Ich kann mich noch an meine Anfangszeiten erinnern, als die Kunden Ende der 90er darüber missbilligend gelacht haben, dass eine konservative Aktienstrategie in Verbindung mit gedeckten Stillhaltergeschäften langfristig 6-8% im Jahr liefert und auch mal negative Renditen liefern kann. Die wollten sicher 10-20% pro Woche/pro Monat. Dann platzte die Technologieblase in 04/2000. Die bösen Banken ... Dabei hatten viele fünf Depots, um bei Zeichnungen zugeteilt zu werden, um an der großen Party teilnehmen zu können.
Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich vor einigen Jahren einen Kunden davor wohlwollend gewarnt hatte, noch in Öl zu investieren, als das Barrel bereits über 160 USD stand und absolut überbewertet war. Jeden Tag hat der mich angerufen. 'Schon wieder fünf USD hoch und wir machen nichts', so der tägliche Vorwurf. Ich nannte die sachlichen Argumente. Er wollte alleine allerdings keine Entscheidung treffen. Unbedingt hören, dass ich eine Empfehlung ausspreche, einzusteigen. Machte ich allerdings nicht. Nach zwei Wochen stieg er ein und beschwerte sich über mich (war damals noch im Private Banking für Kunden ab einer halben Million EUR), dass ich ihn bei seinen Investments behindern würde. Dann kaufte er großzügig bei 167 USD ein. Nicht mal ein Jahr später stand das Barrel bei 40 USD. Dann war es dann die schlechte Beratung der Vermögensberatung.
Kenne auch einen Fall, wo Kunden den Bankern für blöd erklärten. Gibt nichts besseres als Containerbeteiligungen. Alles dort hingeschoben haben. Banker hat keine Ahnung. Die haben den angerufen. 'Was gibt es für Zinsen'. Banker hat dann die Zinsen genannt. Kunde gelacht und wieder 25-50 Tsd. EUR eine Beteiligung woanders gezeichnet. Bis alles abgezogen war. Etwas später ist dann der ganze Containerbeteiligungsmarkt regelrecht zusammengeschossen worden.
Vermutlich war es dort dann auch der Banker.
In den Medien wird immer auf die Banker herumgeritten. Das Interessante ist aber dabei, dass viele Kunden einfach nur die Dollar-Zeichen sehen, das Gehirn regelrecht aussteigt. Es gibt auch welche, die dann gegen die Bank klagen, 'weil man es ja zumindest probieren soll'. 'Wozu hat man einen Rechtschutz'. Die lassen sich weiter vom Banker beraten, spielen den Kumpel und lassen gleichzeitig offen eine Klage laufen. 'Sie müssen mich verstehen, nehmen Sie es bitte nicht persönlich'. Alles schon (auch bei befreundeten Bankern) erlebt. Da gibt es welche, die machen jahrelang Eurex-Geschäfte wie die Verrückten, stellen sich nach etlichen Jahren hin und behaupten vor Gericht wie ein Lämmchen, dass sie ja gar nichts gewusst hätten und vom Risiko schon mal gar nichts. In den Jahren zuvor waren sie fast schon Finanzgrößen a la Buffet. Immer am Puls der Zeit. Unerkannte Genies.
So ist die Realität. Geiz ist geil; nur umgekehrt. Davon erfährt man aber nichts, wie viele Klagen gegen eine angeblich schlechte Beratung scheitern weil dann doch rauskommt, dass einer einfach nur gierig war. Passt aber medial nicht zur momentanen Mode der Bankerschelte.
Ich persönlich sehe das entspannt. Habe vor etlichen Jahren die Seiten gewechselt und bin im Risikomanagement.
Frage mich manchmal, wer das noch tun will; Banker im Vertrieb zu sein.