, als die Kunden Ende der 90er darüber missbilligend gelacht haben, dass eine konservative Aktienstrategie in Verbindung mit gedeckten Stillhaltergeschäften langfristig 6-8% im Jahr liefert und auch mal negative Renditen liefern kann. Die wollten sicher 10-20% pro Woche/pro Monat. Dann platzte die Technologieblase in 04/2000. Die bösen Banken ... Dabei hatten viele fünf Depots, um bei Zeichnungen zugeteilt zu werden, um an der großen Party teilnehmen zu können.


    Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich vor einigen Jahren einen Kunden davor wohlwollend gewarnt hatte, noch in Öl zu investieren, als das Barrel bereits über 160 USD stand und absolut überbewertet war. Jeden Tag hat der mich angerufen. 'Schon wieder fünf USD hoch und wir machen nichts', so der tägliche Vorwurf. Ich nannte die sachlichen Argumente. Er wollte alleine allerdings keine Entscheidung treffen. Unbedingt hören, dass ich eine Empfehlung ausspreche, einzusteigen. Machte ich allerdings nicht. Nach zwei Wochen stieg er ein und beschwerte sich über mich (war damals noch im Private Banking für Kunden ab einer halben Million EUR), dass ich ihn bei seinen Investments behindern würde. Dann kaufte er großzügig bei 167 USD ein. Nicht mal ein Jahr später stand das Barrel bei 40 USD. Dann war es dann die schlechte Beratung der Vermögensberatung.


    Kenne auch einen Fall, wo Kunden den Bankern für blöd erklärten. Gibt nichts besseres als Containerbeteiligungen. Alles dort hingeschoben haben. Banker hat keine Ahnung. Die haben den angerufen. 'Was gibt es für Zinsen'. Banker hat dann die Zinsen genannt. Kunde gelacht und wieder 25-50 Tsd. EUR eine Beteiligung woanders gezeichnet. Bis alles abgezogen war. Etwas später ist dann der ganze Containerbeteiligungsmarkt regelrecht zusammengeschossen worden.
    Vermutlich war es dort dann auch der Banker.


    In den Medien wird immer auf die Banker herumgeritten. Das Interessante ist aber dabei, dass viele Kunden einfach nur die Dollar-Zeichen sehen, das Gehirn regelrecht aussteigt. Es gibt auch welche, die dann gegen die Bank klagen, 'weil man es ja zumindest probieren soll'. 'Wozu hat man einen Rechtschutz'. Die lassen sich weiter vom Banker beraten, spielen den Kumpel und lassen gleichzeitig offen eine Klage laufen. 'Sie müssen mich verstehen, nehmen Sie es bitte nicht persönlich'. Alles schon (auch bei befreundeten Bankern) erlebt. Da gibt es welche, die machen jahrelang Eurex-Geschäfte wie die Verrückten, stellen sich nach etlichen Jahren hin und behaupten vor Gericht wie ein Lämmchen, dass sie ja gar nichts gewusst hätten und vom Risiko schon mal gar nichts. In den Jahren zuvor waren sie fast schon Finanzgrößen a la Buffet. Immer am Puls der Zeit. Unerkannte Genies.


    So ist die Realität. Geiz ist geil; nur umgekehrt. Davon erfährt man aber nichts, wie viele Klagen gegen eine angeblich schlechte Beratung scheitern weil dann doch rauskommt, dass einer einfach nur gierig war. Passt aber medial nicht zur momentanen Mode der Bankerschelte.


    Ich persönlich sehe das entspannt. Habe vor etlichen Jahren die Seiten gewechselt und bin im Risikomanagement.


    Frage mich manchmal, wer das noch tun will; Banker im Vertrieb zu sein.

    bernbayer:


    Ich werfe mal die Frage in den Raum, wie das Vermögen entstanden ist?


    - durch jahrzehntelanges Wachstum
    - das wurde allerdings überwiegend weltweit schuldenfinanziert
    - durch einen steigenden Verschuldungsgrad auf allen Ebenen
    - dann kam die Krise (Subprime, Banken, Staaten)
    - sie befindet sich im siebten Jahr
    - man will das lösen
    - durch Schuldenreduktion und Regulierung
    - die Schulden müssen runter
    - durch schmerzhafte Maßnahmen und Einschnitte
    - das Wachstum und alles, was damit einhergeht (Vermögenswachstum, Lohnsteigerungen) können nicht mehr so finanziert werden, wie vor der Krise
    - wer zahlt nun die Schulden zurück?


    Was bedeutet das nun für Anlagerenditen im allgemeinen, wenn das Wachstum nicht mehr so funktioniert wie früher, weil es eine große Lüge war, da schuldenfinanziert?


    Zwar wird es immer Möglichkeiten geben, mehr zu verdienen. Das allerdings nur mit Fachkenntnis, Spezialwissen und einer gewissen Risikoakzeptanz. Die Frage lautet aber, wieviel man bereit ist, von seiner Währung 'Risiko' für die Chance ausgeben zu wollen. Risiken können eben schlagen.

    Ich spreche von Anlageimmobilien, die einen kräftigen Preisanstieg erfahren haben, z. B. Eigentumswohnungen, siehe unter anderem Link zum vdp-Preisindex für selbst genutztes Wohneigentum:


    http://www.pfandbrief.de/cms/_internet.nsf/tindex/de_86.htm
    (Bild aus besagter Link-Quelle; vdp - dort sind weitere interessante Grafiken/Charts):



    Hier wäre ich vorsichtig, etwa, wenn ich als Kapitalanleger erwäge, eine Wohnung zu kaufen, um diese im Anschluss zu vermieten. Der Preisauftrieb der letzten Jahre war stark.


    Ein Eigenheim (Haus im Grünen) gehört hier nicht dazu. Es hat in der Regel keinen Anlagecharakter.
    Es befriedigt andere Bedürfnisse und bringt gewöhnlich auch keinen ordentlichen Ertrag.

    Jetzt könnte man fragen, wie hoch damals die Geldentwertung war, als es noch 7% für 1 Jahr gab. Die war Anfang der 90er bei rd. 3,9-4%.


    Jetzt geht es mehr um
    - realen Kapitalerhalt,
    - Guthabenkrise,
    - Entschuldungsdruck der Kreditnachfrager (z. B. Staaten),
    - Anlagenotstand bzw. der Kampf der Institutionellen um Anlagemöglichkeiten (niedrigere Renditen reduzieren auch deren Erträge und schaffen neue Probleme) und das
    - Abschöpfen des Luftgelds durch die Notenbanken.


    Es geht also darum, nicht unter die Räder zu kommen. Das ist der Anlagetrend der nächsten Jahre.


    zu Prokon: Das war schon lange (und eigentlich schon zu Beginn des Angebots) abzusehen. 'Gier frisst Hirn' trifft es auf den Punkt. Stoff zum Nachdenken: die aktuelle Griechen-Rendite für 10jährige GovBonds beträgt derzeit rd. 6,5%.